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ein Beispiel aus Instagram und Facebook

Dieses Beispiel habe ich ausgewählt, um aufzuzeigen, wie hinter einer oberflächlich betrachteten - wenn auch heftigen - Kritik an Netanjahu und seiner Politik (die an vielen Stellen kritikwürdig ist) eben doch ein hartgesottener Israel- bzw. Judenhass stehen kann, wenn man hinter die Kulissen schaut. Hinter seiner Israelkritik steht handfester Antisemitismus. Seine vermeintlich eher linke politische Einstellung geht sogar so weit, die AfD in Schutz zu nehmen.

Zunächst die Ausgangssituation

Über eine Diskussion auf Facebook bin ich auf den Aufruf einer Aktivistin der Volt-Partei gestoßen, die dazu aufrief, an einer Veranstaltung teilzunehmen, auf der Namen umgekommener Palästinenser im Krieg als Reaktion auf den 7. Oktober verlesen werden. In einem Kommentar fragte ich, ob ähnliches auch Anfang Oktober für die israelischen Opfer getan wurde. Hier schaltete sich M. ein und kommentierte:

 

Zunächst beschränkt er sich auf Netanjahus Politik. Auch wenn die Aussage, dass er bzw. Israel unter Netanjahu für den 7. 10. verantwortlich falsch ist und eine Täter-Opfer-Umkehr betrieben wird, kann man, wenn man sehr naiv die Aussage betrachtet, zunächst "nur" von einer sehr heftigen auf Netanjahu beschränkten Kritik ausgehen. Wohlwollend könnte man bisher noch annehmen, dass er, wenn auch sehr heftig, ausschließlich Netanjahu und seine Politik kritisiert, dass die Zuschreibung der Verantwortlichkeit seinem Populismus geschuldet ist. Leider ist nicht eindeutig, wen oder was er mit "Er" meint im Satz "er sagt es auch so" und "Er missbraucht ihn." Da M. sich als Journalist begreift, sollten solche Doppeldeutigkeiten nicht auftreten. Mit "Er" kann die Person Netanjahu gemeint sein, der Zionismus unter Netanjahu (bzw. Netanjahus Verständnis von Zionismus) oder eben "der" Zionismus allgemein. Oder missbraucht der Zionismus das Judentum? Oder missbraucht Netanjahu das Judentum?

In meiner Antwort stellte ich kurz Israels/Netanjahus Verantwortung für den 7. Oktober polemisch kurz in Frage, um über die Kernpunkte seiner Behauptungen zu sprechen:

Erstens stellte ich kurz dar, dass Kolonialismustheorien nicht greifen, weil sie auf der Vergleichsebene Einwanderung nach Palästina

1. Antisemitismus unter normalen Rassismus subsumieren

2. Juden nicht nach Palästina eingewandert waren, um ihre "Mutterländer" mit Rohstoffen zu versorgen

Auf der Vergleichsebene Shoah

3. der Umgang der Kolonialherren in den Kolonien mit der indigenen Bevölkerung ein anderer war. So ging es den Kolonialinvasoren auch um Entwicklung eines aus ihrer Sicht unterentwickelten Volkes. Deswegen wurden in den Kolonien ausgewählte Mitglieder der indigenen Bevölkerung zur Ausbildung in die Mutterländer entsandt, auch war der Mord an den Herero eine Reaktion auf einen Aufstand gegen die Kolonialherren. Juden brauchten sich nicht in den besetzten Gebieten gegen Deutsche auflehnen als Anlass. Sie wurden ermordet, weil sie Juden waren. Dies gilt insbesondere auch für Osteuropa, das Gebiet, das die Vertreter der Kolonialismustheorien aufgrund der NS-Lebensraumideologie im Blick haben.

In einem zweiten Teil meiner Antwort ging ich auf Netanjahu bzw. auf seine Politik ein. Ich wies darauf hin, dass auch Palästinenser gegen Oslo I/II verstoßen hatten und gegen das Wye-Abkommen, dass zahlreiche Selbstmordattentate Israels Rechte gestärkt, die Palästinenser 1998 offen dazu aufriefen, den bewaffneten Kampf fortzusetzen.

Mein abschließender Hinweis galt der Zionismuskritik, der in seiner hier dargelegten Konsequenz das Existenzrecht Israels in Frage stellt.

Seine Antwort:



Netanjahu und seine Partei waren 1995 in der Opposition. Wie er bereits damals die Hamas unterstützt haben soll, ist offen. Allenfalls als Oppositionspolitiker hatte er sich gegen die Politik Rabins bzw. Peres nach Rabins Ermordung ausgesprochen. Letztendlich hat er seine Oppositionsrolle angesichts der Selbstmordattentate wahrgenommen. Wie soll man den Friedensprozess unterstützen, ihn in eine positive Zukunft führen, wenn dieser von Selbstmordattentaten unterlaufen wird, erst Recht als Anhänger der Opposition?

"Durch den Terror hat die Hamas wiederholt ihre Entschlossenheit unter Beweis gestellt, Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Als eine linke israelische Regierung in den 1990er Jahren bereit war, mit der Palästinensischen Autonomiebehörde eine Zweistaatenlösung zu vereinbaren, führte sie einen brutalen Terrorkrieg gegen israelische Zivilisten, der eine Mehrheit der Israelis von der Notwendigkeit überzeugte, die konservative Likud-Partei zurück an die Macht zu bringen."

Herf, Jeffrey: Der Genozidvorwurf und die Verharmlosung der Hamas, in: Bittermann, Klaus/Hesse, Christoph (Hrsg.): Umkämpfte Geschichte. Einsprüche gegen die Umdeutung des 7. Oktober, Berlin 2026, S. 181-192, hier S. 185.

Außerdem tischte M. wieder die Mär' der entschärften Hamas-Charta auf.

Da M. von einer entschärften Charta von vor 8 Jahren spricht, kann damit nur das bereits im Beispiel Lukas gemeinte Dokument gemeint sein. In meiner Antwort erwähnte ich dies und postete die bereits hier gezeigten relevanten Auszüge. Deswegen gehe ich hierauf an dieser Stelle nicht näher ein. Meine Antwort ergänzte ich noch mit dem Hinweis, dass auch die PLO ihre Charta nicht entschärft hatte, vor allem aber fragte ich nach einem Beleg für seine Behauptung, wenn in diesem Dokument überall von "from the river to the sea" zu lesen ist, zumal die "alte" Charta laut offizieller Mitteilung der Hamas nicht außer Kraft gesetzt wurde.(1)

Er antwortete mit "Whataboutism":

 

Von einer expliziten Vernichtung, erst Recht nicht im Sinne einer Shoah, ist natürlich nirgends die Rede. Die Vernichtung ergibt sich aus der Zerstörung des jüdischen Staates durch die Forderung "from the river to the sea". Wissenswert, aber leider ungeklärt ist, in welche Schublade er mich und "meinesgleichen" steckt.

Detailliert legte ich in meiner Antwort dar, dass Netanjahus auch eine Mitschuld trägt, aber eben nicht die Alleinschuld an der jetzigen Situation. Eindeutig schrieb ich, dass er in meinen Augen jede palästinensische Mitschuld bestreite und schrieb, dass die Selbstmordattentate Israels Rechte einschließlich Netanjahu gestärkt hätten.

Für ihn ist aber alles "Bullshit", ich erweitere die Argumentation noch auf das Wye-Abkommen 1998, das ebenfalls von palästinensischer Seite unterlaufen wurde.

 

Er ging auf kein einziges Gegenargument ein bzw. ignorierte diese einfach. Diese Antwort war die letzte, danach konnte ich wegen einer Sperre nicht mehr auf seine "Argumente" eingehen. Aber letztendlich drehte man sich ohnehin nur im Kreis. Das Sperren seiner politischen Gegner ist offensichtlich eine beliebte Methode, dies machte er auch gegenüber Kritikern einer Friedensdemo, wie aus Stellungsnahmen einiger Diskutanten des Wiesbadener Friedensbündnisses auf Facebook hervorgeht. Ein kleiner Exkurs zum Hintergrund: Es gab eine Friedensdemo gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen. Der Demonstrationszug führte auch an einer Gedenkstätte für die Opfer der Shoah vorbei, es kam zu, so laut Friedensbündnis Wiesbaden, antisemitischen Äußerungen. Aus dem Lautsprecherwagen skandierte man "Free Palestine". Dies wurde nicht unterbunden, obwohl diese Thematik nun absolut gar nichts mit dem Anliegen der Demonstration zu tun hatte. Der Gehweg wurde beschmiert mit einem Zitat des Verschwörungserzählers Daniele Ganser. Auf der Facebookseite verteidigte M. das Vorgehen, seine Kritiker wurden gesperrt von ihm, obwohl auch das Bündnis die Vorgänge kritisierte. Auch dies zeigt, dass das Thema "Palästina" für ihn oberste Priorität hat und selbst vor einer Shoah-Gedenkstätte keinen Halt zu machen braucht.

Doch zurück zu seinem Posting hier:

Es handelt sich also um eine faschistische Regierung. Die Begrifflichkeit "autoritär" wie die von Orban in Ungarn oder die polnische unter der Pis-Regierung scheint nicht auszureichen. Dass ein Deutscher einem Juden Faschismus vorwirft, hat mehr als nur "Geschmäckle". Abgesehen davon, verharmlost dies auch den historischen Faschismus.(2)

Der Blick hinter die Kulissen - weitere Postings von M. auf Facebook


Zur Person M.:
Zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte muss ich den Vornamen deutlich kürzen, da ansonsten der Betreffende mittels Suchmaschinen und den hier gemachten Angaben einfach zu identifizieren wäre. Aus gleichem Grund kann ich natürlich nicht auf Profile oder anderen Seiten verlinken, aus denen ich die Angaben entnommen habe.

M. war lange im Versicherungswesen tätig, hatte auch verschiedene Tätigkeiten bei einem Edelmetallhändler inne, machte sich dann als "Journalist" selbständig, indem er eine regelmäßig erscheinende Lokalzeitung herausbringt oder -brachte. Die Fehlermeldungen der Skriptsprache php deuten darauf hin, dass diese Seite nicht mehr gepflegt wird. Die Webseite der Zeitschrift verweist auf alte Ausgaben, auch aktuelle Diskussionsbeiträge sind nicht vorhanden. Er bezeichnet die Zeitschrift als "politisches Stadtjournal". Über eine journalistische Ausbildung (Volontariate, Studium usw.) verfügt er nicht, seine Ausbildung beschränkt sich auf den kaufmännischen Bereich. Mit anderen Worten: Er ist Autodidakt, über journalistisches Handwerk verfügt er nicht, über entsprechende Kenntnisse verfügt er nicht. Deswegen sind ihm Dinge wie journalistische Codices fremd. Dies entspricht dem Bild, das er über den Gazakonflikt vermittelt. Es handelt sich um einen "Meinungsmacher", aber nicht um jemanden, der gezielt recherchiert, Positionen hinterfragt, Aussagen mit Quellen belegt. Ausgewogenheit ist definitiv nicht zu finden.

