4. Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus im Ost-West-Vergleich

4.1 Die Verfassungschutzberichte 1991, 1992 und 1995

4.1.1 Gewalttaten in bezug auf die Einwohner in den einzelnen Ländern

 

Das eingangs erwähnte höhere Ausmaß der Gewalt in bezug auf die Einwohnerzahl in den einzelnen Bundesländern im rechtsradikalen Spektrum veranschaulicht folgendes Schaubild:

 

Schaubild 1: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Gewalttaten in den einzelnen Bundesländern pro Million Einwohner 1991

Quelle: eigene Berechnungen (105)

Eine generelle Bemerkung ist notwendig: Bei allen statistischen Angaben des Verfassungsschutzes handelt es sich um die Anzahl vermuteter oder erwiesener Straftaten. "Gewalttaten" umfaßt Tötungsdelikte, Brand- und Sprengstoffanschläge, Sachbeschädigungen mit erheblicher Gewaltanwendung und Körperverletzungen.(106)

Deutlich zu erkennen ist die höhere Anzahl von Gewalttaten in zumindest vier der fünf neuen Bundesländer. Doch selbst dieses Bild ändert sich zu Ungunsten der neuen Länder, wenn man berücksichtigt, daß "ab August eine deutliche Schwerpunktverlagerung auf Ausländerunterkünfte von den neuen auf die alten Bundesländer, insbesondere in das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem die meisten Asylbewerber untergebracht sind, feststellbar [war]".(107) Die Gewalttäter waren überwiegend männliche Jugendliche. Die Altersstruktur veranschaulicht folgendes Schaubild:

 

Schaubild 2: Altersstruktur der mutmaßlichen Tatbeteiligten 1991

Quelle: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1991, S. 84

Ebenso zeigen viele Wahlanalysen, daß die Wähler rechtsradikaler und -extremer Parteien überwiegend (männliche) Jungwähler sind.(108) Frauen sind, was die Einstellungen betrifft, ebenso anfällig für Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Umsetzung in Verhalten ist aber ein anderes.(109)

Allerdings lassen sich hieraus noch keine Rückschlüsse über die Existenz DDR-spezifischer Ursachen ziehen, weil die Häufung der Gewalttaten in Ostdeutschland ebenso eine ausschließliche Ursache in der Umbruchssituation haben kann. Hierzu bedarf es weiterer Überlegungen.

Die Umbruchssituation war und ist noch durch Unsicherheiten gekennzeichnet. Solche politischen Umbrüche führen zwangsläufig zu Orientierungsschwierigkeiten, sofern die "alte" Ideologie von einer relativ großen Anzahl von Menschen getragen wurde. Den Sozialismus aber hatten relativ wenige verinnerlicht, Vorbild war schon immer die demokratisch verfaßte Bundesrepublik Deutschland (sonst wäre es nicht zur Vereinigung gekommen). Ein reines ideologisches Vakuum, also Verlust des Sozialismus, kann schon aus diesem Grund nicht so stark ins Gewicht fallen. Unsicherheit entstand, weil viele alte Strukturen zusammengebrochen bzw. zunächst "nur" ins Wanken geraten sind: Das staatliche System als Versorgungsinstanz war in Frage gestellt. "Versorgung" meint nicht primär materielle Güter, sondern staatliche Dienstleistungen wie z. B. Kindergärten, billigen Wohnraum u. ä. Umorientierung war auch nötig, weil nun Zuständigkeiten wechselten und weil auch mehr Eigeninitiative notwendig wurde. Dieser Aspekt wird im Abschnitt 4.2.2 "Autoritarismus" näher beleuchtet.

1992 ist insgesamt die Anzahl der Gewalttaten in den einzelnen Bundesländern angestiegen. Darüber hinaus hat eine Angleichung bezüglich den alten und den neuen Bundesländern stattgefunden. Allerdings nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, durch ein Sinken der Gewaltrate in Ostdeutschland und einen gleichzeitigen Anstieg in Westdeutschland oder sogar durch ein alleiniges Sinken in Ostdeutschland. Die Nivellierung ist vielmehr darauf zurückzuführen, daß die Gewaltrate in Westdeutschland 1992 deutlich stärker gestiegen ist. Der im August 1991 begonnene Trend hat sich also weiter fortgesetzt, wie folgendes Schaubild verdeutlicht:

 

Schaubild 3: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Gewalttaten in den einzelnen Bundesländern pro Million Einwohner 1992

Quelle: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1992, S. 73. Dort aber pro 100000 Einwohner

Spitzenreiter sind aber immer noch die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Tatsache, daß die Gewalttaten 1991 verstärkt in den neuen Bundesländern zu verzeichnen waren, deutet eine Kontinuität aus der DDR an, die aber unter Umständen mit zunehmender Zeit von westlichen Argumentationsmustern überdeckt werden könnte. Anzunehmen ist, daß sich fremdenfeindliche Einstellungen, die sich in der DDR unter spezifischen Bedingungen gebildet, sich über den Zeitpunkt der Vereinigung hinaus gerettet haben und sich erst später den westdeutschen Argumentationsmustern anpassen.

Die Altersstruktur der Gewalttäter hat sich nicht wesentlich geändert, wie folgendes Schaubild zeigt:

Schaubild 4: Altersstruktur der mutmaßlich Tatbeteiligten 1992

Quelle: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1992, S. 82

Die Tatsache, daß die Gewalttäter ganz überwiegend Jugendliche sind, darf natürlich nicht darüber hinweg täuschen, daß fremdenfeindliche und rechtsradikale Einstellungen in allen Altersgruppen vertreten sind. Stöss stellte in seiner Studie fest, daß das rechtsextreme Einstellungspotential mit zunehmendem Alter steigt.(110) Hier mußte natürlich seine Begrifflichkeit übernommen werden. "Gewalt" ist für ihn kein integraler Bestandteil rechtsextremen Denkens, so daß seine Terminologie erheblich von der hier verwendeten abweicht.(111)

Ab 1993 ist zwar die Zahl der Gewalttaten deutlich zurückgegangen, weniger deutlich zurück gingen die Straftaten insgesamt (dazu zählen dann auch die verschiedenen Formen der Propagandadelikte). Insgesamt hat sich der Trend der zurückgehenden Straftaten nicht fortgesetzt.(112)

Ab 1993 wurden die Straftaten nicht mehr nach Gewalt- und Propagandadelikten differenziert veröffentlicht, so daß diese Statistik nicht fortgesetzt werden kann. Eine Verlaufsanalyse ist hier wenig aussagekräftig. Doch selbst für das Jahr 1995 läßt sich die Häufung rechtsradikaler Straftaten (also Gewalt- und Propagandadelikte) in den neuen Bundesländern feststellen. Die Situation 1995 zeigt das folgende Schaubild:

Schaubild 5: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Straftaten in den einzelnen Bundesländern pro Million Einwohner 1995

Quelle: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1995, S. 101, dort aber pro 100000 Einwohner

Von den fünf neuen Bundesländern befinden sich vier unter den ersten sechs in der Abfolge. Diese Häufung wird vom Verfassungsschutz als "besonders hoch" eingeschätzt.(113) "Im Durchschnitt ereigneten sich in den neuen Bundesländern etwa 18,7 Straftaten je 100 000 Einwohner, in den alten nur 9,7."(114) Angaben über die Alters- und Sozialstruktur wurden 1995 leider nicht veröffentlicht, außer daß es sich bei den Tätern um "normale" Jugendliche handelt.(115) Der Begriff der rechtsradikalen Straftaten (der Verfassungsschutz nennt diese rechtsextrem) umfaßt außer den Deliktbereich der Gewalttaten zusätzlich noch Nötigungen/Bedrohungen, Verbreiten/Verwenden von Propagandamitteln; Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhaß, Beleidigung, Sachbeschädigung ohne erhebliche Gewaltanwendung u. a. Straftaten.(116)

Abschließend ist noch der zeitliche Verlauf grafisch dargestellt:

Schaubild 6: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Straftaten in den einzelnen Bundesländern pro Million Einwohner 1991-1995

Quellen: Verfassungsschutzberichte des Bundesministeriums des Innern (Hrsg.), fehlende Angabe 1991: keine Angaben aus diesen Bundesländern; 1991-1992 wurden nur Gewalttaten in den Bundesländern ausgewiesen, 1993-1994 nur alle fremdenfeindlichen Straftaten (z. B. Propagandadelikte), deswegen sind hier Angaben mit antisemitischen Hintergrund nicht enthalten. 1995 wurden alle Straftaten mit rechtsradikalen bzw. -extremen Hintergrund nach den Ländern differenziert ausgewiesen. Aus diesen Gründen sind die Unterschiede grundsätzlich verzerrt.

1995 kam es nach einem Rückgang (1994) in allen Bundesländern zu einem Anstieg rechtsradikaler Straftaten (in allen Bundesländern), besonders deutlich in den neuen Bundesländern (Ausnahme: Sachsen) und in den alten Bundesländern Bremen und Hamburg. Um dies zu erklären, müssen nicht nur die Verhältnisse regional genauer analysiert werden, sondern darüber hinaus müßte die Zeitreihe eine längerfristige sein. Vorläufig ist zu vermuten, daß die stärkere juristische Verfolgung nur für kurze Zeit abschreckende Wirkung hatte.

Obwohl der ausgewiesene Deliktbereich 1993 erweitert wurde, ist die Zahl der Straftaten im Übergang 1992/93 nur in neun Bundesländern (nicht etwa in allen) pro Million Einwohner gestiegen. Diese neun Bundesländer sind ausnahmslos alte Bundesländer (Berlin ist eigentlich beides). Folgende Aussage kann trotz der unterschiedlich erfaßten Delikte getroffen werden:

Wenn man davon ausgeht (was mehr als wahrscheinlich ist), daß es im Übergang 1992/93 keine grundsätzlichen strukturellen Änderungen, keine "Umwälzungen" der Straftattypen gegeben hat, zeigen die hier vorliegenden Daten, daß Delikte jenseits der Gewalttaten eine Domäne der alten Länder sind. Solche grundsätzlichen Änderungen wären z. B. ein deutliches Umschlagen von Gewaltdelikten in Propaganda- bzw. in andere Delikte.

Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, daß wenn alle Delikte nun differenziert erfaßt werden, in allen Bundesländern die Zahl der Straftaten deutlich steigt. Statt dessen ging die Anzahl der Straftaten in den neuen Ländern zurück, einzige Ausnahme ist das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit der gleichen Anzahl der Gewalttaten 1992 und der fremdenfeindlichen Straftaten 1993. Dies bedeutet, daß in den neuen Ländern die Zuwachsrate trotz der Erweiterung des Deliktbereichs deutlich geringer ausfällt. Sehr wahrscheinlich, weil diese Delikte in den neuen Ländern deutlich weniger begangen wurden. Dies läßt sich aus den Daten aber nur herauslesen, wenn man eben annimmt, daß keine grundsätzlichen Änderungen erfolgt sind. Dafür spricht, daß nur in den alten Bundesländern ein deutliches Anwachsen zu verzeichnen ist. Wenn man nun noch berücksichtigt, daß die Gewaltrate 1991 und 1992 in den neuen Bundesländern deutlich höher war, wird diese Argumentation in sich stimmig. Die zusätzliche Berücksichtigung der Propagandadelikte ließ die Zahl der Straftaten sehr viel deutlicher in den alten Bundesländern steigen.

Ergänzend muß berücksichtigt werden, daß die Infrastruktur insbesondere für Propagandadelikte in den alten Bundesländern ohnehin gegeben war durch agierende rechtsextreme Parteien wie die NPD, DVU usw. Anders dagegen in den neuen Bundesländern: "Der Aufbau von Parteistrukturen [von extrem rechten Parteien, der Verf.] in den neuen Bundesländern verlief schleppend."(117) Propagandadelikte konnten also kaum eine relevante Rolle spielen.

