Nach ca. einer halben Stunde des Videos zeigt Faurisson nun anhand eines Lageplans die Lage der Krematorien II-V des Lagers Birkenau. Er fährt fort:

Vortrag Faurisson, Minute 00:31:35 bis 00:32:08

An dieser Stelle hätte Faurisson quellenkritisch sich mit dem Begriff "Sauna" beschäftigen müssen. "Sauna" bezeichnet die Anlage, in der die Häftlinge tatsächlich geduscht worden sind und ihre Kleidung desinfiziert wurde. Dort bekamen die Häftlinge dann auch ihre Häftlingskleidung. Dies fand statt nach der Ankunft im Anschluss an die berüchtigte Selektion auf der Rampe.

Der Zeuge Otto Wolken beschreibt kurz die sg. "Sauna" im Frankfurter Auschwitz-Prozess:

"Am nächsten Tag in der Früh mußte ich mit diesen Leuten in die »Sauna« gehen. Nachdem sie dort gebadet waren und neue Kleidung erhalten hatten, mußte ich mit meinen Ärzten Fieber messen, und nur, wenn sie fieberfrei waren, durften sie wegfahren."

[Das Verfahren: 20. Verhandlungstag (27.02.1964). Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozeß, S. 5043
(vgl. AP003.007, S. 0)
http://www.digitale-bibliothek.de/band101.htm ]

Es gehört auch zu den Absurditäten des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, dass man sich sportlich betätigte. So berichten Häftlinge von Fußballspielen und Boxkämpfen.

"In Auschwitz wurde nicht nur musiziert, es wurde auch Sport betrieben. Schon im Frühling 1941 sind im Stammlager Fußballspiele ausgetragen worden. Tadeusz Borowski beschreibt einen Fußballplatz in einem Birkenauer Lagerabschnitt, der unmittelbar an die Krematorien grenzte. [...] Selbst im Hof des Krematoriums wurde gespielt."

Langbein, Hermann 1987, S. 155.

Auch in den 60er Jahren war dies mehrmals angesprochen worden im Frankfurter Auschwitz-Prozess:

"Den Angeklagten Baretzki habe ich erst in dem Lagerabschnitt BIId kennengelernt. Er war im Lager sehr gefürchtet. Zu uns Kindern war er sehr milde. Als wir im Juli 1944 auf den Block 13 kamen, wurde ein Pingpongtisch gebracht, und Baretzki beteiligte sich an dem Spiel. Er hat mit uns auch Fußball gespielt. Einmal holte er uns aus dem »Kanada«-Lager auch Zahnbürsten."


[Das Verfahren: 106. Verhandlungstag (30.10.1964). Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozeß, S. 23194f
(vgl. Blatt Baretzki-73, S. 337)
http://www.digitale-bibliothek.de/band101.htm ]

Der Prozeß fand Mitte der 60er Jahre statt. Faurisson hätte hiervon wissen müssen. Zumindest wäre es seine Pflicht gewesen als Wissenschaftler, die Aussagen zur Kenntnis zu nehmen und nicht voller Verwunderung dem unbedarften Leser angebliche Neuigkeiten zu präsentieren.

Also auch hier wird mit der Unwissenheit gespielt, Dinge, die eher zum Expertenwissen gehören, werden als vermeintliche Neuigkeiten verkauft, um die Verbrechen zu leugnen. Faurisson erläutert dann im weiteren zunächst die Lage der Krematorien II-V und ihre Umgebung und stellt fest, dass sie kein Geheimnis waren. Dies hat niemand behauptet. Er zeigt dann Fotos von ankommenden Häftlingstransporten.

Ab Minute 00:35:12 heißt es:

Vortrag Faurisson, Minute 00:35:12 bis 00:35:58

Seine Prämisse lautet ja, dass - siehe oben - man nur arbeitsfähige Menschen wollte. Dies ist, wie bereits dargelegt, falsch. Hanebüchen ist auch die Behauptung, dass man "uns" erzähle, dass man grundsätzlich Frauen und Kinder in die Gaskammern geschickt habe. Natürlich sind kleine Kinder und Frauen aufgrund ihrer Statur eher nicht als arbeitsfähig von der SS angesehen worden. Seine Pauschalität ist allerdings grundfalsch.

Dann betreibt er eine Schuldumkehr und bezichtigt die Regierungen, Schuld daran zu haben, dass auch Kinder deportiert wurden. Südfrankreich war nicht besetzt, das dortige Regierung kollaborierte mit NS-Deutschland (sg. Vichy-Regime). Der französische Ministerpräsident Pierre Laval sorgte dafür, dass auch jüdische Kinder und Jugendliche deportiert worden sind. Allerdings kann man dies kaum verallgemeinern. Außerdem waren viele Länder von Deutschland besetzt und besaßen keine eigene handlungsfähige Regierung.

Er fährt fort:

Vortrag Faurisson, Minute 00:36:24 bis Minute 00:36:49

Er überträgt seine eigenen vollkommen absurden Vorstellungen, verallgemeinert diese und erklärt diese dann, weil sie nicht den Tatsachen entsprechen, zur "Legende". Natürlich gibt es Häftlingsberichte, die von großen, vielleicht auch riesigen Krematorien sprechen, die Tag und Nacht in Betrieb waren. Ein Historiker muss die individuelle Subjektivität herausfiltern. Subjektive Eindrücke bedeuten nicht, dass bestimmte Dinge jenseits der Subjektivität nicht den Tatsachen entsprechen.

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R. Höß, Kommandant in Auschwitz

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