Faurisson zeigt nun einige Fotos aus der Bauzeit der Krematorien. Sein Ziel ist es, aufzuzeigen, dass man kein Geheimnis um die Krematorien machte.

Dies Thema taucht bei Faurisson immer wieder auf. Den Deutschen ging es in erster Linie darum, den Mord nach außen, also außerhalb des Lagers, zu verheimlichen. Innerhalb des Lagers konnte es nicht verheimlicht werden. Hierfür war der Mord zu offensichtlich, denn wenn ein Teil der Deportierten zur Zwangsarbeit eingeteilt und ein anderer ermordet wird, dann wird man einen Teil vermissen, insbesondere, wenn Familien auseinander gerissen werden.

Er zeigt dann weiter Fotos von "gesund" aussehenden Häftlingen, auch von Kindern, und sagt, dass auch Kinder in Auschwitz geboren worden sind. Auch dies ist eine richtige Aussage. Manche Schwangere konnte ihre Schwangerschaft bei der Einlieferung verbergen, sofern sie sie nicht hochschwanger war, wurde dann zur Zwangsarbeit eingeteilt. Heimlich wurden die Kinder geboren und dann versucht in irgend einer Weise zu ernähren. Die meisten sind allerdings schon im Lager verstorben bzw. sind ermordet worden.

Faurisson beschäftigt sich nicht mit der Geschichte des Lagers in all seinen Facetten, sondern behauptet: "Man sagt immer wieder, dass Kinder auch vergast worden sind. Diese offensichtlich nicht." Er unterlegt seinen Kommentar mit einem Foto von Kindern, die für die sowjetischen Soldaten ihre Registrierungsnummern zeigen.

Natürlich gab es auch Kinder im KZ Auschwitz, niemand behauptet, dass generell alle Kinder gleich ermordet worden sind. Der KZ-Arzut Mengele beispielsweise selektierte immer wieder Zwillingskinder für seine rassistischen Forschungen heraus, auch für andere medizinische Versuche wurden Kinder gebraucht und zunächst am Leben gelassen.

Eine Zeugin berichtet im Frankfurter Auschwitz-Prozeß:

"Im Sommer 1943 war ich im HKB [meint Häftlingskrankenbau, der Verf.] als Rev.-Läuferin beschäftigt. Während dieser Zeit konnte ich durch eine Ritze der Schreibstubenwand beobachten, daß N. mehrere neugeborene Kinder durch Spritzen in die Herzgegend getötet hat. Ich habe dies an mehreren Tagen gesehen, und es wurden von ihm mindestens fünf Kinder getötet. Es handelte sich meistens um Kinder von Polinnen, die bereits schwanger in das Lager kamen. Von anderen Häftlingen habe ich gehört, daß N. ebenfalls im Sommer 1943 auf diese Art etwa 50 Polinnen abgespritzt haben soll."

[Das Verfahren: Anklageschrift. Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozeß, S. 2971f
(vgl. Blatt 15272, S. 0) http://www.digitale-bibliothek.de/band101.htm]

Auch Aussagen wie diese hätte Faurisson in seinen Ausführungen berücksichtigen müssen, diese sind zum Zeitpunkt seines Vortrags bereits seit über 15 Jahren bekannt.

Noch einmal: es gab Kinder, die wurden in Auschwitz geboren und überlebten das Lager. Dies war aber ganz klar die Ausnahme. Manche Kinder sind später auch als "arisch" aussehend begutachtet worden und dann in Heime zur Eindeutschung gebracht worden.

Er zeigt Fotos von Leichen, spielt diese herunter als Opfer der Epidemien. Durch verschiedene Fotos versucht er, die Zustände des KZs als Folge des Krieges herunter zu spielen.

Bevor er mit seinen Erläuterungen über Auschwitz endet, fällt noch der Satz, dass es keine materiell Beweise für die Existenz der gaskammern gebe.

Alle weiteren Aussagen Faurissons wiederholen sich, so dass es sich m. E. nicht lohnenswert ist, sich weiter mit dem Video zu beschäftigen.

Fazit

Faurisson geht hochgradig selektiv vor:

Er geht nicht quellenkritisch mit den gefundenen Dokumenten um, sondern liest sie so, dass sein bereits fest stehendes Ergebnis hieraus gelesen wird. Er konfrontiert sie nicht mit anderen Quellen und Aussagen, auch geht er keineswegs auf die historische Entwicklung ein.

Hierüber hinaus geht er von falschen Voraussetzungen aus.

Sein Vortrag kann keineswegs belegen, dass es den Holocaust nicht gegeben hat.

Literatur

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 16. Auschwitz 1942-1945 und die Zeit der Todesmärsche 1944/45, Berlin/Boston 2018

Distel, Barbara (2012): Die Gaskammer in der "Baracke X" des Konzentrationslagers Dachau, in: Morsch, Günther/Perz, Bertrand (Hrsg): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung, Berlin 2012

Evans, Richard J. (20019): Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit, Frankfurt a. Main/New York

Greif, Gideon (2012): "Wir weinten tränenlos". Augenzeugenberichte des jüdischen "Sonderkommandos" in Auschwitz, Frankfurt a. Main

Höss (1946): Kommandant in Auschwitz. Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höss, hrsg. von Martin Broszat, München

Kalthoff, Jürgen/Werner, Martin (1998): Die Händler des Zyklon B. Tesch & Stabenow. Eine Firmengeschichte zwischen Hamburg und Auschwitz, München

Langbein, Hermann (1987): Menschen in Auschwitz, Wien.

Longerich, Peter: Wanssekonferenz. Der Weg zur "Endlösung", München

Niethamer, Lutz (1994): Der 'gesäuberte' Antifaschismus. Die SED und die roten Kapos von Buchenwald, Dokumente, Berlin.

Morsch, Günter (2012) Tötungen durch Giftgas im Konzentrationslager Sachsenhausen, in: Morsch, Günther/Perz, Bertrand (Hrsg): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung, Berlin

Pelt, Robert Jan/Dwork, Debórah 2000: Auschwitz. Von 1270 bis heute, München/Zürich

Pelt, Robert Jan (2012): Auschwitz, in: Morsch, Günther/Perz, Bertrand (Hrsg): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung, Berlin

Pelt, Robert Jan van (2016): The Case for Auschwitz. Evidence from the Irving Trial, Bloomington and Indianapolis

Pressac, Jean-Claude 1989: Auschwitz. technique and operation of the Gas Chambers, New York

Pressac, Jean-Claude 1994: Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, München

Schirmer, Gerhart (1992): Sachsenhausen - Workuta. Zehn Jahre in den Fängen der Sowjets, Tübingen

Schüle, Annegret (2017): Industrie und Holocaust. Topf&Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz, Göttingen

Smolén, Kazimierz/Świebocka 1990: Auschwitz zbrodnia przeciwko ludzkości, Warschau, polnisch mit englischsprachigem Beiheft

Strebel, Bernhard (2012): die Gaskammer im Konzentrationslager Ravensbrück Anfang 1945, in: Morsch, Günther/Perz, Bertrand (Hrsg): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung, Berlin 2012

Trunk, Achim (2012): Die todbringenden Gase, in: Morsch, Günther/Perz, Bertrand (Hrsg): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung, technische Entwicklung, revisionistische Leugnung, Berlin

Wagner, Bernd C. (2000): IG Auschwitz. Zwangsarbeit und Vernichtung von Häftlingen des Lagers Monowitz 1941-1945, München

 

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