Diese Interpretation des vorliegenden Zahlenmaterials ist möglich, weil erstens der Großteil der verübten Gewalttaten 1992 einen fremdenfeindlichen Hintergrund hatten, 1993 ohnehin nur fremdenfeindliche Straftaten differenziert ausgewiesen worden sind.

 

4.1.2 Ökonomische Unsicherheit als Ursache der Gewalt in den neuen Bundesländern ?

4.1.2.1 Zum Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Krisen und fremdenfeindlichen bzw. rechtsradikalen Einstellungen

Ein gängiger, wenn auch in der Kurzform falscher, Erklärungsansatz beruht auf der Annahme, das fremdenfeindliche Einstellungen ihre Ursache in ökonomischen Krisen haben. Deswegen neigen im wesentlichen angeblich die von solchen Krisen Betroffenen zu solchen Einstellungsmustern. Solche einfach konstruierten Zusammenhänge sind falsch. Unter den rechtsradikalen Gewalttätern befinden sich nur wenig Arbeitslose. Dennoch spielen ökonomisch-soziale Faktoren eine Rolle. Ihre völlige Bedeutungslosigkeit zu behaupten, "widerspräche auch allen historischen und politischen Erfahrungen."(118)

Es gibt einen Zusammenhang oder besser komplexe Bündel von Zusammenhängen zwischen wirtschaftlichen Krisen und fremdenfeindlichen Einstellungen. Diese sind allerdings keine direkten Zusammenhänge. Das bedeutet in der Praxis z. B., daß die Mehrheit der Gewalttäter keine Arbeitslosen sind. Laut Verfassungsschutzbericht 1992 waren nur 9% der Tatbeteiligten arbeitslos, immerhin 31% waren Facharbeiter und Handwerker. Das Gros der mutmaßlich Tatbeteiligten (43%) stellten Schüler, Studenten und Auszubildende.(119) Dies ist auf Grund der Altersstruktur keine Überraschung.

Hier ist eigentlich eine genauere Analyse notwendig: Weil es einen negativen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und fremdenfeindlichen Einstellungen gibt,(120) sollte die Gruppe "Schüler, Studenten und Auszubildende" nach den Berufsaussichten differenziert werden. Diese sind, insbesondere in wirtschaftlichen Rezessionsphasen, von der Qualifikation abhängig. Ähnliches gilt auch für die Gruppe der Facharbeiter und Handwerker. Entscheidend ist z. B. auch, ob der Arbeitsplatz real bedroht ist oder ob eine subjektive Angst vor Arbeitsplatzverlust vorliegt. Darüber hinaus kommt Heitmeyer zu dem Schluß, daß die Arbeitsplatzqualität eine wichtige Rolle spielt.(121) An seinem Ansatz aber ist zu kritisieren, daß es vielfältige Möglichkeiten gibt, Unzufriedenheit zu "verarbeiten", z. B. mit Drogen. Er untersucht noch zu wenig, warum gerade einige Jugendliche zu rechtsradikalen Einstellungen neigen.

Meist ist kein direkter Zusammenhang zwischen ökonomischer Unsicherheit und fremdenfeindlichen Einstellungen festzustellen. Wenn dieser festgestellt wird, dann sind die Zusammenhänge schwach ausgeprägt. Stöss z. B. konstatiert einen relativ schwachen Zusammenhang zwischen ökonomischer Unsicherheit und – mit seiner Begrifflichkeit – extrem rechten Einstellungspotential. Ein Zusammenhang ist aber deutlicher bei den männlichen Befragten im ehemaligen Westteil Berlins beobachtbar.(122) Diese Zusammenhänge müssen zwangsläufig schwach sein, weil die Mittler zwischen der Makroebene (die Gesellschaft und ihr Zustand) und die Mikroebene (das Individuum) zwangsläufig stärker wirken auf das Individuum. Diese Mittler-Ebene ist vor allem zu komplex für quantitative Methoden. "Um so erstaunlicher ist das Ergebnis, daß sich derartige Zusammenhänge überhaupt empirisch feststellen lassen, d. h. daß die ökonomische Risikolage, obwohl nur ein winziger Baustein auf der makrosozialen Ebene, empirisch nachweisbare Auswirkungen bis auf die Individualebene hat."(123) Zu diesem Ergebnis kommen Melzer/Schröder. Auch sie stellen relativ schwache Zusammenhänge zwischen ökonomischer Unsicherheit und fremdenfeindlichen Einstellungen fest, in Westdeutschland stärker als in Ostdeutschland (vgl. hierzu Fußnote 132 in diesen Ausführungen).

Die Gewalttaten finden in einem politischen Raum statt, in dem Arbeitslosigkeit ein Aspekt ist, die fremdenfeindlichen Einstellungen entstehen bzw. werden in der selben politischen Atmosphäre artikuliert.(124) Um es deutlich auszudrücken: Ökonomische Unsicherheit erzeugt nicht direkt fremdenfeindliche und rechtsradikale Einstellungen. Diese sind bereits mehr oder weniger stark in der Gesellschaft vorhanden und werden durch Krisenphänomene verstärkt. Auch andere Krisenphänomene sind solche Katalysatoren, z. B. Wohnungsnot.(125) Die Katalysator-Wirkung wird auch von anderen Wissenschaftlern bestätigt, die eben keine ursächlichen Zusammenhänge darstellen.(126)

Empirisch sind die historischen und politischen Erfahrungen über den Zusammenhang von ökonomischen Krisen und fremdenfeindlichen bzw. rechtsradikalen Einstellungen schwer nachzuweisen. Dies liegt daran, daß die Ursachen sehr komplex sind. "Manifeste Ausländerfeindlichkeit mag zwar in den lebensweltlichen Grundstrukturen zu denen auch die Bereiche der Ökonomie und Arbeit zählen, entspringen; sie entwickelt jedoch ihre Ausprägung unter vielerlei Brechungen und Überformungen. Die besondere Situation des vormals geteilten Deutschlands hat zur Folge, daß ökonomische Erklärungsfaktoren zwar in Westdeutschland greifen, in Ostdeutschland aber von Aspekten der politischen Kultur der ehemaligen DDR überlagert und dominiert werden."(127)

4.1.2.2 Zur Situation in den Bundesländern 1991 und 1992

Diese Katalysator-Wirkung muß sich natürlich auch auswirken. Da die wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern eine schlechtere war und noch ist, müßte die Anzahl der verübten Gewalttaten, in Beziehung zur ökonomischen Situation gesetzt, eine größere sein. Ein geeigneter Indikator ist die Arbeitslosenquote. Sie ist durch entsprechende Veröffentlichungen immer präsent. Überdies ist sie direkt und indirekt für den Einzelnen erfahrbar: Entweder man ist selbst davon betroffen als Arbeitsloser oder aber man "erfährt" die Arbeitslosenquote durch Arbeitslose im persönlichen Umfeld (arbeitslose Verwandte oder Bekannte). Deswegen wird nun die Anzahl der Gewalttaten in Beziehung zur Arbeitslosenquote gesetzt. Wenn die rechtsradikale Gewalt sich erklärt aus der ökonomischen Unsicherheit und diese grundsätzlich eine verstärkende Wirkung auf fremdenfeindliche Einstellungen hat, dann muß dieser Zusammenhang in den neuen Bundesländern stärker sein. Schließlich ist dort die Arbeitslosenquote höher. Natürlich kann man nicht erwarten, daß es ein homogenes Ergebnis gibt, z. B. daß in allen Ländern eine bestimmte Arbeitslosenquote zu einer davon abhängigen gleichen Anzahl rechtsradikaler Gewalttaten in den Ländern führt. Ein solches Ergebnis setzt eindeutige Zusammenhänge voraus, die eben nicht vorhanden sind.

Es wurde aber schon festgestellt, daß die Anzahl fremdenfeindliche Gewalttaten in bezug zu den Einwohnerzahlen in den neuen Ländern höher ist. Bei höherer Arbeitslosenquote muß dann die ökonomische Katalysator-Wirkung in den neuen Ländern deutlicher sein. Die gleiche Arbeitslosenquote muß demzufolge in den neuen Bundesländern stärker auf die Anzahl der Gewalttaten wirken. Der Katalysator-Effekt müßte also in den neuen Ländern das fremdenfeindliche Potential dort deutlicher verstärken.

Das folgende Schaubild stellt die Zahl der Gewalttaten in Relation pro 1% Arbeitslosenquote für 1991 dar:

Schaubild 7: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Gewalttaten pro 1% Arbeitslosenquote in den Bundesländern 1991

Quelle: eigene Berechnungen(128)

Wie unschwer zu erkennen ist, liegen nun die alten Länder an der Spitze. Der Katalysator-Effekt wirkt in den alten Ländern stärker, obwohl – wegen der Sozialisation in der DDR – Gewalt in den neuen Ländern eher ein Mittel ist, fremdenfeindliche Einstellungen zum Ausdruck zu bringen.

Da das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme weder 1991 noch 1992 in den neuen Bundesländern bei weitem noch nicht so groß waren wie gegenwärtig, ist nach Gründen für fremdenfeindliche Gewalt 1991 und 1992 nicht primär im ökonomischen Bereich zu suchen. Um dies für 1992 ebenfalls zu zeigen, kann ebenso die Anzahl der Gewalttaten in Relation zur Arbeitslosenquote gesetzt werden:

Schaubild 8: Anzahl rechtsradikaler und -extremer Gewalttaten pro 1% Arbeitslosenquote in den Bundesländern 1992

Quelle: eigene Berechnungen(129)

Die alten Bundesländer sind noch immer an der Spitze, das Schlußlicht wird von den kleinen (alten) Bundesländern Saarland, Hamburg und Bremen gebildet. Es hat sich also nichts grundsätzliches geändert.

Die tatsächlichen Zusammenhänge sind natürlich komplexer, hier muß man größte methodische Vorsicht walten lassen. Diese Relation von Arbeitslosenquote und der Anzahl rechtsradikaler Gewalt kann nur dahingehend einen Eindruck vermitteln, daß ökonomische Unsicherheit (gemessen mit dem Indikator "Arbeitslosenquote") in den alten Bundesländern stärker wirkt. Die Ergebnisse von Stöss und Melzer werden aber bestätigt.

Die hier hergestellte Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und Anzahl rechtsradikaler Gewalttaten bedeutet natürlich nicht, daß bei 2% Arbeitslosenquote sich die Anzahl der Gewalttaten entsprechend verdoppelt (sofern man einen linearen Zusammenhang vermutet), daß Arbeitslose die Gewalttäter sind usw.

Die Schaubilder hier suggerieren einen recht starken und eindeutigen Zusammenhang. Dies liegt darin begründet, daß eben andere mögliche Faktoren auf der Mittler-Ebene ausgeblendet sind. Einer dieser Faktoren ist Bildung. Alle hier genannten Studien zeigen, daß negative Einstellungen zu Fremden deutlich negativ mit dem Bildungsgrad korrelieren. Das heißt, daß je höher der Bildungsgrad einer Person ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie Fremde ablehnt. Die Mehrheit der Täter weist tatsächlich einen geringen Bildungsgrad auf.(130) Somit haben sie geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man nun (wie hier geschehen) die Mittler-Ebene "Bildung" wegläßt, muß sich zwangsläufig ein hoher direkter Zusammenhang zwischen den Gewalttaten und der ökonomischen Unsicherheit ergeben.