Zwar gibt er an, sich seit 35 Jahren mit dem Nahostkonflikt zu beschäftigen, dies scheint aber eher ein Hobby zu sein, unter Umständen hat er noch sich für Vereine engagiert (ggf. auch Öffentlichkeitsarbeit), gezielte Angaben gibt es allerdings nicht. Da es durchaus sinnvoll erscheint, gerade die Positionen hervorzuheben, die die derzeitige Tätigkeit untermauern, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich hinter den gemachten Angaben Tätigkeiten befinden, die etwas mit Journalismus zu haben. Hier sein Facebookprofil:


 

Im Rahmen einer Diskussion, die nicht mit mir geführt wurde, postete M. doch etwas Bemerkenswertes. Ausgangspunkt war ein Posting über folgenden Sachverhalt: Ein israelischer Tourist gab eine Bestellung in einem Burger-King-Restaurant im US-Bundesstaat Pennsylvania auf. Er wurde von der Tresenkraft gefragt, woher er käme. Auf seine Antwort, dass er Israeli sei, bekam der den Slogan "Free Palestine" entgegen geschleudert. Es kam zu einem Eklat, der von beiden Seiten im Eskalationsverlauf naturgemäß unterschiedlich bewertet wurde. Die Mitarbeiterin wurde entlassen. Einem Mitdiskutanten, dem die politische Parole ebenfalls missfiel, entgegnete M.:

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass M. im Ausland ständig auf deutsche Politik qua seiner Herkunft und damit Verstrickung angesprochen werden möchte oder gar auf die deutsche NS-Vergangenheit, ist anscheinend jeder Israeli ist also ein potentieller Völkermörder.

Diese Aussage kann schon deswegen nicht stimmen, weil es ca. 21% Israelis gibt, die nicht zum Militär müssen. Hierbei handelt es sich um Araber. Diese können sich zwar freiwillig melden, allerdings liegt die Anzahl deutlich im nur dreistelligen Bereich. Darüber hinaus gibt es noch Mitglieder aus anderen Bevölkerungsgruppen, so dass "nur" 75% der Israelis tatsächlich Juden sind. M. beachtet also rund ein Viertel der Israelis ungerechtfertigt als potentielle Völkermörder.

Wenn man sich wie behauptet seit 35 Jahren mit Nahost beschäftigt, sollte man zumindest wissen, wie die israelische Bevölkerung sich in etwa zusammensetzt.

Ebenso verkennt er, dass es zahlreiche Israelis gibt, die nicht mit der Politik einverstanden sind. Diesen Sachverhalt kennt er auch, da er ab und an auch israelische Menschenrechtsorganisationen zu Wort kommen lässt in seinen Postings. Mit seiner Pauschalität unterstellt er auch diesen die Teilnahme an Kriegsverbrechen.

 

Sich als Journalist zu bezeichnen ist schon sehr mutig, aber leider ist die Bezeichnung nicht gesetzlich geschützt. Selbst wenn er ausgewogen berichten und recherchieren würde, entbehrt die Aussage, Journalist zu sein, doch jeder Grundlage. Postings im Internet und eine ehemalige Tätigkeit als Herausgeber eines kostenlosen Stadtmagazins reichen meines Erachtens nicht aus, insbesondere, wenn es um Politikfelder geht, die weit über den Bereich eines Lokalmagazins hinaus gehen.

Inwiefern seine geäusserte Kritik "konstruktiv" sein kann, ist ebenfalls rätselhaft, siehe auch meine Ausführungen hier. Er verbreitet auch bewusst Fake-Nachrichten, die nichts mit seriösem Journalismus zu tun haben.

Diesen Sachverhalt möchte ich gleich hier anhand mehrerer Beispiele aufzeigen:

 

M. postete ein Foto vom IDF (der israelischen Armee). Es soll eine Soldatin zeigen, die auf einer am Boden liegenden Palästinenserin trampeln soll, gepostet am 27. Juli 2026:

Auffällig schon hier die Täter-Opfer-Umkehr, die Taten der Palästinenser sind lediglich ein "Echo" auf die Brutalität der Israelis. Aber immerhin bezeichnet er die Gegenseite als ebenfalls "verroht".

Generell hat der "Journalist" die Bildquelle nicht geprüft, sondern per Teilen in seinen Account gepostet und kommentiert. Betrachtet man das Bild, fällt am Szenario auf, dass die am Boden liegende Person aussieht wie eine drapierte Puppe. Vollkommen sauber, keine Verletzungen, brav am Boden liegend, die Prozedur anscheinend stoisch ertragend, was im Video selbst (siehe unten) natürlich sehr viel besser erkennbar ist. Das Zimmer ist kein Verhörzimmer, wie man es erwarten würde, sondern ein normaler Büroraum.

Es kommt zu merkwürdigen Veränderungen vom linken zum rechten Bild:

Der Zettel an der Tür auf dem linken Bild fehlt rechts teilweise, er müsste sich knapp vor der Spitze des Bürostuhls an der Tür nach oben fortsetzen.

Hier stimmt die Perspektive nicht mehr. Wenn der Oberschenkel den Zettel vollständig verdecken soll, dann müsste auch der Stuhl stärker verdeckt sein.

Der Bürostuhl schiebt sich vor den Oberschenkel, dies ist erkennbar in einer sehr großen Vergrößerung:

Die Rundung des Stuhls ist weiterhin erkennbar, sie müsste aber von der braunen Hose verdeckt sein aufgrund der Perspektive. Eine ca. 5 Pixel breite senkrechte Reihe links beginnend am Stuhl müsste die Farbe der Hose besitzen, nicht das Schwarz des Stuhls. Sehr wahrscheinlich waren für die KI die Farben der Tür mit der Hose zu ähnlich, so dass die KI nicht entscheiden konnte, was zum Vordergrund und Hintergrund gehört beim Bewegungsablauf. So kam es zu dieser fehlerhaften Bildveränderung.

Der Bereich links der von mir gezeichneten roten Linie hätte von der Hose verdeckt sein müssen, dies wären in etwa die Konturen des Oberschenkels:

Im Standbild rechts sieht man deutlich fehlende verwaschene Strukturen der Bluse. Diese Art der "Unschärfe" ist auf fehlerhafte automatische Bildbearbeitung zurück zu führen, sie unterscheidet sich deutlich von Bewegungsunschärfen. Auf Höhe der Knopfleiste, und hierfür benötigt man keine Vergrößerung, ist die verwaschene Struktur in nahezu rechteckiger Form deutlich erkennbar, hier konnte die KI die verdeckten Strukturen nicht eindeutig rekonstruieren:

Diese Unschärfen setzen sich fort auf dem Fußabtreter vor der Tür hinten. Hier ist eindeutig eine klare abgegrenzte rechteckige Form erkennbar, die einen Teil der Fußmatte vor der Tür einschließt und durch die Fußbodenstruktur ersetzt:

Hier hat die KI versagt. Die Darstellung insgesamt deutet auf Einzelbilder eines Videos hin. Die schwarze Tasche hat sich von links nach rechts auch in der Form verändert, sie ist etwas in die Höhe gewachsen. Mit der umgekehrten Bildersuche kommt man schnell auf ein Video mit arabischem Kommentar:

 

 

Quelle: Youtube, zuletzt eingesehen am 5. 8. 2026.

Hier die Tonspur aus dem arabisch-sprachigen Video:

 

 

Wozu die Tonspur...?

...mag sich der geneigte Leser fragen, wozu diese noch einmal extrahiert? Ich war interessiert, was der Kommentator zu diesem Video sagt. Hierzu extrahierte ich die Tonspur (Videos können leider nicht hoch geladen werden) und ließ diese von Gemini-AI übersetzen. Laut Gemini-AI handelt es sich um das ägyptische Arabisch. Die Übersetzung überraschte selbst mich, den Wortlaut möchte ich niemandem vorenthalten:

"Eine israelische Soldatin der israelischen Armee steht für einige Sekunden auf einer Frau. Es wurde behauptet, dass diese Frau eine Palästinenserin sei. Dieses Video hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Doch als wir nach der Quelle gesucht haben, haben wir keine einzige Quelle gefunden, die die Echtheit des Videos bestätigt. Das bringt uns zu der Wahrscheinlichkeit, dass dieses Video mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch künstliche Intelligenz erstellt wurde."

Quelle: Übersetzung der Audio-Datei durch Gemini-AI, Hervorhebungen von mir. Die Audio-Datei kann für eigene Prüfzwecke natürlich herunter geladen werden. Mohammed Othman, Betreiber des Youtube-Kanals, ist ägyptischer Journalist. Er beschäftigt sich u. a. mit dem Gaza-Konflikt.

Selbst Araber bekommen Zweifel und prüfen das Video, nur M. nicht!

Auffällig auch die Beine des Bürostuhls. Es fehlen die hinteren Beine, so wäre die Standsicherheit nicht gewährleistet:

 

Ein Bürostuhl mit dieser Fußkonstruktion hat hinten ebenfalls einen "Fuß", es bildet ein nach vorne offenes Quadrat (Beispielbild):

 

Auf dem linken Screenshot befindet sich unten rechts im Bereich des Papierstapels eine auffällige annähernd regelmäßige Struktur:


Bereits die Struktur in der 1:1-Ansicht ist auffällig. Hier in der Vergrößerung:


Man erkennt einen Stern, es handelt sich um das Logo der Gemini-KI von Google, der natürlich weggestempelt wurde. Da das Logo aus einem inneren Farbverlauf besteht, kann es nicht ohne genaues Arbeiten weggestempelt werden, da es nicht nur einen Farbwert gibt, der eliminiert werden muss. Deswegen bleiben hier Helligkeitsdifferenzen übrig, die den ehemaligen Stern nachzeichnen inklusive einem Verlauf.

Auch beim Video zeigt sich, dass die am Boden liegende Person viel zu still auf dem Boden liegt. Die Brust wird beim Trampeln nicht eingedrückt, der im Bild linke Stiefel zeigt (gerade beim Auftritt) typische KI-"Strukturen", nämlich keine. Die Stiefelspitze ist zu glatt, auch bei KI-generierten Menschen tritt dies Problem auf, die Haut wirkt unnatürlich glatt.

Schon bei Sekunde 5 des Videos sieht man den Fake eindeutig: Beim Auftreten auf den Körper gibt es ganz klar abgegrenzte Bildstrukturen zwischen Bluse und Stiefel, kein hochspringender Stoffrest bedeckt bzw. verdeckt die Stiefelspitze bzw. die unteren Sohlenränder:

Der Stiefel sieht aufgestempelt aus. Die KI war nicht in der Lage, hier ein Hineindrücken zu konstruieren. Wäre es eine reale Bewegung, dann müsste der Fuß sehr langsam und vorsichtig auf die Brust abgestellt werden, um ein Hineindrücken zu vermeiden.

Die umgekehrte Bildersuche liefert auch vollkommen problemlos die zahlreichen Hinweise auf den Fake:

Quelle: Threads, zuletzt eingesehen am 5. 8. 2026.

 

Wenn man im Video, das den Fake und die Realität gegenüber stellt, hört man (leider durch die Musik etwas übertönt) ein Aufstöhnen des vermeintlichen Opfers. Kein Bitten oder Flehen, aufzuhören. Auch wehrt sich die Person überhaupt nicht.

Der Suchtext "ich suche ein video das eine israelische Soldatin zeigt die auf einem am Boden liegenden Körper trampelt" liefert in Google eine Version des Fakevideos, hier ist auch das "Stöhnen" besser zu hören:

 

Quelle: Instagram, zuletzt eingesehen am 5. 8. 2026.