Vor dem Hintergrund der eben gemachten Erläuterungen sagt die Anzahl rechtsradikaler Gewalttaten pro 1% Arbeitslosenquote in den Bundesländern konkret folgendes aus: Ein wie auch immer genau aussehender Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der Anzahl rechtsradikaler Gewalttaten ist in den alten Bundesländern stärker positiv im analysiertem Zeitraum, unabhängig davon, wie stark genau dieser Zusammenhang exakt sein mag. Die Westdeutschen haben schließlich seit 1975 eine Entwicklung u. a. zur Ellbogengesellschaft durchgemacht: "Scharf pointiert könnte man sagen: mehr narzißtische Ellbogenmentalität, weniger soziale Rücksichtnahme."(131) Diese Entwicklung gab es in der DDR nicht, deswegen fehlten solche Einstellungen unmittelbar nach dem politischen Umbruch in der DDR, so daß letztendlich nicht ausschließlich die schlechtere ökonomische Situation für die stärkere Ablehnung von Fremden in den neuen Ländern verantwortlich gemacht werden kann.

Dieses Ergebnis wird für 1991 durch Melzer/Schröder erhärtet: "Betrachtet man die Ergebnisse [...] im Zusammenhang, so zeigt sich, daß Jugendliche der alten BRD stärker dazu neigen die allgemeine Wirtschaftsentwicklung durch Krisenphänomene zu charakterisieren."(132) Selbst "historisch-nationalisierende Einstellungen", das sind nach Melzer den NS relativierende Einstellungen, korrelieren bei westdeutschen Jugendlichen stärker, wenn sie die wirtschaftliche Lage als Krise charakterisieren oder sie zumindest als bedroht sehen.(133)

Diese Statistik kann für 1995 nicht fortgesetzt werden, weil sich das veröffentlichte Datenmaterial in den Verfassungsschutzberichten verändert hat. Da ab 1993 nicht nur Gewalttaten, sondern allgemein die Anzahl der Straftaten veröffentlicht worden ist, kommt es zu großen Verzerrungen, wenn diese auf die Arbeitslosenquote bezogen würden. Die Differenz der publizierten Zahlen von 1992 zu 1993 ist zu groß (weil eben andere Delikte addiert sind). Der Anstieg der Arbeitslosenquote ist aber viel weniger stark.

Das Fazit kann dennoch gezogen werden: Fremdenfeindliche Gewalt entspringt nicht primär der ökonomischen Situation in den neuen Bundesländern.

4.2 Ausgewählte Ergebnisse vergleichender Studien, die auf die zu behandelnden Themen verweisen

4.2.1 Soziale Distanz

Viele Studien stellen in den unterschiedlichen Zeiträumen fest, daß fremdenfeindliche Einstellungen unter Jugendlichen aus den neuen Bundesländern quantitativ stärker vertreten sind. In allen wird nach dem Verhältnis zu Ausländern, nicht zu Fremden gefragt. Deswegen muß die Terminologie hier übernommen werden. In Erinnerung gerufen werden muß, um welche Ausländer es sich in der Regel handelt, die als "störend" empfunden werden: Ausländer aus dem nicht-europäischen Kulturkreis, also eigentlich "Fremde".(134)

So empfinden 48% der männlichen und 34,8% der weiblichen Jugendlichen aus den neuen Bundesländern Ausländer als störend. Demgegenüber empfinden aber "nur" 37,6% der männlichen und 23,1% der weiblichen aus den alten Bundesländern Ausländer als störend.(135)

Melzer hat die Zustimmung/Ablehnung etwas besser differenziert und kommt in seiner Studie zum Aspekt (in seiner Terminologie) "Ausländerfeindlichkeit" u. a. zu folgendem Ergebnis:

Tabelle 1: Ausländerfeindlichkeit (1990) bei Jugendlichen

Statements

Region

stimmt

   

genau

ziemlich

kaum

nicht

Mich stören die vielen Ausländer bei uns im Land

West

11.1

28.8

38.4

21.7

Ost 21.1 29.4 31.4 18.7

Es wäre am besten, wenn alle Ausländer Deutschland verlassen würden

West

8.2

21.4

35.0

35.4

Ost 17.9 23.5 31.4 27.2

 

Quelle: Melzer '90, S. 136. Angaben in Prozent

Hier wird nicht nur die generell quantitativ größere, sondern auch die stärkere Ablehnung von Ausländern deutlich. Auffallend ist der höhere Anteil der völligen Zustimmung bei ostdeutschen Jugendlichen. Dies weist auf eine größere Rigidität dieser Einstellungsdimension hin.

Bis 1995 hat sich sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern wenig geändert, wie folgende Zahlen belegen:

Der Aussage, daß es genug Ausländer in Deutschland gebe, stimmten 1995 37% der befragten Jugendlichen aus den alten Ländern zu, aber sogar 64% aus den neuen.(136)

Diese Untersuchungen geben einen ersten Hinweis auf DDR-spezifische Ursachen dieser Einstellungsdimension: soziale Distanz. Der Ausländeranteil in der DDR war sehr gering, es gab kaum Kontakte zu anderen Kulturen.(137) Wenn es einen kulturellen Austausch gab, dann war er selten selbstbestimmt. Ausländer als gleichberechtigte Individuen stellen für in der DDR Aufgewachsene etwas ungewohntes dar.strong>(138) Fremde sind sozial weniger anerkannt, man verhält sich ihnen gegenüber distanziert. Dies drückt sich u. a. in der Anzahl der Freundschaften zu Ausländern aus und in Sympathiebekundungen zu Ausländern:

Schaubild 9: Sympathie und Antipathie von Jugendlichen zu Ausländern in Ost und West 1995

Quelle: IBM '95, S. 23. Zustimmung zum Item jeweils in Prozent.

 
Es liegt auf der Hand, daß mehr Jugendliche aus den alten Bundesländern ausländische Freunde haben, weil der Anteil von Ausländern höher war, was die statistische Wahrscheinlichkeit von Kontakten zu dieser Bevölkerungsgruppe erhöht. Ausländer in Schulen beispielsweise waren in der alten Bundesrepublik ein typisches Bild, weswegen Alltagskontakte quantitativ stärker vorhanden waren. Das zeigt aber auch einen qualitativen Unterschied: Freundschaften können sich entwickeln, soziale Distanz wird abgebaut bzw. erst gar nicht aufgebaut. Dieses Beispiel zeigt aber auch, daß Ausländer in den alten Bundesländern stärker integriert sind (obwohl sie nicht völlig gleichberechtigt sind) als in den neuen Ländern. Die mehr als dreimal größere Zustimmung in den neuen Ländern zur Aussage, Ausländer nicht besonders zu mögen, ist ein deutliches Indiz für soziale Distanz.

Diese Zahlen werden von der jüngsten Heitmeyer-Studie in etwa bestätigt.(139) Er stellt allerdings eine höhere Ablehnung von Ausländern im Westen fest, so daß die Unterschiede nicht mehr so groß ausfallen. Dennoch stoßen Fremde auch dort in den neuen Bundesländern auf größere Ablehnung.

Die DJI-Untersuchung dagegen kommt zum Ergebnis, daß rechtsextreme Einstellungen im Osten nur wenig größer sind.(140) Dies liegt aber an der dort verwendeten Methode: Sehr verschiedene Aspekte werden unter diesem Begriff subsumiert, z. B. Ausländerfeindlichkeit, Wunsch nach einem starken Führer, ob der Nationalsozialismus eine gute Idee war u. a. Wenn alle diese verschiedenen Aspekte zusammengefaßt werden (wie dort geschehen), werden Unterschiede letztlich verwischt. Das Gesamtresultat ist innerhalb des Forschungsdesigns korrekt, aber auffällig ist eben, daß Fremde selbst dort auf signifikant stärkere Ablehnung in den neuen Ländern stoßen.

Soziale Distanz läßt sich auch aus der Stöss-Studie ablesen. Das Statement "Es geht zu weit, wenn sich Ausländer auch noch an deutsche Mädchen und Frauen heranmachen" fand im Ostteil Berlins eine fast dreimal höhere völlige Zustimmung als im Westteil der Stadt.(141) Auch hierin drückt sich soziale Distanz aus, weil Beziehungen zwischen Ausländern und Deutschen unerwünscht sind.

Im Gegensatz zu allen anderen Studien handelt es sich bei den Untersuchungen von Stöss und Silbermann/Hüsers um keine ausschließlichen Jugendstudien. Stöss' Ergebnisse sind repräsentativ für die gesamte Bevölkerung Berlins. Zwischen Jugendlichen und der älteren Bevölkerung gib es in diesem Punkt keine signifikanten Unterschiede, sonst wären sie ausgewiesen worden.

Abschließend wird noch verdeutlicht, welche Ausländer auf Ablehnung stoßen: Melzer ließ die Befragten 27 verschiedene Nationalitäten und ethnische Gruppen auf einer Sympathie/Antipathie-Skala von "eins" bis "fünf" bewerten. Frage war: "Wie denken Sie über andere Nationalitäten und das Verhältnis zu den Nachbarstaaten ? Wie sympathisch bzw. unsympathisch sind Ihnen die folgenden Nationalitäten ?"(142) Diese Frage sollte auf einer fünfstufigen Skala beantwortet werden, "eins" bedeutet "sehr sympathisch", "fünf" entsprechend "sehr unsympathisch". Aus den Antworten wurden dann Durchschnittswerte gebildet. Die jeweils sympathischsten und unsympathischsten Nationalitäten inklusive der durchschnittlichen Bewertung zeigen folgende zwei Tabellen:

Tabelle 2: Die drei am stärksten abgelehnten Nationalitäten bei Jugendlichen (1990) im Ost-West-Vergleich

 

Westdeutschland

Ostdeutschland

 

Mittelwert

Prozent

Nationalität

Mittelwert

Prozent

Nationalität

25. Platz

3.07

24

Polen

3.43

48.4

Polen

26. Platz

3.26

28.6

Türken

3.6

53.4

Türken

27. Platz

3.36

 

Araber

3.8

63.3

Israelis

Quelle: Melzer '90, S. 129, Prozentwerte auf S. 130

Lesebeispiel: 24% der westdeutschen Jugendlichen bewerten Polen auf der Skala mit 4 oder 5, wobei der Mittelwert insgesamt (bewertet zwischen "1" und "5") 3.07 beträgt; mit diesem Mittelwert nimmt diese Nationalität den 25. Platz im Westen ein. Polen wurden dagegen von 48.4 % der Ostdeutschen mit 4 oder 5 bewertet, was ebenso den 25. Platz ergibt, aber mit einem Mittelwert von 3.43. Der Prozentwert bei "Arabern" wurde nicht ausgewiesen. Die Mittelwerte wurden (dies gilt auch für die anderen, von Melzer übernommenen, Tabellen 2 bis 4) nicht exakt publiziert. Die Balkengrafik jedoch ist maßstabsgerecht veröffentlicht, weswegen die Angaben vom Verf. im Rahmen der Meßgenauigkeit ermittelt werden konnten.

Hier wird deutlich, um welche Nationalitäten es sich handelt. Interessant ist, daß Türken auf so starke Ablehnung in Ostdeutschland stoßen. Diese Bevölkerungsgruppe schließlich hat es in der DDR nicht gegeben. Soziale Distanz richtet sich gegen alles Unbekannte.

Das zeigt aber auch, wie es um Ausländer"integration" in Westdeutschland tatsächlich bestellt ist, immerhin gehören Türken zu der Ausländergruppe, die bereits seit längerem in Deutschland präsent ist und viele Türken inzwischen hier geboren und aufgewachsen sind.(143)

Die Tatsache, daß Israelis in Ostdeutschland den letzten Platz belegen, verweist auf Effekte der anti-israelischen Propaganda in der DDR, aber auch auf den Umgang der DDR mit dem Nationalsozialismus.(144)

Ostdeutsche Jugendliche lehnen die ihnen unsympathischen Nationalitäten stärker ab, sie werden noch schlechter bewertet als in Westdeutschland. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf größere Rigidität und vor allem auf ein stärker ausgeprägtes Freund-Feind-Denken im Osten. Denn die beliebten Nationalitäten werden im Osten stärker positiv von den Jugendlichen bewertet:

Tabelle 3: Die drei beliebtesten Nationalitäten bei Jugendlichen (1990) im Ost-West-Vergleich

 

Westdeutschland

Ostdeutschland

 

Mittelwert

Nationalität

Mittelwert

Nationalität

1. Platz

2.26

Franzosen

2.0

Österreicher

2. Platz

2.53

Amerikaner

2.1

Holländer

3. Platz

2.53

Spanier

2.13

Schweizer

Quelle: Melzer '90, S. 129. Prozentangaben wurden leider nicht ausgewiesen.

Lesebeispiel: Westdeutschen Jugendlichen sind von den 27 vorgelegten Nationalitäten Franzosen am sympathischsten, der Mittelwert beträgt 2.26. Spanier belegen mit einem Mittelwert von 2.53 den 3. Platz bei westdeutschen Jugendlichen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß ostdeutsche Jugendliche die beliebten Nationalitäten stärker positiv, unsympathische Nationalitäten stärker negativ als westdeutsche Jugendliche bewerten. Diese Polarisierung zeigt ein stärkeres Denken in Freund-Feind-Kategorien. Dies hat seine Ursachen in der Sozialisation der DDR, was durch eine andere Untersuchung bestätigt wird. Im Rahmen einer Untersuchung zum Ausmaß des Antisemitismus fragte Brusten auch nach Antipathien gegenüber Minderheiten wie z. B. Vietnamesen, Türken, "Zigeuner". Auch hier zeigt sich, daß ostdeutsche Studenten diese Minderheiten deutlich stärker ablehnen als westdeutsche.(145) Die Möglichkeit, das Ostdeutsche offener Vorurteile eingestehen als Westdeutsche, ist keine Erklärung für die auffälligen Differenzen, denn die bessere Bewertung (im Vergleich zu Westdeutschland) von sympathischen Nationalitäten ist ein klarer Hinweis für ein rigideres Freund-Feind-Denken.

4.2.2 Autoritarismus

4.2.2.1 Grundsätzliche Bemerkungen zum Begriff

Kenner der Materie wissen, daß sowohl die Bedeutung des Begriff als auch seine Relevanz für die hier zu untersuchenden Einstellungsmuster umstritten sind.(146) Dennoch taucht der Begriff mit seinen unterschiedlichen Facetten immer wieder in Untersuchungen über Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus und -extremismus auf, insbesondere erlebte der Begriff eine Renaissance durch die fremdenfeindlichen Einstellungen in den neuen Bundesländern.(147) Die gängige Argumentation ist zu simpel: Die DDR war eine autoritäre Diktatur, deswegen produzierte sie in hohem Maß autoritäre Persönlichkeiten, die per se fremdenfeindlich und rechtsradikal eingestellt sind. Diese enge Verknüpfung zwischen Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit ist auf die Kritische Theorie der Frankfurter Schule im allgemeinen und auf Horkheimer/Adorno im besonderen zurückzuführen.

Vorläufer waren Fromm, Le Bon u. a., die mit der Hilfe der Psychoanalyse autoritäre Charakterstrukturen erklären wollten. Insbesondere die breite Unterstützung des Nationalsozialismus durch die deutsche Bevölkerung sollte erklärt werden.(148)

Den Durchbruch erzielte dann Theodor Adorno, weil hier empirisch geforscht wurde, die Ergebnisse somit verallgemeinerbar waren oder besser sein sollten.

Kernmerkmal ist die freiwillige Unterwerfung unter Autoritäten. "Freiwillig" bedeutet, daß die Autorität nicht andere zwingt (beispielsweise durch Bedrohung), sich unterzuordnen. Hier wird deutlich, daß das Konzept nicht ohne weiteres auf die Bevölkerung in DDR übertragbar sein kann, weil man sich nicht freiwillig unterordnete. Dennoch wird Adornos Konzept benutzt.

Natürlich wurden sowohl im nationalsozialistischen Deutschland als auch in der DDR repressive Methoden zur Einschüchterung benutzt. Die Zustimmung zum Regime im Dritten Reich war aber bedeutend größer. Die zeigt schon der Aufstand am 17. Juni 1953. Etwas Vergleichbares hatte es im Dritten Reich nicht gegeben. Gerade wegen der mangelnden Zustimmung zum SED-Regime mußte der Sicherheitsapparat entsprechend ausgebaut werden.

Adorno verknüpfte auch die autoritäre Persönlichkeit mit vorurteilsvollen Einstellungen gegenüber ethnischen Minderheiten. Es gibt angeblich große Zusammenhänge zwischen autoritären und ethnozentristischen Einstellungen.(149)

Dies ist ein möglicher Grund, warum der Ansatz gerade in Deutschland so hartnäckig vertreten wird: Um als vorurteilsfrei zu gelten, genügt es nun, sich als nicht autoritär zu bezeichnen. Gerade die deutsche Studentenbewegung (die sg. "68er-Bewegung") in Deutschland hat sich sehr betont als anti-autoritär bezeichnet. Somit konnte man die israelische Politik einfacher (ohne als Antisemit zu gelten) kritisieren.(150) Berücksichtigt werden muß auch, daß ein nicht unerheblicher Teil der Studenten marxistische Ansichten vertraten, ähnlich wie die Frankfurter Schule.

Grundsätzlich muß auch angemerkt werden, daß Adorno keine Theorie der autoritären Persönlichkeit entwickelt hat. Oesterreich bezeichnet diese Tatsache als eines "der zentralen Mißverständnisse der Autoritarismusforschung".(151) Viele Sozialwissenschaftler übernehmen sehr kritiklos Adornos Ansatz und sprechen dann von Belegen seines "Konzeptes".

Außerdem begehen viele, die sich intensiv mit Autoritarismus beschäftigen, einen Kardinalfehler: Sie wollen den Nationalsozialismus erklären. Auch Oesterreich ist hiervon nicht frei.(152) Politische Prozesse im allgemeinen, insbesondere der Nationalsozialismus, sind aber viel zu komplex, um die breite Unterstützung durch die Bevölkerung durch wenige sozio-psychologische Konzepte zu erklären. Insbesondere dann, wenn der Aufstieg der NSDAP ausschließlich mit der Weltwirtschaftskrise verknüpft wird.

4.2.2.2 Autoritarismus bei Melzer und Stöss

Melzer und Stöss übernahmen in ihren Studien Adornos "Konzept", allerdings stark modifiziert. Das extrem rechte Einstellungspotential ist bei Stöss im Osten in etwa doppelt so groß.(153) Dies hat seine Ursache im doppelt so hohen Autoritarismuspotential und im dreimal so hohen Entfremdungspotential.(154) Da aber die gemessene "Entfremdung" eine Folgeerscheinung des Autoritarismuspotentials ist, relativieren sich diese Angaben. Die Dimension "Entfremdung" wird u. a. mit dem Item "Früher wußte jeder, was zu tun ist" gemessen. Dieses Item findet im Osten fast doppelt so hohe völlige Zustimmung,(155) verweist aber eher auf Autoritarismus im Sinne der Definition Oesterreichs.(156)

Das Autoritarismus-Potential trifft auch auf Jugendliche zu, mehr noch: In einer Strukturanalyse des Rechtsextremismussyndroms (157) stellt Melzer fest, daß "die aktuellen Vorurteilsmuster in Verbindung mit autoritären Persönlichkeitsdispositionen stärker direkt wirkend [...] als Erklärungsfolie des Rechtsextremismus in Ostdeutschland fungieren".(158) Er kommt zu dem Schluß, daß in Ostdeutschland "der von Adorno gewählte Ansatz der Erklärung des Faschismuspotentials aus sozialisatorisch erworbenen Charakterstrukturen [...] immer noch eine erhebliche Relevanz [besitzt, Hervorhebung durch den Verf.]."(159) Dieser Unterschied ist aber eher darauf zurückzuführen, daß Melzer im wesentlichen das Autoritarismus"konzept" von Adorno übernommen hat.(160) Hieran ist zu kritisieren, daß die bloße Übernahme einer modifizierten Antisemitismus- und Ethnozentrismusskala nicht ausreichend ist, um damit das "Konzept" Adornos insgesamt zu stützen. Stöss' Autoritarismus-Items sind ebenfalls eher an Adorno angelehnt, wenn auch sehr aktualisiert und extrem verkürzt.(161)

In Westdeutschland dagegen ist (nach Melzer) eher das von Heitmeyer(162) entwickelte Konzept zur Erklärung der manifesten Ausländerfeindlichkeit geeignet, "so daß sich auch die festgestellten Differenzen bei west- und ostdeutschen Jugendlichen vor dem Hintergrund unserer modernitäts- und konvergenztheoretischen Hypothesen als ein universeller Kulturunterschied interpretieren lassen".(163)

4.2.2.3 Autoritarismus bei Oesterreich

Oesterreich kommt in seiner, allerdings nicht repräsentativen, Untersuchung zu dem Ergebnis, daß bezüglich des Autoritarismus kaum quantitative Unterschiede auftreten.(164) Dies liegt daran, daß Oesterreich von einem völlig anderen Autoritarismuskonzept ausgeht. Allerdings werden jeweils unterschiedliche Sozialisationsbedingungen zur Herausbildung des Autoritarismuspotentials verantwortlich gemacht (hier treffen sich die Ergebnisse mit denen von Melzer).

Im Westen ist die sg. "Risikogesellschaft"(165) ein wesentlicher Erklärungsfaktor, im Osten sind es die spezifischen Sozialisationsbedingungen der ehemaligen DDR. Oesterreich nimmt dem Autoritarismus erst einmal die Negativ-Attribution, weil autoritäre Reaktionen unter Umständen ein normales Verhalten sein können: "Wenn das Individuum bestimmte Situationen nicht allein bewältigen kann, ist die Anlehnung an oder Flucht in die Sicherheit von Schutz gewährenden Instanzen durchaus vernünftiges Verhalten."(166) Autoritäre Reaktion ist wie folgt definiert: "Die Flucht in die Sicherheit soll als autoritäre Reaktion bezeichnet werden."(167) Diese sicherheitsgebenden Instanzen sind im Sozialisationsprozeß des Kindes z. B. die Eltern.