Es ist keinerlei Mundbewegung beim Aufstöhnen beobachtbar, erst recht kein Bitten oder Flehen, damit aufzuhören, das angebliche Opfer wehrt sich überhaupt nicht. Hier wird der Fake mehr als deutlich.

Es gehört zum journalistischem Handwerk, solche Fakes zu entlarven, zumindest die Quelle zu recherchieren. Man muss kein Bildexperte sein, bereits die umgekehrte Bildersuche zwecks Auffindens der Quelle hätte ausgereicht, um Hinweise auf den Fake zu bekommen. Dann hätte man nur weiter recherchieren müssen!

Abschließend das Originalvideo:

Quelle: TikTok, zuletzt eingesehen am 5. 8. 2026.

 

Ich erwarte gewiss keine forensische Bildanalyse. Aber bereits das Setting wirft Fragen auf. Quellenangaben gehören zum journalistischen Grundwerkzeug. Hätte M. nach diesen gesucht, wäre er schnell auf die ersten Hinweise auf Fakes gestoßen.

 

M. postete folgendes:

 

Hier werden typische antisemitische Metapher (siehe unten) bedient, dass Juden die Welt beherrschen würden.

Auch hier wäre ein Quellennachweis durchaus sinnvoll, Knesset, Tel Aviv, October 2001 ist ganz gewiss unzureichend, da hier kein verifizierbarer Link dabei ist. Möglich wären Links zu Tageszeitungen, Protokolle der Knesset-Reden, die allerdings hebräische Sprachkenntnisse voraussetzen. Aber Tageszeitungen würden vollkommen ausreichen.

Wenn man objektiv dieses Zitat liest, sollte nicht nur das antisemitische Stereotyp auffallen, sondern man sollte sich die Frage stellen, dass wenn dies Zitat so gesagt worden wäre, dies dann in seriösen Tageszeitungen und Nachrichtenportalen auffindbar wäre. Es ist in seriöser Presse nicht aufzufinden. Man muss nur die Phrase (also das Zitat) in einer Suchmaschine eingeben. Die KI liefert folgendes Ergebnis, das als Anhaltspunkt dienen und skeptisch machen sollte:

 

Dieses Zitat ist frei erfunden und wird von ein paar pro-palästinensischen Gruppen genutzt, z. B. den auch in englischer - aber nicht in arabischer(!) - Sprache verfügbaren "Washington Report on Middle East Affairs", die ihren Sitz laut Impressum in Zypern haben. Es wird ferner behauptet, dass dies Zitat im Rahmen eines Radiobeitrags des israelischen Senders Kol Yisrael gefallen sein soll.

Der Sender kann den Beitrag nicht verifizieren!

Diese Aussage soll zum ersten Mal von der inzwischen nicht mehr existierenden IAP (Islamic Association for Palestine) in die Welt gesetzt worden sein. Bei dieser Organisation handelte es sich um eine in den USA existierenden Vereinigung, die Nachfolgerorganisation nennt sich "American Muslims for Palestine (AMP)". Auf deren Webseite ist das Zitat nicht mehr zu finden.

Wesentlich ist, dass dies Zitat in keiner seriösen Presse, auch nicht in extrem linken Presseorganen, aufzufinden ist. Es entspricht aber einem typischen antisemitischen Weltbild.

 

Beispiel 3:

Auch hier fehlt jeder Hinweis auf eine Quelle. Lediglich die im Bild gezeigte Internetadresse könnte ein Indiz sein. Bei diesem Institut in Pakistan handelt es sich um ein Kursangebot, das gezielt die Absolventen vorbereitet auf das Bestehen staatlicher Auswahlprüfungen. Um dies heraus zu finden, muss man nur die Internetadresse abtippen. Im Rahmen dieser Tätigkeit gibt es auch einen Youtubekanal, auf dem Videos zu verschiedenen Themen erscheinen.

Ein wenig suchen, nachdem man das Zitat in eine Suchmaschine eingegeben hat, liefert u. a. folgenden Beitrag auf Instagram:

 

Quelle: Instagram, zuletzt eingesehen am 6. August 2026

Bereits dieses Posting sollte Zweifel aufkommen lassen. Im Posting wird (hier blau hinterlegt durch meine Markierung) auf eine Webseite verwiesen, auf dem der Sachverhalt aufgeklärt wird, dort gibt es auch das Originalvideo.

Selbstverständlich kommt dieses Zitat nicht vor. Interessant ist aber, wer das Video mit dem falschen Zitat in Umlauf brachte. Es handelt sich um Jackson Hinkle, einen amerikanischen Influenzer, der gezielt pro-russische und anti-israelische Propaganda betreibt und vor mehrfachen Lügen nicht zurück schreckt. Antriebsfeder scheint ein sehr konservatives Weltbild zu sein, so dass alles gegen dem "dekadenten" Westen gerichteter Inhalt gepostet wird.

So nimmt er den syrischen Diktator Bassad in Schutz oder den inzwischen toten Hamas-Führer Sinwar(1).

Einige seiner Webseiten wurden mehrfach gesperrt wegen der anhaltenden Falschmeldungen.

Die deutschprachige Wikipedia listet beispielsweise folgende Propagandalügen auf:

  • Von einem Foto, das ein von der Hamas brutal ermordetes Kind zeigt, wurde von ihm fälschlicherweise behauptet, es sei KI-generiert
  • Er zeigte ein Foto von US-Marines und behauptete, sie kämen in Israel an. Statt dessen entstand das Foto in Rumänien.
  • Er präsentierte ein Foto mit angeblich von Israel bombardierten Krankenhäusern. Das Foto stammte aus dem syrischen Aleppo.
  • Ebenso behauptete er von einem Foto, es zeige die Verhaftung eines Dreijährigen in Hebron. Auch dies Foto stammte aus Syrien.

Ein weiteres Beispiel, auch zum Nachlesen, da hier alle relevanten Screenshots enthalten und transparent nachvollziehbar sind:

Anmerkungen

(1) Vgl. den Wikipediaeintrag über Jackson Hinkle, zuletzt eingesehen am 6. August 2026.

 

Anhand dreier Beispiele habe ich gezeigt, dass M. seine Quellen nicht nur nicht benennt, sondern darüber hinaus den Wahrheitsgehalt nicht prüft, denn diese Beispiele sind so absurd (außer für Antisemiten und Verschwörungserzähler), dass hier eine Prüfung notwendig gewesen wäre. Doch hierfür muss man in der Lage sein, eigene Positionen hinterfragen zu können und vor allem auch zu wollen.

Aufgabe eines Journalisten ist es, solchen Quellen nachzugehen. Und wenn erste(!) Zweifel aufkommen, sollte man entweder weiter suchen oder eben den Inhalt nicht posten. "Lügenpresse" scheint hier der richtige Begriff für den "Journalisten" M. zu sein.
Ich machte M. auf die Fakes aufmerksam, es folgte eine Sperre, die Falschnachrichten blieben stehen.
Die Sperre folgte dann (am 6. August 2026 ca. 17:45 Uhr):

 

Natürlich wurde der Fake nicht gelöscht, sondern mein Hinweis, übrig blieb nur mein damals ebenfalls gesetztes Emoji "HaHa":

Soviel zum Thema Auseinandersetzung und "Qualitäts"journalismus. Die Situation in Gaza ist schlimm genug, und mit Sicherheit begeht auch die israelische Armee Kriegsverbrechen. Da muss man nicht noch welche hinzuerfinden. Die Tatsache, dass M. den Fake stehen lässt und mich sperrt, zeigt eindeutig, dass es ihm nicht um sachlichen Austausch geht. Er will, siehe meine weiteren Ausführungen, seinen Antisemitismus freien Lauf lassen.

 

Parteipolitisch ist M. dem BSW zuzuordnen, er stand auf deren Kandidatenliste (Nummer 1203):

Lokalpolitisch veranstaltet er auch Mahnwachen oder Demonstrationen, die sich gegen zu israelfreundliche Politiker in seiner Region richten, er hat entsprechende Fotos auf seinem Instagramprofil gepostet. Somit kann man ihn durchaus als "Aktivist" bezeichnen. Auf Facebook dürfen natürlich auch Hetze und polemische Diffamierungen unter Zuhilfenahme üblicher Memes gegen Politik und Politiker nicht fehlen. Nur ein Beispiel zur Wehrpflicht: "Die Bundeswehr macht wieder auf "Wehrmacht". Als nächstes erfolgt die Aufforderung, dem Führer ein Kind zu schenken. Besser zwei oder drei. Man möchte im dritten Anlauf endlich Russland besiegen. Was wieder nicht klappen und vermutlich Deutschland total zerstören wird. Dieses Land stinkt vom Kopf her schon jetzt so schlimm nach Fäulniss und Verwesung. Es ist nur noch ekelhaft..." Konstruktive Gesellschaftskritik, insbesondere von einem Journalisten, sieht definitiv anders aus.

 

An anderer Stelle bezeichnet M. Israelis als "100%ige Nazis":

Hier scheint durchaus Schuldabwehr eine Rolle zu spielen, ein nicht unbedeutendes Motiv im linken Antismitismus. Ingrid Strobl resümiert selbstkritisch:

"Wie unbewußt auch immer, durch die israelische Politik gegen die Palästinenser fühlten sich viele deutsche Linke befreit von jeder Verantwortung, der sie sich als Nachkommen womöglich stellen müßten. Da jedoch die Ungeheuerlichkeit der Shoah selbst für diejenigen, die sich nie näher mit ihr konfrontiert haben, so ohne weiteres nicht zu ignorieren ist, mußte sie auf Teufel komm raus relativiert werden. Zwanghaft wurde alles, was Israelis Palästinensern antaten, mit dem verglichen, was Deutsche den Juden angetan haben."

Ingrid Strobl: Im Feld des Vergessens, zitiert nach Grigat, Stephan/Stögner, Karin: Projektiver Antizionismus. Antisemitismus gegen Israel vor und nach dem 7. Oktober 2023. S. 497.

Für ihn gibt es auch keinen israelbezogenen Antisemitismus. Er sei eine Erfindung im Dienste "zionistischer Propaganda":

 

Auf diese Weise entledigt er sich durch Leugnung aller antisemitischen Vorwürfe. Interessant ist aber, dass er die Bezeichnung "Nazi" in Bezug zur AfD abgedroschen findet (übrigens m. E. zu Recht), aber keine Probleme hat, Israelis als "Nazis" und den Staat Israel als "faschistisch" zu bezeichnen.

Kernelemente des Faschismus bezüglich der Staatsform sind u. a.:

Die Schuldfrage der Deutschen am 2. Weltkrieg und an der Shoah scheint durchaus eine für ihn wesentliche Rolle zu spielen, wie ein weiteres Posting belegt:

 

In diesem einen Kommentar von M. stecken gleich drei diskussionswürdige Behauptungen:

Die Schuldfrage spielt für den Palästinakonflikt durchaus eine wichtige Rolle. So behaupten einige Aktivisten (auch linke Politiker), dass die Schuld für den Nahost-Konflikt bei den Deutschen liege, denn ohne Shoah keine Einwanderung nach Palästina. So wird auf Demonstrationen "Free Palestine from german guilt" skandiert, vereinzelt wird gefordert, die Deutschen als Verursacher der Shoah sollten Juden ein Bundesland als Siedlungsgebiet zur Verfügung stellen. Auf diese Weise wird natürlich die Geschichte absurd verkürzt. Richtig ist, dass der Zionismus als Antwort auf den Antisemitismus seinen Ausgangspunkt in den Pogromen des russische Zarenreichs hatte.