Die autoritäre Persönlichkeit dagegen wird angesehen als "Produkt einer lebensgeschichtlichen Verarbeitung dieser [meint autoritären, der Verf.] Reaktion."(168) Das heißt, daß die autoritäre Persönlichkeit nicht in der Lage ist, selbständig zu handeln. Als Ursache hierfür sieht er eine elterliche Überschutz-Funktion. Diese Rolle der "Über-Eltern" hatte die DDR: "Die Menschen hatten einen klar vorgezeichneten Lebenslauf, der ökonomische und soziale Sicherheit bei begrenzten Gratifikationen bot. Andererseits waren [...] viele Freiheiten eingeschränkt",(169) weswegen es nicht verwundert, daß mehr Ost-Berliner dem Item der Stöss-Studie "Früher wußte jeder, was zu tun ist" zustimmen. Somit hat das System der DDR Persönlichkeiten geschaffen, die durch die Wende zwangsläufig in besondere Schwierigkeiten geraten müssen, denn eine "Kombination von ökonomischer Krisensituation, Identitätsproblemen und versagender Autorität kann als die Grundlage politischer Radikalisierungen angesehen werden."(170)

Die versagende Autorität ist jetzt die neue Bundesrepublik bzw. ihre Repräsentanten, weil die Krisen nicht gemeistert werden können. Die Identitätskrise beruht nach Oesterreich darauf, daß "nicht nur eine bestimmte Ideologie gescheitert [ist], sondern es ist auch ein System sozialer Bezüge und Sicherheiten in Frage gestellt worden, mit dem viele Menschen wahrscheinlich enger verbunden waren als mit dem staatssozialistischen Weltbild."(171) Somit müßte dann auch der "Internationalismus" als Bestandteil dieses Weltbildes nicht verinnerlicht worden sein. Oesterreich argumentiert aber – und widerspricht sich damit – gerade weil der "Sozialismus keine Feinde [hatte], die in National- oder Rassekategorien definiert worden wären und zum Kristallisationskern rassistischer oder ausländerfeindlicher Tendenzen hätten werden können",(172) es dann keine höhere Ausländerfeindlichkeit bzw. stärkeren Rassismus geben kann. Ein höheres rassistisches Potential verneint er dementsprechend. Eben dieser Internationalismus wurde als Bestandteil des Sozialismus nicht verinnerlicht, weil eben das sozialistische Weltbild der DDR nicht verinnerlicht wurde !

Außerdem sind die Thesen Oesterreichs nicht so neu:

Schon Helmut Schelsky hat 1953 festgestellt, daß der Ursprung der "Radikalisierung der jugendlichen Verhaltensunsicherheit"(173) zu finden ist im Antagonismus zwischen Familie und Außenwelt. Die Familie stellt den sicheren Ort dar (DDR als "Über-Eltern" bei Oesterreich, bei Schelsky Familie als kleingruppenhafte Sozialstruktur). Die Außenwelt ist bei Schelsky die moderne, anonyme Umwelt. Nach der Pubertät tritt der Jugendliche aus der Familie heraus. Aus diesem Antagonismus "entspringt das Suchen nach Verhaltenssicherheit als das anthropologisch und sozial begründete Grundbedürfnis der Jugend in der modernen Gesellschaft."(174) Dieses liegt u. a. auch am "Fehlen klarer verhaltensstützender Jugendorganisationen".(175) Der Austritt aus der Familie bei Schelsky findet seine Entsprechung in den Auswirkungen des Vereinigungsprozesses. Es fehlen die alten gewohnten Strukturen, die den Einzelnen viele Entscheidungen abgenommen und vor allem Sicherheit gegeben haben.

4.2.2.4 Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, daß "Autoritarismus" nach dem Adorno-"Konzept" in Ostdeutschland stärker vertreten ist, nach dem Oesterreich-Konzept dagegen nicht, weil hiermit der Anteil der autoritären Persönlichkeiten in Westdeutschland steigt. Diese Aussage muß allerdings eingeschränkt werden, da es sich bei der Oesterreich-Studie um eine nicht repräsentative handelt, so daß eindeutige Aussagen letztlich nicht getroffen werden können. An dieser Stelle kann nicht geklärt werden, ob Autoritarismus in Ostdeutschland quantitativ stärker vertreten ist. Die unterschiedlichen Zustimmungen und Ablehnungen zu den von den Autoren verwendeten Items der Autoritarismus-Skalen verweisen aber auf sozialisationsbedingte Differenzen.

Absurd wäre es anzunehmen, daß die Sozialisationsbedingungen in der DDR keine Spuren hinterlassen haben. Die DDR war ein Staat, der seinen Bewohnern viele Entscheidungen abgenommen hat, Eigeninitiative war selten gefragt. Die Diktatur und der Paternalismus in der DDR haben meßbare Wirkungen. "Autoritarismus" ist auf diverse verschiedene Faktoren zurückzuführen. Eben auch auf die Sozialisation in der DDR, was dann entsprechend meßbar ist, auch mit klassischen Autoritarismus-Skalen. Dann allerdings werden keine bestimmten Erklärungsansätze bestätigt, denn die zitierten Autoren (von Oesterreich abgesehen) nehmen keinen Rekurs auf ein bestimmtes Konzept. Zentraler Bezugspunkt ist Adorno mit "The Authoritarian Personality". "Gerade diese Arbeit enthält trotz der Fülle theoretischer Überlegungen keine Theorie des Autoritarismus."(176)

Für die vorliegende Arbeit hier kann zusammenfassend festgehalten werden, daß sich die unterschiedlichen Sozialisationsbedingungen in der Messung des "Autoritarismus" niederschlagen, jedoch keine expliziten Autoritarismus-Theorien bestätigt werden. Diese sind ohnehin nur begrenzt aussagefähig. Für autoritäre Reaktionen, die sich sogar zu autoritären Persönlichkeiten verdichten können, bedarf es bestimmter Sozialisationsbedingungen, nicht unbedingt bestimmter Charakterdispositionen. Nicht zuletzt hat auch Stanley Milgram mit seinen Experimenten gezeigt, daß es keiner spezifischer Persönlichkeitsmerkmale bedarf, um sich Autoritäten unterzuordnen.(177) Deswegen wird der Begriff hier in seiner "weichen" Variante der Definition Oesterreichs verwendet. Das heißt, daß man sich den diktatorischen Verhältnissen in der DDR gefügt hat, was Effekte auf die Charakterdispositionen hatte. Unterordnung wurde im Laufe der Zeit zur Normalität. Wesentliche Charaktermerkmale sind neben der Unterordnung noch Furcht vor Neuem und vor Veränderungen, stark ausgeprägter Konservatismus und ein Denken in Freund-Feind-Kategorien.

4.2.3 Umgang der DDR mit der NS-Vergangenheit

Schon an der Untersuchung von Melzer wird deutlich, daß der Umgang der DDR mit dem Nationalsozialismus eine Bedeutung für fremdenfeindliche und rechtsradikale Einstellungen hat. Melzer fragte nicht nur nach Nationalitäten auf der Sympathie/Antipathie-Skala, sondern auch nach ethnische Gruppen, weswegen nach "Juden" und "Israelis" getrennt gefragt wurde. Das Ergebnis zeigt folgende Übersicht:

Tabelle 4: Negative Einstellungen zu Juden und Israelis bei Jugendlichen (1990) im Ost-West-Vergleich

 

Westdeutschland

Ostdeutschland

 

Mittelwert

Prozent

Rang

Mittelwert

Prozent

Rang

Juden

2.86

12

19

2.87

17.8

16

Israelis

2.87

15,5

20

3.8

63.3

27

Quelle: Melzer '90, S. 129 und S. 130

Lesebeispiel: 12% der westdeutschen Jugendlichen bewerten Juden mit 4 oder 5 (auf der Sympathie/Antipathie-Skala zwischen eins und fünf). Der Mittelwert (zwischen "1" = sehr sympathisch und "5" = sehr unsympathisch) insgesamt (also aller Befragten) beträgt 2.86; mit diesem Mittelwert nimmt diese Nationalität den 19. Platz im Westen ein.

Die extrem schlechte Bewertung der Israelis bei ostdeutschen Jugendlichen kann nicht nur im Israel-Bild der DDR begründet sein, und zwar aus folgender Überlegung heraus:

Wie häufig festgestellt worden ist, waren die Werte des DDR-Sozialismus kaum verinnerlicht worden. Dann können aber auch die negativen "Werte" kaum verinnerlicht worden sein. Die Diskrepanz zwischen den nicht verinnerlichten Werten einerseits und der in erheblichen Maß verinnerlichten negativen Bewertung Israels andererseits ist erklärungsbedürftig; besonders dann, wenn man berücksichtigt, daß die USA in der Bewertung der ostdeutschen Jugendlichen deutlich besser abschneiden (Mittelwert 2.36, dies bedeutet immerhin den 10. Platz von 27).(178) Die Propaganda gegen die USA ist kaum "milder" ausgefallen, war sehr wahrscheinlich kaum weniger umfangreich, als die gegen Israel. Warum aber fiel anti-israelische Propaganda auf deutlich fruchtbarerem Boden als anti-amerikanische ?

Grundsätzlich ist Propaganda dann am wirkungsvollsten, wenn das durch die Propaganda vermittelte Bild nicht auf seinen Realitätsgehalt in alltäglichen Situationen "überprüft" werden kann, wenn also Alltagssituationen von vornherein ausgeschlossen sind, die dem Propaganda-Bild widersprechen könnten. Auch hier gilt, daß Belehrung gegen Erfahrung nicht ankommt. Dies trifft wegen der Reisebeschränkungen auf alle westlichen Länder zu. Gleichzeitig aber konnte die Bevölkerung der DDR sich realistischere Informationen mit TV-Medien problemlos verschaffen (von einem kleinen Bereich südlich von Dresden abgesehen). Außerdem werden die genannten Nationalitäten auf den ersten Plätzen (Tabelle 3) deshalb so gut von ostdeutschen Jugendlichen bewertet, weil diese Länder zu den ersten Reisezielen gehörten.(179) Die Erfahrung der ersten Reise in das westliche Ausland ist für diese Bewertung mitverantwortlich. "Mitverantwortlich" deswegen, weil – wie oben dargelegt – dies im Zusammenhang mit der deutlich schlechteren Bewertung der unsympathischsten Nationalitäten betrachtet werden muß, was dann eben auf ein stärkeres Freund-Feind-Denken hinweist.

Wahrscheinlich weil die Vereinigten Staaten grundsätzlich mit "dem" Westen identifiziert werden, werden sie noch relativ gut bewertet. Der Vergleich der Bewertungen der USA mit der von Israel zeigt erneut soziale Distanz. Israel ist noch fremder, mit noch weniger Wissen behaftet als die Vereinigten Staaten, was dann die entsprechende Bewertung zur Folge hat.

Förster et al. haben herausgestellt, daß ab Mitte der 80er Jahre sich die Sympathien und Antipathien für andere Nationen konträr zur SED-Propaganda entwickelten.(180) Erklärt wird dies von den Autoren mit der schwindenden Glaubwürdigkeit des SED-Regimes. Die schwindende Glaubwürdigkeit der SED hatte aber kaum Einfluß auf die negative Bewertung Israels, wie Melzer zeigt. Dieser Widerspruch erklärt sich durch das Wirken eines anderen Mechanismus (von den eben erwähnten abgesehen):

Betrachtet man die unterschiedliche Bewertung der USA und Israels im Kontext der politischen Kultur und insbesondere in einem größeren historischen Zusammenhang, dann spiegelt sich hier auch Antisemitismus wider. Die anti-israelische Propaganda war auch deswegen so erfolgreich, weil sie auf den fruchtbaren Boden des Antisemitismus des Nationalsozialismus fiel. Der DDR ist es partiell gelungen, Antisemitismus in Antizionismus zu transformieren. Diese These ist mit quantitativen Methoden schwer zu beweisen. Nachvollziehen kann man sie, wenn sie in den historischen und politischen Kontext eingebettet wird.

Wenn die Propaganda der SED grundsätzlich so erfolgreich war, dann müßte der offizielle Gegenspieler der Israelis, also Palästinenser, positiv bewertet werden. Im Ost-West-Vergleich einer anderen Studie (leider nur unter Studenten) zeigt sich ein aufschlußreicher Unterschied:

Tabelle 5: Sympathie und Antipathie zu Juden, Israelis und Palästinensern im Ost-West-Vergleich unter Studenten (1992)

 

Westdeutschland

Ostdeutschland

 

Sympathie

 

Antipathie

Sympathie

 

Antipathie

Juden

34.6

60.2

5.2

35.1

59.4

5.5

Palästinenser 24.1 63.0 12.9 21.5 59.6 18.9

Israelis

20.9

60.5

18.5

57.4

63.3

30.1

Quelle: Manfred Brusten: a. a. O., S. 110. Angaben in Prozent, hier nur ausgewählte Ergebnisse. Die Frage war folgendermaßen formuliert: "Welche der folgenden Gruppen sind Ihnen eher sympathisch und welche eher unsympathisch ?" Die Antwort sollte auf einer dreistufigen Skala gegeben werden.

Es ist bemerkenswert, daß mehr Ost-Studenten Palästinenser unsympathischer finden als im Westen, obwohl die DDR eine sehr palästinenserfreundliche Haltung vertreten hat, die auch in der Öffentlichkeit propagiert wurde. Da die pro-palästinensische und anti-israelische Propaganda nicht gleichermaßen erfolgreich wirkte, sondern nur einen deutlichen Effekt auf die Sympathie-Einstellung (besser: Antipathie-Einstellung) zu Israelis hatte, spielt bei der negativen Beurteilung der Israelis Antisemitismus eine nicht unerhebliche Rolle.(181) Das ist ein kultureller Unterschied. Dieser Antisemitismus aber würde von den Befragten natürlich nicht als solcher empfunden werden. Aus diesen Zahlen kann der Schluß gezogen werden, daß Antisemitismus als Antizionismus in Ostdeutschland stärker vertreten ist, selbst wenn unter Studenten der Anteil derjenigen, die gleichzeitig Juden und Israelis unsympathisch finden, im Westen etwas höher ist.(182) Die starke ablehnende Haltung unter Jugendlichen, wie sie Melzer zeigt, ist ein deutliches Indiz.

Dieser Antisemitismus äußert sich auch anders als im Westen, weil das antisemitische Zielobjekt Israelis sind. Dadurch kommt es weniger zu Schändungen jüdischer Friedhöfe oder jüdischer Mahnmale. Für die hier zu untersuchenden Einstellungsmuster heißt das, grundsätzlich ideologische Fragmente aus dem Nationalsozialismus zu berücksichtigen, um den Rechtsradikalismus und die Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern zu erklären. Denn der in Antizionismus transformierte Antisemitismus ist zu hoch, um ideologische Fragmente aus dem Nationalsozialismus zu vernachlässigen.

Man macht es sich zu einfach, wenn man die ablehnende Haltung gegenüber Israelis zurückführt auf die allgemeine Fremdenfeindlichkeit. Dies muß in einem größeren historischen Zusammenhang eingebettet werden. Der Vergleich mit den Sympathien und Antipathien zu anderen Nationalitäten zeigt, daß dies notwendig ist (siehe auch das Zitat aus dem Bericht über Niethammers Oral-History-Projekts).

Außerdem gibt weitere Hinweise, daß es der DDR (wie aber auch der Bundesrepublik Deutschland) nicht gelungen ist, alte Mentalitätsbestände des Nationalsozialismus zu negieren. Im Gegenteil, die politische Kultur und die besondere Konstellation des Kalten Krieges haben dazu geführt, daß diese alten Mentalitätsbestände in der DDR stärker konserviert wurden. Spülbeck geht sogar noch einen Schritt weiter: Sie behauptet, daß die Fremdenfeindlichkeit gegenüber Polen und Vietnamesen ein in der DDR transformierter Antisemitismus sei. Dies vernachlässigt sowohl spezifische Ursachen des Antisemitismus als auch spezifische Ursachen der allgemeinen Fremdenfeindlichkeit. Schließlich ist auch die Fremdenfeindlichkeit in der alten Bundesrepublik kein transformierter Antisemitismus, erst recht die Fremdenfeindlichkeit in anderen Staaten. Ein Ergebnis ihrer Studien jedoch ist wichtig festzuhalten: Durch die staatlich verordnete Ausblendung vieler Aspekte des Nationalsozialismus "konservierten sich antisemitische Stereotype und wurden bis heute tradiert."(183)

In der alten Bundesrepublik der Nachkriegszeit war der Philosemitismus eine neue Form des Antisemitismus, in der DDR dagegen war es der Antizionismus.(184) In der alten Bundesrepublik wurden sowohl neue Varianten des Antisemitismus als auch der alte Antisemitismus durch öffentliche Diskussionen durchbrochen, spätestens seit der 68er Studentenbewegung. Von einigen wurden allerdings antizionistische Positionen vertreten.

In der DDR jedoch gab es solche öffentlichen Diskussionen nicht, weswegen der alte Antisemitismus in Antizionismus transformiert werden konnte. Man muß bedenken, daß Einstellungen nicht von heute auf morgen wechseln können. Das Ändern von Einstellungsmustern ist ein langwieriger Prozeß, aufrichtige Änderungen sind nur in pluralistischen Gesellschaften in offenen Diskussionen möglich. Deswegen ist die gemessene Ablehnung Israels ein deutlicher Hinweis auf ideologische Fragmente aus dem Nationalsozialismus. Grundsätzlich gilt natürlich, daß nicht jeder Antizionismus und Philosemitismus ein versteckter Antisemitismus war bzw. ist.

Eine vergleichende Untersuchung zum sg. "Geschichtsbewußtsein" von ost- und westdeutschen Schülern (aus NRW und Sachsen) macht deutlich, daß ostdeutsche Jugendliche den Nationalsozialismus eher und stärker verharmlosen.(185) Leider wurden Items wie "Sicherheit und Ordnung" und "Arbeit für alle" für Assoziationen zum Nationalsozialismus verwendet, so daß die damalige Umbruchssituation die Untersuchung wahrscheinlich beeinflußte. Trotzdem wurden solche, den NS verharmlosenden, Tendenzen nach dem Sturz des Honecker-Regimes allenfalls verstärkt, denn es hat sie bereits in der DDR gegeben: 12% der Schüler und 15% der Lehrlinge in der DDR meinten 1988 beispielsweise, daß der Nationalsozialismus auch seine guten Seiten hatte.(186)

Ein weiteres Indiz für eine stärkere Verknüpfung von ideologischen Fragmenten aus dem NS mit neuem Rechtsradikalismus sind auch die Schändungen der sich in den neuen Bundesländern befindenden Gedenkstätten Sachsenhausen und Buchenwald.(187)

Um auch hier Mißverständnisse zu vermeiden: Solche den NS verharmlosenden Tendenzen gab es auch in der alten Bundesrepublik, doch sind ihre Ursachen zumindest teilweise andere.

Weitere Hinweise finden sich in den Einstellungen zur Gewalt bei ostdeutschen Jugendlichen (Vgl. hierzu den nächsten Abschnitt). Außerdem sind sozialdarwinistische Ansichten unter ostdeutschen Jugendlichen nicht selten: 11% der 14-18jährigen sind der Meinung, daß biologische Anlagen den Menschen bestimmen, 19% der 14-25jährigen glauben, daß sich wie in der Natur der stärkere Mensch durchsetzen müßte.(188) Leider fehlen aus dem gleichen Zeitraum vergleichbare Zahlen für westdeutsche Jugendliche. Ein Indiz liefert nur eine Heitmeyer-Studie (Vgl. dazu die Tabelle 6 mit den Erläuterungen).

4.2.4 Einstellungen zur Gewalt

"Gewalt" wurde nicht im selben Maß in verschiedenen Studien gemessen wie die bereits diskutierten anderen Einstellungsmuster. Dennoch läßt sich verdeutlichen, daß die Gewaltakzeptanz in Ostdeutschland höher ist.

Stöss mißt die Gewaltakzeptanz außerhalb seiner Rechtsextremismus-Skala, seine Items hierzu sind außergewöhnlich "hart" formuliert, so daß sie zwangsläufig auf hohe Ablehnung stoßen müssen.(189) Insgesamt ist seine Untersuchung für dieses Einstellungsmuster für genauere Analysen wenig geeignet. Nur ein Autoritarismus-Item gibt einen Hinweis: Die Aussage, daß man sich gegen Chaoten wehren müßte, findet im Ostteil Berlins eine fast dreimal höhere völlige Zustimmung als im Westteil.(190) Leider bleibt offen, mit welchen Mitteln dies erfolgen soll, ebenso offen bleibt wer genau diese "Chaoten" letztlich sind.

Bei den Jugendstudien ist diese Thematik häufiger aufgegriffen. Dies liegt daran, daß Gewalt aktiv von Jugendlichen verübt wird, dennoch sind die Ergebnisse noch immer insgesamt unbefriedigend bezüglich ihrer Aussagekraft.

Ein aufschlußreiches Ergebnis liefert die IBM-Studie: 42% der westdeutschen Jugendlichen, aber nur 33% der ostdeutschen Jugendlichen meinen, daß nur der Staat Gewalt zur Verhinderung von Verbrechen einsetzen dürfe.(191) Das staatliche Gewaltmonopol wird von ostdeutschen Jugendlichen offensichtlich weniger anerkannt. Dies kann man erklären mit einem aktuellen Bezug: Die DDR war ein repressives System, und nur die Aberkennung des staatlichen Gewaltmonopols durch die Bevölkerung hat den Umbruch ermöglicht. Deswegen gibt es eine grundsätzliche Tendenz, das Gewaltmonopol nicht anzuerkennen. Man kann den Rahmen erweitern und hier durchaus von einer "zivilisatorischen Lücke" im Sinn Englers sprechen. Die äußeren Schranken des Eliasschen Zivilisationsprozesses sind noch nicht verinnerlicht. Ein weiterer Beleg hierfür ist das in Ostdeutschland geringere Vertrauen in Institutionen:

Die verschiedenen Institutionen, wie z. B. Gerichte, Bundeswehr/NVA, Bundestag/Volkskammer usw. genossen allesamt (Ausnahme: Kirche !) ein höheres Vertrauen bei Westdeutschen, sowohl bei den Schülern als auch bei Befragten über 18 Jahre einer IPOS-Repräsentativbefragung.(192)

Heitmeyer hat in seiner neuesten Untersuchung die Begründungen für Gewalt detaillierter untersucht.(193) Auch er stellt fest, daß die Gewaltakzeptanz bei ostdeutschen Jugendlichen grundsätzlich höher ist. Er unterscheidet zwischen einer expressiven, instrumentellen und ethnisch motivierten Gewalt. Unter expressiver Gewalt ist Gewalt zu verstehen, die aus Spaß, um der Langeweile zu entfliehen ("Bock auf Zoff") u. ä. verübt wird. Zwar liegt auch die Zustimmung zu dieser Gewaltform im Osten höher, doch insgesamt nicht so signifikant höher als die Zustimmungen zu anderen Items. Allerdings hat Heitmeyer nur Jugendliche befragt, die in den letzten zwölf Monaten an gewalttätigen Auseinandersetzungen beteiligt waren. Zustimmung zur instrumentellen und ethnischen Gewalt wurde an Hand aller befragten Jugendlichen ermittelt. Die beiden folgenden Tabellen zeigen die Unterschiede:

Tabelle 6: Zustimmung zur instrumentellen Gewalt unter Jugendlichen im Ost-West-Vergleich (1992/1993)

Item

West

Ost

Körperliche Gewalt gegen andere gehört ganz normal zu menschlichen Verhalten, um sich durchzusetzen

15% 22,5%

Ich bin in bestimmten Situationen durchaus bereit, auch körperliche Gewalt anzuwenden, um meine Interessen durchzusetzen

16,7% 22%

Ich bin bereit, andere auszunutzen, um für mich Vorteile zu erzielen

8,3% 12,9%

Der Stärkere muß sich durchsetzen, sonst gibt es keinen Fortschritt

19,6% 38,9%

Quelle: Heitmeyer et al.: Gewalt, a. a. O., S. 138

Tabelle 7: Zustimmung zur ethnisch motivierten Gewalt unter Jugendlichen im Ost-West-Vergleich (1992/1993)

Item

West

Ost

Wenn sich andere bei uns breit machen, muß man ihnen zeigen, wer der Herr im Hause ist

31,9% 46,9%

Die meisten Probleme, die ich habe, hängen irgendwie mit Ausländern zusammen. Deshalb müssen wie sie mit allen Mitteln davon überzeugen, daß sie in ihre Heimat zurückgehen

11,9% 19%

Daß Fremde in dieser Gesellschaft schlechter als Einheimische behandelt werden, ist doch ganz logisch

29,5% 42,3%

Ich bin durchaus bereit, Fremde abzuwerten, damit sie wissen, welche Stellung ihnen zukommt

13,3% 20.4%

Quelle: Heitmeyer et al.: Gewalt, a. a. O., S. 139

Aufschlußreich sind die zweistelligen Differenzen. Die um fast 20%ige höhere Zustimmung, daß Fortschritt nur möglich sei mit dem Durchsetzungsvermögen des Stärkeren, verweist erneut auf sozialdarwinistische Einstellungsmuster. Auf dem Hintergrund eines Erklärungsansatzes der politischen Kultur spiegeln sich in den Zahlen ideologische Fragmente aus dem Nationalsozialismus wider.