Es ist leider bittere Realität, dass einige Linke ideologisch sich hier mit Rechtsextremen treffen und beide die Shoah delegitimieren.

In diesem Zusammenhang muss zumindest darauf hingewiesen werden, dass es fundamentale Unterschiede zwischen Rassismus und Antisemitismus gibt. Es ist aber der Rassismus, der Kolonialismus legitimierte nebst seinen begangenen Verbrechen an die Kolonisierten. Die (Post)koloniale Theorie allerdings negiert diese Unterschiede bzw. bringt sie nicht zur Sprache. So gelingt es, die Shoah einzureihen in eine lange Kette kolonialer Verbrechen und somit auch die Gründung Israels bzw. (Be)siedlung als koloniales Verbrechen zu titulieren.

Faktisch steht dem die Shoah allerdings entgegen, weswegen die deutsche Schuld relativiert werden muss. Dies geschieht durch Gleichsetzungen der Shoah mit anderen kolonialen Verbrechen und ebenfalls als Folge auch durch die Titulierung israelischer Politik als "faschistisch" oder die Titulierung israelischer Politiker als Nazis. Denn wenn "gewöhnliche " koloniale Verbrechen "Nazi-Methoden" seien, dann kann man leichter den Staat Israel als "faschistisch" verunglimpfen, sofern man diesem auch (Siedler)kolonialismus vorwirft.

Natürlich sitzen extreme Rechte in der israelischen Regierung, dennoch kann man sie nicht als Nazis verunglimpfen. Deren Hass auf die Palästinenser ist anders begründet als der Hass der Nationalsozialisten auf Juden. Antrieb zum Judenmord war der Erlösungsantisemitismus.(1) Die Deutschen benötigten keinen Anlass, um Juden umzubringen. Sie wurden ermordet, weil sie Juden waren. Und hierin unterscheidet sich Antisemitismus vom Rassismus. Rassismus legitimiert Herrschaft, nutzt die Ressourcen der Kolonien aus. Außerdem wollten die Kolonialherren stets die die sg. "Wilden" zivilisieren. Dagegen gerieten selbst Christen, deren Vorfahren Juden waren, in die Verfolgungs- und Mordmaschinerie der Nationalsozialisten.

Um aber die Shoah in die Kette der Kolonialverbrechen einzureihen, müssen diese Besonderheiten dethematisiert werden. Auf diese Weise wird der Shoah das Makel der Singularität genommen, er wird, wie es Alexander Gauland von der AfD formuliert hatte, zum "Vogelschiss der Geschichte". Rechts- und Linksextremisten haben ein vitales Interesse, die Shoah zu delegitimieren:

  • Rechtsextremisten und einige Rechtskonservative, weil die Shoah als Makel deutscher Geschichte dem Patriotismus im Wege steht
  • Linksextremisten und einige Progressive Linke, weil die Shoah als wesentlicher Bestandteil der Gründung Israels betrachtet wird

Aus diesem Grund nahm M. mein Stichwort "Shoah" nicht auf. Auf diese Weise kann auch die Staatsgründung als illegitim betrachtet werden:

Auch hier ist seine Wortwahl radikal und exklusiv: "schuldig sind wir nur an der Unterdrückung, Tötung und Vertreibung". Die Shoah spielt, siehe auch weiter unten, für M. keinerlei Rolle. Die Akzeptanz des Einflusses der Shoah hat nichts mit Schuldgefühlen zu tun, sondern mit historischen Tatsachen. Natürlich ist es für Deutsche emotional schwerer - zumindest sollte es so sein - sich in die Angelegenheiten Israels einzumischen. Natürlich kann man hier sachlich über die sg. "Staatsräson" diskutieren und wie diese konkret aussehen soll. Man kann aber keineswegs die Shoah dethematisieren oder sie instrumentalisieren.

Aber mit der Dethematisierung und vor allem Delegitimierung der Shoah wird der Weg frei, die Existenz Israels bzw. das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen.

Anmerkungen

(1) Vgl. Friedländer, Saul: Das Dritte Reich und die Juden, München 2007, S. 87ff.

 

 

M. macht hier (Siehe auch unten) den Schnitt in die moderne Zeit, nämlich 1948 mit der Gründung des Staates Israel. Allerdings beruht dies auf ideologische Willkür. Schon 70. n. Chr. kam es zum sg. "Jüdischen Krieg" gegen die Römer. Als Folge wurde der 2. Tempel zerstört, eine bildliche Darstellung des Raubzugs findet sich beispielsweise auf dem Titusbogen in Rom auf dem Forum Romanum.

Ein letzter Aufstand erfolgte 132 n. Chr. Auslöser war der Bau eines Jupiter-Heiligtums auf den Ruinen des zerstörten 2. Tempels.

Die Römer hatten nach dem Bar-Kochba-Aufstand 132-135 n. Ch. Juden endgültig vertrieben und versklavt und somit in die Diaspora getrieben. Die verbliebenden Juden mussten fortan die Tempelsteuer als Fiscus Judaicus entrichtet werden für Jupiter Capitolinus.(1) Das Gebiet wurde dann umbenannt von der "Provinz Judäa" in "Syria Palaestina". Nach dem Untergang des römischen Reiches geriet dann auch die Bezeichnung "Palästina" lange Zeit in Vergessenheit.

Einige Palästinenser berufen sich auf die Kaaniter und behaupten, deren Nachfolger zu sein, um eine ungebrochene historische Kontinuität herzustellen. Aber auch dies politische Willkür. Die heutige Palästinenser sind keineswegs Nachfahren der Kaaniter aus der Bronzezeit. Die israelitische sg. "Landnahme" erfolgte in der Spätbronzezeit als schleichender Prozess. Verschiedene nomadische Stämme verbanden sich und gründeten auf diese Weise "Israel".(2)

Erst die arabisch-muslimische Invasion im 7. Jahrhundert brachte den Islam in die Region, also lange nachdem Juden von den Römern vertrieben worden waren.

 

Anmerkungen

(1) Vgl. Ben-Sasson, H. H.: Geschichte des jüdischen Volkes. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1992, S. 364ff. Einen Überblick bietet Krämer, Gudrun: Geschichte Palästinas. Von der osmanischen Eroberung bis zur Staatsgründung Israels, 6. Aufl. München 2015

(2) Vgl. ausführlich die ersten Kapitel in Ben-Sasson: a. a. O.

 

Es ist vollkommen richtig, dass die UN keinerlei Befugnis hatte und hat, einen Staat zu gründen. Allerdings muss man schon genau auf die Institution der UN schauen. In diesem Fall handelte es sich um die Generalversammlung. Die Empfehlung richtete sich an die britische Mandatsmacht, die sich zuvor an die UN gewandt hatte, um die Probleme und Fragen in Palästina zu klären.

Ein Blick in die 3-Elemente-Lehre des Völkerrechts zeigt, was für einen Staat und für eine Staatsgründung notwendig ist (1):

  • Staatsgebiet
  • Staatsvolk
  • Staatsgewalt

Die faktische Staatsherrschaft kann auf verschiedene Weisen hergestellt werden, so durch Dismembration eines Bundesstaates, dessen Mitglieder zu selbständigen Staaten werden, durch Entlassung einer auf einem abgeschlossenen Gebiet lebenden Bevölkerung aus der Herrschaft eines anderen Staates (z. B. Dekolonisierung), durch Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes einer Bevölkerungsgruppe, durch Sezession einer Bevölkerungsgruppe aus einem bestehenden Staatsverband, theoretisch auch durch Okkupation eines herrenlosen Gebietes durch eine Bevölkerung, die als Träger des Selbstbestimmungsrechts qualifiziert werden kann. In all diesen Fällen dürfen Rechte schon bestehender, dritter Staaten nicht verletzt werden; werden sie widerrechtlich beeinträchtigt, etwa durch Annexion eines Teiles ihres Staatsgebietes oder durch Okkupation des Gebietes eines anderen Staates und Vernichtung der dort herrschenden Staatsgewalt, kann die Errichtung oder der Bestand eines neuen Staates allein wegen ihrer Effektivität nicht zu einer Staatsgründung führen, es sei denn, die Staatsgemeinschaft anerkennt diesen neuen Zustand. Damit ist nicht die Anerkennung des neuen Gebildes als Staat gemeint, sondern die Anerkennung der Herrschaft über ein Gebiet."

Doehring, Karl: Völkerrecht. Ein Lehrbuch, 2. neubearb. Auflage, Heidelberg 2004, §2, Randnr. 152.

Wer sich mit der Entstehungsgeschichte des Staates Israel auskennt inklusive seiner Vorgeschichte, kann zumindest erahnen, dass angesichts der verschiedenen völkerrechtlichen Möglichkeiten zur Staatsentstehung hier mehrere Prozesse zumindest zeitlich teilweise parallel liefen und somit der Staat seine Legitimität aus verschiedenen Rechtsquellen speist. Denn fast alle in diesem Zitat genannten Möglichkeiten spielten eine Rolle. Wesentlich ist, dass in allen genannten Möglichkeiten ein UN-Beschluss keinerlei Rolle spielt. Natürlich war die Teilungsresolution für die Staatsgründung de facto für die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht unwesentlich, spielt aber de jure keinerlei Rolle.

Wenn die Teilungsresolution aber de jure keine Rolle spielt, taugt sie auch nicht als Argument zur Illegitimität des Staates Israel.

Wenn aber andererseits selbst eine Annexion und mit der damit einhergehenden Vernichtung der ursprünglichen Herrschaft von der Staatsgemeinschaft anerkannt wird und dies zur Staatsgründung führen kann, dann ist auch Israel ein legitimer Staat. Denn er wurde von der Staatsgemeinschaft anerkannt. Dies ist das entscheidende Merkmal. Auch in der UN wird die Existenz Israels als Völkerrechtssubjekt anerkannt als Träger von Rechten und Pflichten. Am 11. Mai 1949 wurde Israel mit der Resolution 273 (III) de jure und de facto anerkannt. In der Resolution heißt es lapidar:

273 (III).

Admission of Israel to membership in the United Nations [...] The General Assembly, [...] Decides to admit Israel to membership in the United Nations"

Quelle: Resolution 273 (III) der UN-Vollversammlung, 11. Mai 1949, kursiv im Original

Ben-Gurion proklamierte den Staat am 14. Mai 1948. Somit wurde er erst ein Jahr später von der UN de jure anerkannt. Natürlich gibt es noch viele andere Rechtsquellen der UN, die Israel als Staat anerkennen. Formaljuristisch betrachtet bedeutet die Resolution 273 (III) die Aufnahme des Staates Israels in die UN als Völkerrechtssubjekt und die Anerkennung als Staat. Sie setzt die Existenz eines Staates voraus entsprechend der 3-Elementen-Lehre.