Auch die unterschiedlich hohe Zustimmung zu dem Item, daß es logisch sei, daß Fremde schlechter wie Einheimische behandelt werden, fällt auf. Diese Aussage hat fast einen fundamentalen Charakter. Hier schlägt sich die grundsätzlich geringe Akzeptanz von Fremden nieder.

4.3 Zwischenfazit: Die Ausgangssituation

Bisher wurde festgestellt, daß Fremde in der DDR generell auf größere Ablehnung stoßen. Diese Ablehnung wird in den neuen Bundesländern quantitativ stärker in Gewalt gegen Fremde umgesetzt. Diese Gewalt ist nicht ausschließlich ein Ergebnis ökonomischer Unsicherheiten, weil in bezug auf die Arbeitslosenquote mehr Gewalt gegen Fremde in den alten Bundesländern verübt wird. Gewalt gegen Fremde aus ökonomischen Unsicherheiten ist eher ein Phänomen der alten Bundesländer. Deswegen muß nach anderen Ursachen für diese Gewalt und den fremdenfeindlichen und rechtsradikalen Einstellungen in den neuen Bundesländern gesucht werden.

Drei besondere Ursachenbereiche haben sich bei der Sekundäranalyse vergleichender Studien herauskristallisiert:

 

1. Fremde stoßen in der DDR generell auf größere Ablehnung, dies bedarf einer Erklärung, die im Umgang mit Fremden in der DDR und in

2. der Sozialisation zu suchen ist,

3. autoritäre Einstellungen haben in der DDR zumindest andere Ursachen als in der alten Bundesrepublik, auch die DDR hatte Schwierigkeiten, den Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Die Probleme daraus sind bis heute wirksam.

 

Nun soll diesen einzelnen Aspekten näher nachgegangen werden. Es soll gezeigt werden, wie und warum solche Einstellungsmuster in der DDR entstehen konnten. Die einzelnen Faktoren werden zunächst isoliert voneinander betrachtet. Im darauf folgendem Kapitel werden die Zusammenhänge verdeutlicht.

 

Aktualität und Relevanz heute

vollständiges Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anmerkungen zum Forschungs- stand

3. Verwendung wichtiger Termini

4. Fremdenfeind- lichkeit und Rechtsradika- lismus im Ost-West-Vergleich

5. DDR-spezifische Ursachen fremdenfeind- licher und rechts- radikaler Einstellungen

6. Fremdenfeind- lichkeit und Rechtsra- dikalismus in den neuen Bundesländern - eine andere Fremdenfeind- lichkeit, ein anderer Rechtsra- dikalismus?

7. Literatur

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Übersicht

Anmerkungen

(105) Die Anzahl der Gewalttaten stammt aus: Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1991, S. 76, Bonn 1992. Die Angaben zu den übrigen Bundesländern fehlen wegen der geringen Anzahl der Gewalttaten. Die Angaben der Einwohnerzahlen stammen aus: Baratta, Mario von (Hrsg.): Fischer-Welt-Almanach '92, Frankfurt a. Main 1991, S. 284ff. Trotz der unterschiedlichen Jahresangaben in den Titeln beziehen sich beide Statistiken auf den gleichen Erhebungszeitraum.

(106) Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1991, Bonn 1992, S. 76.

(107) Ebd., S. 76.

(108) Vgl. z. B. Bürklin, Wilhelm und Layritz, Stephan: Die schleswig-holsteinische Landtagswahl vom 5. April 1992 und Sturm, Roland: Die baden-württembergische Landtagswahl vom 5. April 1992, beide in: ZParl, 23. Jhg. (1994), Nr. 4/1992, S. 604-622 und S. 622-639. Vgl. ebenso Feist, Ursula: Rechtsruck in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein, in: Starzacher, Karl/Schacht, Konrad/Friedrich, Bernd/Leif, Thomas (Hrsg.): Protestwähler und Wahlverweigerer. Krise der Demokratie ?, Köln 1992, S. 69-76 und Hennig, Eike: Die Kommunalwahl in Hessen, in: Vorgänge, 32. Jhg., Nr. 122 Heft 2/1993, S. 4-15. Sturm, Roland: Die baden-württembergische Landtagswahl vom 24. März 1996: Normalisierung oder kleinster gemeinsamer Nenner ?, in: ZParl, 27. Jhg. (1996), Heft 4/96, S. 602-616.

(109) Vgl. Scherr, Albert: a. a. O., S. 101f.

(110) Stöss '90, S. 39.

(111) Stöss versteht unter "extrem rechten Einstellungspotential" das Zusammentreffen von vier Dimensionen: 1. Entfremdung, 2. Autoritarismus/Repressionshaltung, 3. Nationalismus, 4. Ethnozentrismus/Wohlstandschauvinismus. Vgl. Stöss '90, S. 18.

(112) Vgl. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 1995, Bonn 1996, S. 102f.

(113) Ebd., S. 100.

(114) Ebd.

(115) Ebd., S. 103.

(116) Vgl. ebd., S. 108.

(117) Lillig, Thomas: a. a. O., S. 159.

(118) Stöss, Richard: a. a. O., S. 31.

(119) Vgl. Bundesministerium des Innern (Hrsg.): a. a. O., S. 83. Dies gilt auch für die jüngsten Gewalttaten in Brandenburg: Nur die wenigsten Gewalttäter waren tatsächlich arbeitslos. Vgl.: "Älter als 21 und mit Job", in: Berliner Tagesspiegel vom 1. November 1996, S. 16. Von 27 ermittelten Tatverdächtigen waren nur vier arbeitslos, der größte Teil war älter als 21.

(120) Vgl. auch Markus, Uwe: a. a. O., S. 163, der zu ähnlichen Ergebnissen kommt bezüglich der Zusammenhänge von Qualifikation, Arbeitsplatzrisiko und Fremdenfeindlichkeit. Außerdem zeigt er, daß das Ablehnungspotential quantitativ nicht gewachsen ist von April 1990 bis Juni 1991 in den neuen Bundesländern. Vgl. hierfür S. 161f. Ein negativer Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Fremdenfeindlichkeit (also je geringer der Bildungsgrad, desto größer die Wahrscheinlichkeit von fremdenfeindlichen Einstellungen) wird häufig festgestellt, z. B. Stöss '90, S. 47 oder IBM '92, S. 132 und IBM '95, S. 23.

(121) Vgl. Heitmeyer, Wilhelm et al.: Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie. Erste Langzeituntersuchung zur politischen Sozialisation männlicher Jugendlicher, Weinheim und München 1992. Dagegen kommen Silbermann/Hüsers zu dem Ergebnis, daß die Arbeitsplatzqualität keine Rolle spiele. Vgl. Silbermann, Alphons/Hüsers, Francis: a. a. O. Wahrscheinlich wirkt dieser Zusammenhang stärker bei Jugendlichen (die Untersuchung von Silbermann/Hüsers umfaßt alle Altersgruppen), weil Jugendliche noch Lebensträume und -ziele haben. Ältere haben sich eher mit dem bisher Erreichten abgefunden.

(122) Vgl. Stöss '90, S. 39ff, eine Zusammenfassung befindet sich auf S. 47.

(123) Melzer, Wolfgang/Schröder, Helmut: Ökonomische Risiken und Verunsicherung in Ost- und Westdeutschland. Vergleichende Befunde aus dem Jahr nach der Wende, in: Mansel, Jürgen (Hrsg.): a. a. O., S. 163-184, hier S. 184.

(124) Dieser Zusammenhang wird deutlich an den Aussagen vieler fremdenfeindlich Eingestellter, die z. B. argumentieren, daß Ausländer "uns" die Arbeit wegnähmen usw. Der Begriff "uns" kann natürlich unterschiedlich gefüllt werden. Vgl. Meier, Uta/Preiß, Christine: Vor den Toren der Leistungsgesellschaft. Zum Zusammenhang von beruflichen und politischen Einstellungen von Jugendlichen, in: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): a. a. O., S. 135-155.

(125) Häufig ist auch zu hören, daß Ausländer "uns" die Wohnungen wegnähmen.

(126) Vgl. z. B. Silbermann, Alphons/Hüsers, Francis: a. a. O., S. 73ff.

(127) Melzer, Wolfgang/Schröder, Helmut: a. a. O., S. 182.

(128) Statistische Angaben zur Arbeitslosenquote sind entnommen aus: Weidenfeld, Werner/Korte, Karl-Rudolf (Hrsg.): Handbuch zur deutschen Einheit, Bonn 1994, S. 757

(129) Statistische Angaben zur Arbeitslosenquote aus ebd. Das Bundesland Berlin ist nicht aufgeführt, weil hier die Zahl der Gewalttaten nur für Gesamt-Berlin vorliegt, die Arbeitslosenquote jedoch getrennt nach Ost- und West-Berlin.

(130) Vgl. dazu die Angaben in den Verfassungsschutzberichten. Auch die verschieden hier vorgestellten Studien zeigen einen hohen (negativen) Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und fremdenfeindlichen Einstellungen, z. B. Stöss '90, S. 42; IBM '95, S. 23.

(131) Zu diesem Ergebnis kommen E. Brähler und H.-E. Richter in ihrer repräsentativen Studie über Westdeutsche. Vgl. dies.: Wie haben sich die Deutschen seit 1975 psychologisch verändert ? Mehr Individualismus, mehr Ellbogen, stärkere Frauen, in: Richter, Horst-Eberhard (Hrsg.): Russen und Deutsche. Alte Feindbilder weichen neuen Hoffnungen, Hamburg 1990, S. 115-134, hier S. 116.

(132) Schröder, Helmut/Melzer, Wolfgang: a. a. O., S. 168.

(133) Vgl. Melzer '90, S. 135.

(134) Ende Oktober '96 wurden zwei britische Studenten überfallen. Die geständigen Täter, die der rechtsradikalen Szene zuzuordnen sind, sagten aus, daß sie die Briten nicht als Ausländer erkannt haben. Dies kann natürlich auch eine Schutzbehauptung sein. Vgl. "Ministerin besucht verletzte Briten", in: Berliner Tagesspiegel vom 31. 10. 19'96, S. 21.

(135) Vgl. DJI '90, S. 120. Ähnlich auch IBM '90, S. 135: "1990 hatten sich 16% in der Bundesrepublik und sogar 26% der Jugendlichen in der DDR dafür ausgesprochen, alle Ausländer wieder nach Hause zu schicken."

(136) IBM '95, S. 23.

(137) Vgl. dazu den Abschnitt 5.2.1 "Die Wohn- und Arbeitssituation der Ausländer".

(138) Der Umkehrschluß, daß Fremde in der Bundesrepublik völlig gleichberechtigt sind, ist natürlich unzulässig. Dies wird deutlich an Tabelle 2.

(139) Vgl. Heitmeyer, Wilhelm et al.: Gewalt: Schattenseiten der Individualisierung bei Jugendlichen aus unterschiedlichen Milieus, Weinheim/München 21996, S. 136ff.

(140) Vgl. DJI '90, S. 118.

(141) Vgl. Stöss '90, S. 90. Auch hier läßt sich stärkere Rigidität ablesen. Ebenso Silbermann/Hüsers: a. a. O., S. 32f.

(142) Vgl. Melzer '90, S. 128.

(143) In anderen Staaten hätten vieler dieser Türken bereits die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Staates. In Deutschland gilt immer noch das die Integration erschwerende ius sanguinis. Das bedeutet, daß Staatsbürgerschaft von der des Vaters abhängig ist. In vielen anderen Staaten gilt jedoch das ius soli: Der Geburtsort bestimmt die Staatsbürgerschaft.

Vgl. zur allgemeinen Situation der Ausländer in Deutschland die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Ausländer (Hrsg.): Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Ausländer über die Lage der Ausländer in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1995.

(144) Dies wird näher im Abschnitt 4.2.3 "Umgang der DDR mit der NS-Vergangenheit" erläutert.

(145) Vgl. Brusten, Manfred: Wie sympathisch sind uns die Juden ?, in: JfA 4, Frankfurt a. Main/New York 1995, S. 107-129, hier S. 110.

(146) Vgl. Oesterreich, Detlef: Autoritäre Persönlichkeit und Gesellschaftsordnung. Der Stellenwert psychischer Faktoren für politische Einstellungen – eine empirische Untersuchung von Jugendlichen in Ost und West, Weinheim/München 1993, S. 15ff.

(147) Vgl. Butterwegge, Christoph: a. a. O., S. 44.

(148) Hier kann natürlich nicht auf die gesamte Begrifflichkeit eingegangen werden. Zur Vorgeschichte und Kritik an den einzelnen Ansätzen vgl. Oesterreich, Detlef: Flucht in die Sicherheit. Zur Theorie des Autoritarismus und der autoritären Reaktion, Opladen 1996, S. 17-102. Zur Geschichte der Frankfurter Schule vgl. einführend Wiggershaus, Rolf: Die Frankfurter Schule. Geschichte – Theoretische Entwicklung – Politische Bedeutung, München 31991. Zur Kritik an Adorno vgl. auch Wacker, Ali: Zur Aktualität und Relevanz klassischer psychologischer Faschismustheorien – ein Diskussionsbeitrag, in: Paul, Gerhard/Schoßig, Bernhard (Hrsg.): Jugend und Neofaschismus. Provokation oder Identifikation ?, Frankfurt/Main 21980, S. 105-137, aber auch Jay, Martin: Frankfurter Schule und Judentum. Die Antisemitismusanalyse der Kritischen Theorie, in: Zeitschrift für Historische Sozialwissenschaft, 5. Jhg. (1979), Nr. 4, S. 439-454.

(149) Vgl. Adorno, Theodor W.: Studien zum autoritären Charakter, Frankfurt a. Main 1995, S. 91-104.

(150) Vgl. auch Kloke, Martin W.: Israel und die deutsche Linke. Zur Geschichte eines schwierigen Verhältnisses (Schriftenreihe des deutsch-israelischen Arbeitskreises für Frieden im nahen Osten e. V. Bd. 20), Frankfurt a. Main 1990.

(151) Oesterreich, Detlef: a. a. O., S. 46.

(152) Ebd., S. 170ff.

(153) Stöss '90, S. 29.

(154) Stöss '90, S. 82.

(155) Stöss '90, S. 28.

(156) Vgl. Oesterreich, Detlef: Flucht in die Sicherheit, a. a. O., S. 107-182. Die Definition wird im nächsten Abschnitt erläutert.

(157) Vgl. hierzu Melzer '90, zum Rechtsextremismussyndrom 136ff. Das Syndrom setzt sich Zusammen aus Antisemitismus/Ethnozentrismus (alte Ressentiments), autoritäre Charakterstrukturen, Nationalitätsstereotypen (Antipathie gegen diskriminierte Nationen, d. h. neue Ressentiments), historisch-nationalisierende Einstellungen ("Entsorgung der deutschen Vergangenheit"). Erklärt werden soll die Variable "manifeste Ausländerfeindlichkeit". Vgl. die Pfadanalyse S. 139.

(158) Melzer '90, S. 140.

(159) Melzer '90, S. 140.

(160) Melzer übernimmt eine von anderen Wissenschaftlern modifizierte F-Skala Adornos. Vgl. Melzer '90, S. 132f.

(161) Vgl. Stöss '90, S. 88.

(162) Vgl. hierzu die Titel in der Literaturliste.

(163) Melzer '90, S. 140.

(164) Vgl. Oesterreich, Detlef: Autoritäre Persönlichkeit und Gesellschaftsordnung. Der Stellenwert psychischer Faktoren für politische Einstellungen – eine empirische Untersuchung von Jugendlichen in Ost und West, Weinheim/München 1993, S. 213. Zu seiner Kritik an Adorno vgl. S. 11-25.

(165) Hierauf bezieht sich auch Heitmeyer. Dieser Begriff wurde im wesentlichen von Beck geprägt. Vgl. Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/Main 1986. Auf die Kritik am herkömmlichen Konzept des Autoritarismus kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden, erläutert wird im Folgendem lediglich das neue Konzept. Ebenso kann hier nicht auf die Implikationen Autoritarismus in der "Risikogesellschaft" näher eingegangen werden. Nur soviel: In nicht-traditionellen Gesellschaften werden mehr Freiheiten geschaffen, die aber mehr Unsicherheiten mit sich bringen. Das Individuum ist zunehmend auf sich selbst zurückgeworfen und flüchtet u. U. in neue Sicherheiten. Vgl. bezüglich des jugendlichen Rechtsradikalismus die in der Literaturliste angegebenen Titel, insbesondere die von Heitmeyer.

(166) Oesterreich, Detlef: a. a. O., S. 27.

(167) Ebd., S. 26.

(168) Ebd., S. 32.

(169) Ebd., S. 52.

(170) Ebd., S. 55. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, daß nach der Wende die "Über-Eltern" fehlen. Vgl. Stöss' Entfremdungs-Item (Anmerkung 155).

(171) Oesterreich, Detlef: a. a. O., S. 54. Diese pauschale Aussage aber muß zeitlich differenziert werden. Sehr ausführlich gehen dem nach: Thaa, Winfried/Häuser, Iris/Schenkel, Michael/Meyer, Gerd: a. a. O.

(172) Oesterreich, Detlef: a. a. O., S. 57.

(173) Schelsky, Helmut: Die skeptische Generation, Frankfurt a. Main 1975, S. 43.

(174) Ebd.

(175) Ebd.

(176) Oesterreich, Detlef: Flucht in die Sicherheit, a. a. O., S. 46. Vgl. ebenso die kritische Betrachtung Wolfgang Wippermanns: Faschismustheorien. Zum Stand der gegenwärtigen Diskussion (Erträge der Forschung Bd. 17), 5. neu bearb. Aufl., Darmstadt 1989, S. 76-80, "The Authoritarian Personality" betreffend S. 79.

(177) Vgl. ebd., S. 170 und Milgram, Stanley: a. a. O.

(178) Vgl. Melzer '90, S. 129.

(179) Vgl. Melzer '90, S. 128.

(180) Vgl. Förster, Peter/Friedrich, Walter/Müller, Harry/Schubarth, Wilfried: a. a. O., S. 156.

(181) Auf die Haltung zum Israel-Palästina-Problem kann hier natürlich nicht näher eingegangen werden. Vgl. einführend: Wolffsohn, Michael: Die Deutschland-Akte. Tatsachen und Legenden, München 1995, S. 177-274 (leider einseitig und polemisch); Mertens, Lothar: Staatlich propagierter Antizionismus: Das Israelbild der DDR, in: JfA 2 (1993), S. 139-153 und Timm, Angelika: Israel in den Medien der DDR, in: JfA 2 (1993), S. 154-173.

(182) Die hohen Korrelationen sind eindeutig. Vgl. Brusten, Manfred: a. a. O., S. 111 und S. 126 (Anmerkung 15). Vgl. auch Mertens, Lothar: Antizionismus: Feindschaft gegen Israel als neue Form des Antisemitismus, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.): Antisemitismus in Deutschland. Zur Aktualität eines Vorurteils, München 1995, S. 89-100. Harry Waibel zieht die selbe Schlußfolgerung. Er charakterisiert dies als "linker Antizionismus als sublimiertem Antisemitismus". Vgl. Waibel, Harry: a. a. O., S. 197-211.

(183) Spülbeck, Susanne: "...da hab' ich gekuttet wie ein Jude." Beobachtungen zum Antisemitismus in einem Dorf in Thüringen, in: Benz, Wolfgang: a. a. O., S. 194-216, hier S. 206.

(184) Zum Antisemitismus der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik vgl. Stern, Frank: Im Anfang war Auschwitz. Antisemitismus und Philosemitismus im deutschen Nachkrieg (Schriftenreihe des Instituts für Deutsche Geschichte, Universität Tel Aviv, Bd. 14), Gerlingen 1991.

(185) Vgl. Borris, Bodo von.: "Geschichtsbewußtsein" in Deutschland. Ein Ost-West-Vergleich, in: Weidenfeld/Werner (Hrsg.): Deutschland. Eine Nation – doppelte Geschichte (Bd. 5 der Arbeitsergebnisse der Studiengruppe Deutschland), Köln 1993, S. 191-207, hier S. 197f.

(186) Vgl. Schubarth, Wilfried/Schmidt, Thomas: "Sieger der Geschichte". Verordneter Antifaschismus und die Folgen, in: Heinemann, Heinz/Schubarth, Wilfried (Hrsg.): Der antifaschistische Staat entläßt seine Kinder. Jugend und Rechtsextremismus in Ostdeutschland, Köln 1992, S. 12-28, hier S. 20.

(187) Im September 1992 erfolgte ein Brandanschlag auf die sg. "jüdische" Baracke in Sachsenhausen, im Frühjahr 1995 wurde auf einer sich in der unmittelbaren Nähe befindlichen Straßenwalze "Judenwalze" geschrieben. Im August 1994 schrien jugendliche Besucher in der Gedenkstätte Buchenwald "Heil Hitler". In anderen Gedenkstätten hat es solche Schändungen (noch) nicht gegeben. Dies erfuhr der Verf. auf einem Gedenkstättenseminar für Mitarbeiter in Oranienburg im Oktober 1995.

(188) Vgl. Förster et al.: a. a. O., S. 123f.

(189) Dies gesteht er auch selbst ein. Vgl. Stöss '90, S. 51f. Eines seiner Items war z. B. "Ausräuchern linker Buchläden" u. ä.

(190) Vgl. Stöss '90, S. 28.

(191) Vgl. IBM '95, S. 78.

(192) Vgl. DJI '90, S. 100-113.

(193) Vgl. für die folgenden Aspekte Heitmeyer, Wilhelm: a. a. O., S. 138f.