Wird ein neu entstandener Staat als Mitglied in eine internationale Organisation aufgenommen, die in ihren Statuten die Mitgliedschaft von der Staatsqualität abhängig macht, besteht eine Vermutung dafür, dass die Mitglieder der Organisation insgesamt hiermit die Staatsqualität des neuen Mitglieds anerkennt. [...] Eine Ausnahme von dieser Regel könnte man bei der Annahme eines neu entstandenen Staates in die Vereinten Nationen annehmen. Da nahezu alle Staaten der Welt auch Mitglieder der Vereinten Nationen sind, wirkt für sie die Aufnahme eines neu entstandenen Staates in jedem Falle so, das sie nun die Qualität eines Völkerrechtssubjekts nicht mehr leugnen können.

Doehring, Karl: Völkerrecht. Ein Lehrbuch, 2. neubearb. Auflage, Heidelberg 2004, §19, Randnr. 943.

Selbstverständlich ist in den Statuten der UN (die Charta) von "Staaten" die Rede im Kapitel 2 "Mitgliedschaft":

Artikel 4

(1 )Mitglied der Vereinten Nationen können alle sonstigen friedliebenden Staaten werden, welche die Verpflichtungen aus dieser Charta übernehmen und nach dem Urteil der Organisation fähig und willens sind, diese Verpflichtungen zu erfüllen.

(2) Die Aufnahme eines solchen Staates als Mitglied der Vereinten Nationen erfolgt auf Empfehlung des Sicherheitsrats durch Beschluß der Generalversammlung.

Quelle. Charta der UN, Artikel 4.

Genau dieser Beschluss zur Aufnahme Israels wurde mit der Resolution 273 (III) gefasst und damit wurde Israel auch seitens der UN anerkannt. Keine Aussage wurde über die Grenzen des Staates gemacht.

Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen einzelner Staaten zum neuen Staat ist keineswegs zwingend erforderlich.

Eine Anerkennung ist allerdings nicht zwingend notwendig:

Wenn die Staatsmerkmale des Völkerrechts objektiv vorhanden sind, d. h. ein durch Staatsangehörigkeit eingegrenztes Staatsvolk, ein abgegrenztes und effektiv beherrschtes Gebiet und eine effektiv den Staat leitende Staatsgewalt, die willens und fähig ist, das Völkerrecht einzuhalten, ist es gleichgültig, ob eine Anerkennung anderer Staaten abgegeben wird. Geschieht das, wird nur ein Rechtszustand bestätigt, der ohnehin schon vorhanden ist. Geschieht dies nicht, ändert dies am Rechtszustand aber nichts.

Doehring, Karl: Völkerrecht. Ein Lehrbuch, 2. neubearb. Auflage, Heidelberg 2004, §19, Randnr. 942.

Vor dem 11. Mai 1949 wurde Israel bereits von 41 Staaten anerkannt durch die Aufnahme dieser Beziehungen.

Anmerkungen

(1) Vgl. §2f, Rand-Nr. 150 in Doehring, Karl: Völkerrecht. Ein Lehrbuch, 2. neubearb. Auflage, Heidelberg 2004

 

In einem weiteren Posting bestreitet er die Alleinschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg, eine solche Behauptung wurde bisher von Holocaustleugnern und Revisionisten aufgestellt:

 

Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg stand die Frage der Kriegsschuld für den Zweiten Weltkrieg nie ernsthaft zur Diskussion.

Wendt, Bernd Jürgen: Deutschlands Weg in den Zweiten Weltkrieg, in: Vollnhans, Clemens: Wehrmacht–Verbrechen– Widerstand. Vier Beiträge zum nationalsozialistischen Weltanschauungskrieg. Dresden 2003, S. 9-26, hier S. 10.

Wahrscheinlich glaubt er selbst an Hitlers sg. "Prophezeihung" in seiner Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 in Verbindung mit seinem Anti-Amerikanismus:

"Ich will heute wieder ein Prophet sein: Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa."

Hitler am 30. Januar 1939 im Reichstag

Für ihn führte Deutschland auch im 2. Weltkrieg einen Stellvertreterkrieg für die USA. Das Interesse der USA soll es gewesen sein, eine Bündnispolitik Deutschlands mit Russland zu verhindern, um die Hegemonie der USA zu erhalten. Letztlich macht er sich gemein mit der NS-Ideologie, die eben auch den Pluralismus und das demokratische System der USA strikt ablehnte. Er beruft sich dabei auf den George Friedman:

Jeder sollte wissen, dass Deutschland den Überfall auf den Sender Gleiwtz, Forsthaus Pitschen und auf das Zollhaus Hochlinden fingierte, der Allgemeinheit ist meist, da nur dieser propagandistisch ausgeschlachtet wurde, der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz bekannt. Natürlich sollte man sich die Frage stellen, warum man einen Anlass fingieren muss, wenn ohnehin andere Staaten am Ausbruch des 2. WKs mit verantwortlich sind. Warum hat NS-Deutschland nicht eben diese Aspekte propagandistisch ausgeschlachtet, sondern musste einen Anlaß fingieren?

Es stellt sich die Frage, wie es den USA gelang, den Hitler-Stalin-Pakt durch den Überfall auf die UdSSR aufzulösen. Wie gelang es den USA, NS-Deutschland in den Krieg hinein zu treiben, der entsprechend den Aussagen in "Mein Kampf" angelegt war.

Am Ausbruch des ersten Weltkriegs trägt Deutschland keine Alleinschuld, beim 2. Weltkrieg sieht es nun vollkommen anders aus. Es ist hier der falsche Ort, die ausschließlich von Holocaustleugnern und Revisionisten vertretenen Thesen ausführlich zu diskutieren. Nur soviel:

Schon in "Mein Kampf"(1) hatte Hitler seine Idee des Lebensraumes im Osten entworfen, er schrieb von einem großen Germanenzug, der nach Osten weisen solle. 1934 griff Bucharin diese Aussagen auf dem 17. Parteitag der KPdSU und schloss daraus: "Hitler ruft offen damit auf, unseren Staat zu zerschlagen, Hitler spricht offen über die Eroberung mit dem Schwert von anscheinend notwendigen Territorium für das deutsche Volk aus den Ländern, die unsere Sowjetunion besitzt".(2)

Hitler legt dar, dass es unumgänglich ist, dass eine Großmacht sich autark ernährt durch Landwirtschaft, wofür natürlich Grund und Boden notwendig ist. Auf den Weg dorthin muss militärische Gewalt angewendet werden, bereits die Revision des Versaillers Vertrags soll militärisch durchgesetzt werden: "Denn, dass auch die Wiederherstellung der Grenzen des Jahres 1914 nur mit Blut zu erreichen wäre, dürfte kaum für irgend jemand fraglich erscheinen. Nur kindlich-naive Geister mögen sich in dem Gedanken wiegen, auf Schleich- und Bettelwegen eine Korrektur von Versailles herbeiführen zu können."(3) Bereits im nächsten Absatz wird der Horizont über die ursprünglichen Grenzen hinaus erweitert: "Die Grenzen des Jahres 1914 bedeuten für die Zukunft der deutschen Nation gar nichts." und schließt den Kreis wieder zur Notwendigkeit des Besitzes natürlicher Ressourcen: "Demgegenüber müssen wir Nationalsozialisten unverrückbar an unserem außenpolitischen Ziel festhalten, nämlich dem deutschen Volk ihren gebührenden Grund und Boden auf dieser Erde zu sichern."(4)

Er resümiert:

"Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und wesisen den Blick nach dem Land im Osten. [...] Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken."(5)

Die zentrale Frage ist natürlich, wie man dies Ziel erreicht, denn Polen liegt dazwischen.

Hitlers Programmatik versus Realität

Es ist hier nicht notwendig, den Gang der Ereignisse exakt nachzuzeichnen.(6) Eindeutig hielt Hitler an seinem Programm der Eroberung des Lebensraumes fest. Im Vierjahresplan 1936 heisst es:

Politik ist die Führung und der Ablauf des geschichtlichen Lebenskampfes der Völker. Das Ziel dieser Kämpfe ist die Behauptung des Daseins. Auch die idealistischen Weltanschauungskämpfe besitzen ihre letzten Ursachen und erhalten ihre tiefsten Antriebe aus volklich gegebenen Lebenszwecken und Zielen. Religionen und Weltanschauungen vermögen aber solchen Kämpfen stets eine besondere Härte zu geben und verleihen ihnen daher auch eine große geschichtliche Eindringlichkeit.

Quelle: Treue, Wilhelm: Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan 1936, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 3. Jhg. (1955), S. 184-210, hier S. 206. Wichtig zu beachten ist die historische Einordnung ab S. 184.

Mit diesen einleitenden Worten wurde das Ziel des Vierjahresplans definiert. Nur Deutschland und Italien können dem Bolschewismus etwas entgegensetzen:

Europa hat zur Zeit nur zwei dem Bolschewismus gegenüber als standfest anzusehende Staaten: Deutschland und Italien. Die anderen Länder sind entweder durch ihre demokratische Lebensform zersetzt, marxistisch infiziert und damit in absehbarer Zeit selbst dem Zusammenbruch verfallen oder von autoritären Regierungen beherrscht,
deren einzige Stärke die militärischen Machtmittel sind, d. h. abe: sie sind infolge der Notwendigkeit, die Existenz ihrer Führung den eigenen Völkern gegenüber durch die Brachialmittel der Exekutive zu sichern, unfähig, diese Brachialgewalt zur Erhaltung der Staaten nach außen anzusetzen. Alle diese Länder wären unfähig, jemals einen aussichtsvollen Krieg gegen Sowjetrußland zu führen.

Ebd., S. 204f.

Hier deutet sich bereits ein Alleingang an, da andere Staaten (außer eben Italien) aus verschiedenen Gründen in Hitlers Augen ungeeignet sind, einen Krieg gegen den Bolschewismus zu führen. Italien als zu diesem Zeitpunkt noch potentieller Bündnispartner soll für den weiteren Verlauf noch bedeutend sein.

Ich stelle damit folgende Aufgabe:

I. Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein.
II. Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein.

Ebd., S. 210.

Die Wirtschaft wurde bereits 1936 auf einen Angriffskrieg vorbereitet. Der Vierjahresplan hatte allerdings in dieser Form nur kurzen Bestand.

Die Westmächte in Hitlers Augen hatten versagt aufgrund der schwachen Reaktion auf Italiens Angriffskrieg in Abessinien und die Intervention Deutschlands und Italiens im spanischen Bürgerkrieg. Dies entsprach durchaus Hitlers Weltbild über die Westmächte, das er im Vierjahresplan bereits darlegte ("zersetzt durch demokratische Lebensform"). Goebbels notierte in seinem Tagebuch:

"Nun wird Krieg in Abessinien unvermeidlich sein. Der Führer ist glücklich. Gibt einen Abriß der außenpolitischen Pläne: mit England ewiges Bündnis. Gutes Verhältnis Polen. [...] Dagegen nach Osten Ausweitung. Baltikum gehört uns. Osten [...] Konflikte Italien-Abessinien-England, dann Japan-Rußland vor der Tür. [...] Dann kommt unsere große historische Stunde. Wir müssen dann parart sein."

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 19. August 1935.

Formal wurde die Eroberung und Anexion im Mai 1936 durch Italien abgeschlossen.1936 vermerkte Goebbels:

"Mussolini tritt in Genf frech auf. Und er wird sich wohl durchsetzen. England ist schwach. Keine Weltmacht mehr. Schlappe Führung. Man weiß also in Zukunft, was davon zu haben ist."

Ebd., Eintrag vom 18. April 1936.

Diese Erfahrung beflügelte Hitler, seine Pläne zu modifizieren. Am 5. November 1937 lud Hitler in die Reichskanzlei zu einer Besprechung, u. a. waren anwesend.:

  • Generalfeldmarschall Blomberg in seiner Funktion als Reichskriegsminister und den Oberbefehlshabern von Heer, Marine und Luftwaffe
  • Generaloberst Fritsch
  • Reichsaußenminister Neurath
  • Oberst Hoßbach (Adjutant der Wehrmacht), der eine Niederschrift anfertigte

Das Ziel der deutschen Politik sei die Sicherung und die Erhaltung der Volksmasse und deren Vermehrung. Somit handele es sich um das Problem des Raumes.

Die deutsche Volksmasse verfüge über 85 Millionen Menschen, die nach der Anzahl der Menschen und der Geschlossenheit des Siedlungsraumes in Europa einen in sich so fest geschlossenen Rassekern darstelle, wie er in keinem anderen Land wieder anzutreffen sei und wie er andererseits das Anrecht auf größeren Lebensraum mehr als bei anderen Völkern in sich schlösse. 

[...]

Zur Lösung der deutschen Frage könne es nur den Weg der Gewalt geben, dieser niemals risikolos sein. Die Kämpfe Friedrichs d. Gr. um Schlesien und die Kriege Bismarcks gegen Österreich und Frankreich seien von unerhörtem Risiko gewesen und die Schnelligkeit des preußischen Handelns 1870 habe Österreich vom Eintritt in den Krieg ferngehalten. Stelle man an die Spitze der nachfolgenden Ausführungen den Entschluß zur Anwendung von Gewalt unter Risiko, dann bleibe noch die Beantwortung der Fragen „wann“ und „wie“.

[...}

Sei die Tschechei niedergeworfen, eine gemeinsame Grenze Deutschland – Ungarn gewonnen, so könne eher mit einem neutralen Verhalten Polens in einem deutsch-französischen Konflikt gerechnet werden. Unsere Abmachungen mit Polen behielten nur solange Geltung als Deutschlands Stärke unerschüttert sei, bei deutschen Rückschlägen müsse ein Vorgehen Polens gegen Ostpreußen, vielleicht auch gegen Pommern und Schlesien in Rechnung gestellt werden.

Bei Annahme einer Entwicklung der Situation, die zu einem planmäßigen Vorgehen unsererseits in den Jahren 1943/45 führe, sei das Verhalten Frankreichs, Englands, Italiens, Polens, Rußlands voraussichtlich folgendermaßen zu beurteilen:

An sich glaube der Führer, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit England, voraussichtlich aber auch Frankreich die Tschechei bereits im Stillen abgeschrieben und sich damit abgefunden hätten, daß diese Frage eines Tages durch Deutschland bereinigt würde.

Quelle: Hoßbach-Niederschrift vom 5. November 1937

Folgende Punkte sind hervorzuheben:

  • Hitler hielt weiter an der Eroberung des Lebensraumes fest
  • Die CSR musste zerschlagen werden aus taktischen Gründen
  • Hitler hielt den Westen militärisch und politisch für schwach
  • An Abmachungen mit Polen muss sich nicht dauerhaft gehalten werden, sie sind rein taktischer Natur

Wer mit der NS-Geschichte vertraut ist, kann ahnen, warum ich in diesem Kontext die drei erstgenannten Teilnehmer an der Besprechung genannt habe: alle drei (also Blomberg, Fritsch und von Neurath) waren kurze Zeit später nicht mehr im Amt, da sie Bedenken gegen Hitlers Kriegspläne äusserten. Ihnen ging es, dies ist wichtig festzuhalten, nicht um das "ob", sondern um das "wann" und "wie". Fritsch und Blomberg wurden entlassen, von Neurath bat kurz nach der Besprechung seinen Rücktritt an, den Hitler bewilligte.

Das Reichskriegsministerium wurde abgeschafft, es wurde das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) geschaffen, Hitler selbst übernahm die Funktion des Reichskriegsministers. Dem OKW stand Keitel vor.

Im Führererlaß vom 4. Februar 1938 heisst es:
"Erlaß über die Führung der Wehrmacht
vom 4. Februar 1938.
Die Befehlsgewalt über die gesamte Wehrmacht übe ich von jetzt an unmittelbar persönlich aus.
Das bisherige Wehrmachtamt im Reichskriegsministerium tritt mit seinen Aufgaben als „Oberkommando der Wehrmacht“ und als mein militärischer Stab unmittelbar unter meinen Befehl.
An der Spitze des Stabes des Oberkommandos der Wehrmacht steht der bisherige Chef des Wehrmachtamts als „Chef des Oberkommandos der Wehrmacht“. Er ist im Range den Reichsministern gleichgestellt.
Das Oberkommando der Wehrmacht nimmt zugleich die Geschäfte des Reichskriegsministeriums wahr, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht übt in meinem Auftrage die bisher dem Reichskriegsminister zustehenden Befugnisse aus."

 

1938-1939: der Übergang von der territorialen Revision des Versailler Vertrages zur Eroberung des Lebensraumes im Osten

Maßgebend für den Entschluß am Krieg gegen Polen waren die Erfahrungen, die Hitler im Rahmen der Sudetenkrise und der Zerschlagung der Rest-Tschechei gemacht hatte, die ihn in seinem Vorgehen bestärkten. 1938 erfolgte der Übergang von der territorialen Revision des Versailler Vertrages zur Eroberung des Lebensraumes im Osten. Hitlers Vorgehensweise lässt sich anhand der Sudetenkrise und der nachfolgenden Monate veranschaulichen.

Der Anschluss Österreichs verschaffte dem Deutschen Reich bezüglich des Vorgehens gegen die CSR einen taktischen Vorteil. Kaum war der sg. "Anschluß" vollzogen, agitierte Hitler gegen die CSR. Die Gleichschaltung des SdP (Sudetendeutsche Partei) in der CSR war faktisch abgeschlossen, als Konrad Henlein am 28. März 1938 bei Hitler vorstellig wurde. um das Vorgehen gegen die CSR zu besprechen.

In der Vortragsnotiz über den Inhalt des Gesprächs steht der bemerkenswerte Satz:

Die Tendenz der Anweisung, die der Führer Henlein gegeben hat, geht dahin, daß von Seiten der SdP Forderungen gestellt werden sollen, die für die tschechische Regierung unannehmbar sind.

Quelle: Akten zur Auswärtigen Deutschen Politik, Serie D, Band 2, Dokumentnummer 107.

Die Taktik, für seine Gegner unannehmbare Forderungen zu stellen, deren Ablehnung dann aus Hitlers Sicht einen Kriegsgrund darstellen, war gängige außenpolitische Praxis ab 1938, es (be)traf bereits Österreich, später erst Recht Polen. Aufgrund der ursprünglichen Zurückhaltung Englands und Frankreichs dachte Hitler auch, dass die Briten keinen Hinderungsgrund für seine expansionistischen Bestrebungen seien.

So wurde eine sudetendeutsche Krise stimuliert und an die CSR sehr weit gehende Forderungen, insbesondere am zukünftigen Grenzverlauf, gestellt. Derweil liefen auch die Kriegsvorbereitungen. Am 30. Mai 1938 unterwies Hitler dem OKW:

Es ist mein unabänderlicher Entschluß, die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen. Spätestens bis 1. 10. 1938.

Hitler an das OKW, zitiert nach Graml, a. a. O., S. 105.

Hitler ging es weniger um die Sudetendeutschen, denn in der avisierten Resttschechei gab es kaum Volksdeutsche.

Der Führer grübelt nun über die Frage Prags nach. Er hat sie im Geiste schon gelöst und teilt bereits die neuen Gaue ein.

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 10. August 1938

Wir dürfen diese Völker, vor allem diese Tschechen u.ä. Gelichter nicht hochpäppeln, wir werden sie vielmehr einmal herausdrücken. Wir wollen nicht diese Völker, sondern ihr Land.

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 22. August 1938, Hervorhebung von mir.

Großbritanien unter Chamberlain tat alles, um einen Krieg zu vermeiden. So wurde seitens England enormer Druck auf die CSR ausgeübt, aber selbst diese hieraus resultierenden Ergebnisse stellten Hitler nicht zufrieden, im Gegenteil: Er mußte nun damit rechnen, dass sich England einmischen werde.

Durch extrem zeitlich enge Ultimaten wollte Hitler einen Krieg provozieren, so dass die britische Flotte angesichts einer Kriegsgefahr am 26. September mobil machte.

Chamberlain reiste dann dreimal nach Deutschland, um einen Krieg zu vermeiden, zeigte Friedenswillen "bis zur Demütigung"(7). Hitler brachte dies lediglich die Sudetengebiete ein, aufgrund der weitgehenden Zugeständnisse konnte ein Krieg kaum noch gerechtfertigt werden. Ein weiterer Grund kam hinzu, der Hitler zu einem vorläufigen Rückzug bewegte: Italien fühlte sich nicht kriegsbereit.

Nach Hitlers Rückzug war Chamberlain zufrieden und dachte Hitler im Griff zu haben, zumal er auch erklärte, von nun an keinerlei territoriale Ansprüche mehr zu stellen.

Goebbels notierte in seinen Tagebüchern:

"Aber England steht unserem expansiven Drang entgegen."

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 21. August 1938.

Zehn Tage später notiert er:

"In London ist unterdeß die Spannung bis zur Siedehitze gestiegen. Man weiß offenbar nicht mehr aus noch ein. Also abwarten und die Nerven behalten. Der englische Kabinettsrat hat getagt. Er schwimmt ganz im Prager Fahrwasser. Macht sich die tschechischen Argumente zu eigen und spricht von Prags großem Entgegenkommen. Typisch englisch. London steht immer dem deutschen Interessenanspruch im Wege. So auch diesmal. Es ist eine Schande, wie die Engländer immer germanische Interessen verraten und sich deutschem Ausdehnungszwang entgegenstellen."

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 31. August 1938, Hervorhebung von mir.

Ein Ergebnis des Münchener Abkommens war, dass die endgültige Grenzziehung einer Kommission überlassen wurde. Zunächst waren hier auch England und Frankreich beteiligt, die aber alsbald resigniert die Konsultationen verliessen. Auch die Tschechei traute sich nicht, öffentlich ihren Unmut zu äußern. In einer vertraulichen Nachricht an England schrieb Mastny, dass die deutschen Forderungen weit über das Münchener Abkommen hinaus gingen (8).

Die Lage wurde seitens Deutschland weiter propagandistisch aufgeheizt, die Rest-Tschechei sollte ein Vasall Deutschlands werden, man verlangte sogar die faktische Auflösung der Armee:

Die Tschechoslowakei müsse in allem mit Deutschland verbunden sein, wobei sie völkisch natürlich ein Eigenleben führen solle. Jegliche Argumentation über eine geschichtliche Entwicklung sei ein gymnasiastischer Unsinn. [...] Er rate dem Außenminister, alles zu beseitigen, was dieser Tendenz Nahrung geben könne. Auch die Armee solle er auf ein vernünftiges Maß bringen, da sie doch keine Rolle spiele. Mit den tschechischen Waffen könne man keinen Krieg führen, höchstens Befestigungen und ein paar verlorene Posten garnieren, aber nicht einer modernen Armee wie der deutschen gegenübertreten.

Niederschrift über den Empfang des tschechichen Außenministers am 21. Januar 1939, angefertigt vom Legislationsrats Hewel (Reichsaußenministrium), Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Bd. 4, Dokumentnummer 158.

Die Lage spitze sich weiter zu, Göring drohte mit Bomenangriffen auf Prag am 15. März in der Nacht während einer Konsultation Hachas bei Hitler, so dass am 15. März deujtsche Truppen in Prag einmarschierten, die Rest-Tschechei zerschlagen war.

London erklärte den Bruch des Münchener Abkommens, die Proteste englands wurden nich mehr ernst genommen:

"Böhmen und Mähren ist für London und Paris nur ein Vorwand zu intensiver Aufrüstung. [...] Ich lasse gegen Chamberlain in der Presse scharf polemisieren. Am Nachmittag kommt eine scharfe amtliche Erklärung aus London. Das Münchener Abkommen sei gebrochen. England erkenne die Neuordnung in Böhmen und Mähren nicht an. Aber das ist wohl nur Theaterdonner. Was wollen denn diese Demokraten noch außer protestieren. Das ist nur hysterisches Geschrei post festum, das uns ganz kalt läßt."

Goebbels, Joseph: Tagebucheintrag vom 19. März 1939

Die englische Reaktion war allerdings durchaus moderater, allerdings ablehnend. Chamberlain erklärte am 15. März 1939, noch wurde vermieden, das Vorgehen Deutschland als Bruch zu bezeichnen.

"A further point which I would make is this: Hitherto the German Government in extending the area of their military control have defended their action by the contention that they were only incorporating in the Reich neighbouring masses of people of German race. Now for the first time they are effecting a military occupation of territory inhabited by people with whom they have no racial connection. These events cannot fail to be a cause of disturbance to the international situation. They are bound to administer a shock to confidence, all the more regrettable because confidence was beginning to revive and to offer a prospect of concrete measures which would be of general benefit."

Chamberlain vor dem britischen Unterhaus am 15. März 1939, Lords Sitting of 15 March 1939 Series 5 Vol. 112, zitiert nach britischer Onlinequelle, zuletzt eingesehen am 25. 6. 2026. Hervorhebung von mir.

Es war die Rede von Vertrauensverlust und vor allem fiel auf, dass hier ein Gebiet okkupiert wurde, mit dem die Deutschen "no racial connection" hatten.

Hitler nutzte die Machtdemonstration in Böhmen und Mähren, um die Drohkulisse gegenüber Polen weiter auszubauen. Dies wiederum bestärkte insbesondere England, Polen zu unterstützen. Die Krise wurde seitens Deutschland forciert durch Forderungen, auf die Polen nie und nimmer hätte eingehen können.

Offizieller Streitpunkt war die freie Stadt Danzig, die nach dem Versailler Vertrag eine Exklave war und einen Sonderstatus inne hatte. Diese sollte wieder dem Deutschen Reich zufallen (der Exklave Ostpreußen), eine Verbindung sollte der sg. Korridor schaffen. Der Korridor allerdings hätte Polen den Zugang zur Ostsee verwehrt.

 

Schon zehn Tage nach der Rede Chamberlains traf Hitler die Entscheidung, vorbereitende Maßnahmen zum Überfall auf Polen zu treffen.

"Vorläufig beabsichtigt Führer nicht, die poln[ische] Frage zu lösen. Sie soll nun aber bearbeitet werden. Eine in naher Zukunft erfolgende Lösung müßte besonders günstige politische] Voraussetzungen haben. Polen soll dann so niedergeschlagen werden, daß es in den nächsten Jahrzehnten als politischer] Faktor nicht mehr in Rechnung gestellt werden brauchte. Der Führer denkt bei dieser Lösung an eine vom Ostrand Ostpr[eußens] bis zur Ostspitze Schlesiens vorgeschobene Grenze. Aus- und Umsiedlung sind noch offenstehende Frage. In die Ukraine will der Führer n i c h t hinein. Evtl. könne man einen ukrainischen Staat errichten. Aber auch diese Fragen ständen noch offen."

Weisung Hitlers vom 25. März 1939 an den Oberbefehlshaber des Heeres, Quelle: Akten zur deutschen Auswärtigen Politik, Serie D, Band 6, Dokumentnummer 99.

Hier ist es wichtig, zwischen "Danziger Frage" und "polnischer Frage" zu unterscheiden, denn die Danziger Frage wurde im selben Vortrag separat behandelt. Zweifellos sollte die Danziger Frage die günstige politische Voraussetzung zur Lösung der polnischen Frage sein.

Polen wurde immer mehr unter Druck gesetzt, der Nichtangriffspakt von 1934 seitens Deutschlands gekündigt. Deutschland suchte erneut Unterstützung in Italien. Italien musste ein wenig beruhigt werden, man befürchtete, dass Deutschland auch in italienischen Gefilden (Kroatien) wildern wolle. und hatte selbst vor den italienischen Politikern die selben propagandistischen Argumente vorgebracht bezüglich der Zerschlagung der Rest-Tschechei:

"Diese Vorwände taugen vielleicht für die Propaganda von Goebbels, wenn man aber mit uns spricht, sollte man sich solches Geschwätz ersparen."

Am 23. Mai 1939 legte Hitler seine Gedanken, erneut ging es um Lebensraum und vor allem darum, dass "Danzig" nur ein Aufhänger sein sollte:

"Die Engländer fürchten eine wirtschaftliche Gefährdung mehr als eine gewöhnliche Drohung durch Macht.

Die 80 Millionen Masse hat die ideellen Probleme gelöst. Die wirtschaftlichen Probleme müssen auch gelöst werden. Um die Schaffung der wirtschaftlichen Voraussetzungen hierzu kommt kein Deutscher herum. Zur Lösung der Probleme gehört Mut. Es darf nicht der Grundsatz gelten, sich durch Anpassung an die Umstände einer Lösung der Probleme zu entziehen. Es heißt vielmehr die Umstände den Forderungen anpassen. Ohne Einbruch in fremde Staaten oder Angreifen fremden Eigentums ist dies nicht möglich.

Der Lebensraum, der staatl. Größe angemessen, ist die Grundlage für jede Macht. Eine Zeit lang kann man Verzicht leisten, dann aber kommt die Lösung der Probleme so oder so. Es bleibt die Wahl zwischen Aufstieg oder Abstieg. In 15 oder 20 Jahren wird für uns die Lösung zwangsweise notwendig. Länger kann sich kein deutscher Staatsmann um die Frage herumdrücken.[...] Der Pole ist kein zusätzlicher Feind. Polen wird immer auf der Seite unserer Gegner stehen. Trotz Freundschaftsabkommen hat in Polen immer die innere Absicht bestanden, jede Gelegenheit gegen uns auszunutzen.

Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie der Lösung des Baltikum-Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedelung herrscht. Neben der Fruchtbarkeit wird die deutsche, gründliche Bewirtschaftung die Überschüsse gewaltig steigern.

In Europa ist keine andere Möglichkeit zu sehen."

Hitler vor den Führungsspitzen der Wehrmacht am 23. Mai 1939, Nürnberger Dokument, Nürnber Dokument L-79

Nach der Unterzeichnung des sg. "Stahlpakts" am 22. Mai 1939 mit Italien, das im Kriegsfall gegenseitige Unterstützung versprach, machte Italien am 30. Mai erneut klar, dass es zur Zeit sich nicht an einem Krieg beteiligen könne. Italien dämmerte es bereits seit geraumer Zeit, dass es einen militärischen Konflikt mit Polen geben wird.(9)

Am 6. Juli trafen sich der italienische Botschafter Attolico und Ribbentrop, Ribbentrop äusserte "Polen zu zerquetschen innerhalb von 48 Stunden", die Danziger Frage sei in Warschau zu lösen. Im weiteren Gesprächsverlauf legte Ribbentrop die vermeintliche militärische Schwäche Englands und Frankreichs dar, betonte den Westwall und die militärische Überlegenheit Deutschlands, um Italien vom Kriegseintritt zu überzeugen(10). Italien fand schließlich einen diplomatischen Weg, um sich aus dem unmittelbaren Kriegsgeschehen herauszuhalten.

Am 12. und 13. August trafen sich Attolico und der italienische Außenminister Ciano erneut mit Ribbentrop, der seinen Kriegswillen unmißverständlich gesteigert hatte.

"Es war alles vergebens. Hitlers Kriegswille zeigte sich in der Tat, wie Ciano konstatierte, keinem Argument mehr zugänglich."

Graml, Hermann: a. a. O., S. 235

Am 19. August wurde der Duce darüber informiert, dass die Entscheidung zum Angriff auf Polen getroffen und nicht widerrufen werde. Ferner ging Hitler davon aus, dass der Feldzug lokal auf Polen begrenzt bleibe aufgrund der Schwäche Englands, behielt sich aber auch vor, dass wenn die Achsenmächte von England und Frankreich angegriffen werden würde, es keine bessere Gelegenheit gebe für einen Feldzug(11).

Mit anderen Worten: Egal, ob England und Frankreich eingreifen, ein Krieg findet stattt.

Die Sowjetunion war bereits seit dem Münchener Abkommen verunsichert. Denn einerseits kannte man Hitlers ideologischen Antibolschewismus, anderseits zeigte das Abkommen mit der seichten Appeasementpolitik, dass die Westmächte der Expansion im Osten nichts entgegensetzten. Schon nach dem Münchener Abkommen sendete die Sowjetunion sanfte Signale der Annäherung, die Deutschland angesichts der Lage aufgriff. Mit der Unterzeichnung des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes am 23. bzw. 24. August (die Unterzeichnung erfolgte nach Mitternacht), hatte Deutschland den Rücken frei im Osten.

Selbstverständlich liefen bereits im Hintergrund kriegsvorbereitende Maßnahmen. Ein Anlaß für den Krieg musste fingiert werden, bekannt ist der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz. Bereits am 8. August fand hier eine Sitzung statt unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich, (12) Aus dem KZ Sachsenhausen wählte man Häftlinge aus, die man tötete und diese in polnischen Uniformen steckte.(13)

Am 22. August äusserte sich Hitler auf dem Obersalzberg gegenüber dem OKW:

"Ich werde propagandistischen Anlaß zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig, ob glaubhaft. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht.[...] Kein Mitleid. Brutales Vorgehen. (80 Mill. Menschen müssen ihr Recht bekommen. Die Existenz muss gesichert werden. Der Stärkere hat das Recht. Größte Härte."

Quelle: Besprechung auf dem Obersalzberg am 22. August 1939, IMT PS-1014. Eine historische Einordnung und Quellenkritik findet sich Baumgarten, Winfried: Zur Ansprache Hitlers vor den Führern der Wehrmacht am 22. August 1939, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 16. Jhg., (1968), Heft 2, S. 120-149.

Vor Ort allerdings wich man im Rahmen der Vorbereitung des fingierten Überfalls auf den Sender Gleiwitz von den ursprünglichen Plänen ab, dennoch wurde hier der propagandistische Anlaß fingiert:

"Er lieferte den von Hitler den Generalen angekündigten „propagandistischen Anlaß" zum Kriege"

Runzheimer, Jürgen: Der Überfall auf den Sender Gleiwitz im Jahre 1939, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 10. Jhg. (1962), Bd. 4, S. 408-426, hier S. 426.

Eine Angst trieb Hitler noch um:

"Ich habe nur Angst, daß mir noch im letzten Moment irgendein Schweinehund einen Vermittlungsplan vorlegt."

Quelle: Besprechung auf dem Obersalzberg am 22. August 1939, IMT PS-1014.

Mit dieser Angst spielte Hitler auf das Münchener Abkommen an, das im letzten Moment einen Krieg vereitelte, da England der CSR größte Zugeständnisse abnötigte, um einen Waffengang zu vermeiden. Allerdings hatte Hitlers Bruch des Abkommens England und Frankreich gezeigt, dass man sich nicht auf deutsche Vereinbarungen verlassen könne. England und Frankreich sahen zu Recht keinen Anlaß, in irgend einer Weise mäßigend einwirken zu können.

England und Frankreich unterzeichneten schließlich den Beistandspakt mit Polen als Reaktion auf den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Es kam so, wie Hitler es immer wollte: Der Osten Europas wurde militärisch erobert.

Am 23. November resümierte Hitler gegenüber den Oberbefehlshabern der Wehrmacht:

Ein Jahr später kam Österreich, auch dieser Schritt wurde für sehr bedenklich angesehen. Er brachte eine wesentliche Stärkung des Reichs. Der nächste Schritt war Böhmen, Mähren und Polen. Aber dieser Schritt war nicht in einem Zuge zu tun. Zunächst musste im Westen der Westwall fertiggestellt werden. Es war nicht möglich, das Ziel in einem Anhieb zu erreichen. Vom ersten Augenblick an war mir klar, dass ich mich nicht mit dem sudetendeutschen Gebiet begnügen könnte. Es war nur eine Teil-Lösung. Der Entschluss zum Einmarsch in Böhmen war gefaßt. Dann kam die Errichtung des Protektorats, und damit war die Grundlage für die Eroberung Polens gelegt, aber ich war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht im Klaren, ob ich erst gegen den Osten und dann gegen den Westen oder umgekehrt vorgehen sollte.

Adolf Hitler in einer Rede vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht am 23. 11. 1939, Nürnberger Dokument PS-789.

Angesichts der nachgewiesenen Drohkulissen, angesichts der Tatsache, dass Hitler immer einen Krieg im Osten wollte, war der 2. Weltkrieg unvermeidlich, die Schuld liegt eindeutig allein an Hitler und seinen Gefolgsleuten. Den einzigen Vorwurf, den man anderen Mächten in Europa machen kann, ist, dass sie Hitlers wahre Absichten nicht erkannten oder wahr haben wollten. Sie hätten, aber auch dies wäre in einen Krieg geendet, Hitlerdeutschland bereits viel früher die Grenzen aufzeigen sollen.

"Indessen boten die britische Haltung und das polnische Verhalten der Hitlerschen Taktik lediglich einige willkommenen Handhaben. Fühlbarer Einfluß auf den Gang der Ereignisse kam ihnen nicht zu, und zwar nicht einmal in dem Sinne, daß es Hitler und Ribbentrop gelungen wäre, den eigenen Kriegswillen hinter den - teils unvermeidlichen, teils vermeidbaren - Schönheitsfehlern der britsich-polnischen politik zu verstecken. Es gab einfach keine Taktik, mit der ein so konsequenter und brutaler Wile zum Krieg hätte bemäntelt oder völlig getarnt werden können."

Graml, Hermann: a. a. O., S. 302.

Insbesondere Chamberlain kommt dem unbeabsichtigten Verdienst zu, Hitlers Taktik entlarvt zu haben:

"Auch vollbrachte die Chamberlainsche Politik eine wichtige - wenn auch unbeabsichtigte - Leistung: sie entlarvte Hitler. Ohne eine Periode der Konzessionen wäre der Welt für den unausweichlichen Konflikt nie die Gewissheit gegeben worden, dass es Hitler eben nicht um Revision ging, sondern zumindest um die Verwirklichung des in "Mein Kampf" formulierten Programms und offenbar noch darüber hinaus um eine nicht mehr geographisch bestimmbare Machterweiterung."

Ebd., S. 100.

Anmerkungen:

(1) Aussagen aus "Mein Kampf" beziehen sich auf die vom Institut für Zeitgeschichte herausgegebene kritische Edition: Hartmann, Christian/Vordermeyer, Thomas/Plöckinger, Othmar/Töppel, Roman (Hrsg.): Hitler, mein Kampf. Eine kritische Edition, 2 Bde., München/Berlin 2016.

(2) Ebd., 2. Band, S. 1625

(3) Ebd., S. 1649

(4) Ebd., S. 1651, im Original ebenfalls kursiv

(5) Ebd., S. 1657

(6) Wer dies ausführlich nachlesen möchte: Graml, Hermann: Europas Weg in den Krieg. Hitler und die Mächte 1939 (=Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte Bd. 29); Kley, Stephan: Hitler, Ribbentrop und die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs, Paderborn u. a. 1996 und Kershaw, Ian: Hitler, 2 Bde, Stuttgart 2000, hierfür Bd. 2, S.215ff.

(7) Graml, Hermann: a. a. O., S. 106.

(8) Vgl. ebd., S. 110.

(9) Vgl. ebd., S. 221f

(10) Vgl. ebd., S.225f.

(11) Vgl. ebd., S. 240.

(12) Vgl. "Gestapo-Müller". Die Karriere eines Schreibtischtäters, Berlin 1996, S. 108ff.

(13) S. Aktion "Konservendose", vgl. Spieß/Lichtenstein: Aktion Tannenberg. Der Anlaß zum Zweiten Weltkrieg, Wiesbaden und München 1979, hier S. 69ff.

 

Zurück zum Ursprungsposting:

Mit der Aussage, sich seit 35 Jahren mit dem Konflikt zu beschäftigen, versucht er, sich als Experten zu generieren und seine Argumente unantastbar zu machen.

Aber immerhin begrenzt er hier erneut die Verantwortung auf Netanjahu. Allerdings steht er nur pars pro toto für "die Juden", was aus anderen Postings in seinem Instagramprofil hervorgeht.

In seinem Profil postete er neben einer alten Dokumentation über den Gazastreifen einen etwas längeren Kommentar. Dies Posting beinhaltet mehrere inhaltlich unterschiedliche Absätze, die auch optisch deutlich voneinander getrennt sind. Es ist lohnenswert, sich diese separat anzuschauen:

Er macht also einen Schnitt mit dem 67er Krieg sg. "Sechstagekrieg". Die Ursache in Kurzform:

Im Zuge der Verhandlungen über die Nachkriegsordnung kam es in Khartoum dann zu den berühmten drei "Neins" der arabischen Liga:

The Arab Heads of State have agreed to unite their political efforts at the international and diplomatic level to eliminate the effects of the aggression and to ensure the withdrawal of the aggressive Israeli forces from the Arab lands which have been occupied since the aggression of June 5. This will be done within the framework of the main principles by which the Arab States abide, namely, no peace with Israel, no recognition of Israel, no negotiations with it, and insistence on the rights of the Palestinian people in their own country.

Quelle: Khartoum-Resolution vom 1. September 1967, zuletzt eingesehen am 19. 5. 2026.

Im August 1988 übrigens hatte Jordanien seine Ansprüche auf die Gebiete verzichtet, die Palästinenser dort waren seitdem offiziell staatenlos, da Jordanien auch ihre Staatsbürgerschaft entzog. Offiziell wollte Jordanien mit diesem Schritt die Palästinenser in ihre Selbständigkeit führen, nicht mehr die politische Verantwortung übernehmen.

Angesichts dieser Ereignisse kann man von Planung wohl kaum sprechen, ebenso nicht von einer offenen Vertreibung im Westjordanland. Wer wird denn jetzt aktuell im Westjordanland vertrieben und wohin? Allerdings hat er mit der Aussage nicht unrecht, dass ein eigener Staat für die Palästinenser schwer möglich ist, da aufgrund der forcierten Siedlungspolitik das Gebiet sehr zergliedert ist und man kaum ein geschlossenes Territorium für Palästinenser schaffen kann ohne jüdische Siedlungen aufzugeben.

Sehr viel erschreckender ist jedoch die Aussage, dass die Palästinenser jedes Recht (sic!) hätten, sich zu wehren, zumal er ja auch Bezug nimmt auf dem 7. Oktober 2023. Somit wird dieses Verbrechen, welches tatsächlich ein Menschheitsverbrechen bzw. Völkerrechtsbruch war, gerechtfertigt. Hier wird einmal mehr der Täter zum Opfer gemacht, Israel als der Alleinschuldige verurteilt. Offen ist auch, wie Netanjahu als Oppositionspolitiker die Hamas gefördert haben soll. Aber ahistorisch arbeitet M. häufiger, dies hatte ich schon weiter oben angemerkt.

 

Jetzt kommt ein neuer Aspekt hinzu, das Menschheitsverbrechen sei durchkommerzialisiert. Hier erscheint das Stereotyp eines raffgierigen Juden, der die Welt unter sich aufteilt, zumal auch Kushner Jude ist.

M. und das palästinensische Gas

Das Gas wurde schon vor zwanzig Jahren entdeckt. Seitdem spielt es auch für den Friedensprozess eine nicht unwesentliche Rolle. Wesentliche historische Aspekte werden verschwiegen, damit das Weltbild passt. Jemand, der von sich behauptet, ein Nahost-Experte zu sein und sich seit 35 Jahren damit beschäftigt, sollte von der längeren Existenz des Gasvorkommens wissen.

Das Gasfeld befindet sich 20 Seemeilen vor Gazas Küste, Arafat feierte es damals als "Geschenk Gottes".(3) Netanjahu hatte noch im Juni 2023 der Nutzung durch die palästinensische Autonomiebehörde zugestimmt unter der Voraussetzung, Israels Sicherheit zu garantieren.(4)

Aus bekannten Gründen kam man hier nicht weiter. In den Jahren seit der Entdeckung und der Gründung von "Gaza Marine " im Jahr 2000 bis 2023 gab es sehr viel Gerangel um die politische Ausgestaltung, auch aufgrund verschiedener sich widersprechenden Kompetenzen. Die letzte Firma, die eine Lizenz hatte, gab diese mangels Nutzungsmöglichkeiten an die palästinensische Autonomiebehörde zurück.(5)

M. allerdings suggeriert, dass nach der Entdeckung des Gasvorkommens man die Ressource unter sich (amerikanischen und israelischen Juden) aufgeteilt habe, bereits Grundstücke für Hotels verplant sind.

Israel bzw. Juden und die USA, dies erinnert (siehe oben) an das sg. "internationale Finanzjudentum)" (siehe oben). Ist dies etwa der Grund, warum M. der Meinung ist, dass der 2. WK nicht von Deutschland allein zu verantworten sei?

Was liegt da näher, störende Gebäude wegzubomben und die einheimische Bevölkerung zu vertreiben, um dies Ziel zu erreichen? So ist jedenfalls die Lesart M. zu interpretieren. Zugleich suggeriert er, dass andere Abkommen mit Libyen oder den Sudan geschlossen werden, um die Flüchtlinge aufzunehmen. Wenn dies so wäre, könnte man tatsächlich von Genozid sprechen. Allerdings nehmen diese Staaten diese Flüchtlinge nicht auf. Es gab bisher keine ernsthaften Gespräche oder Konsultationen, um dies Ziel zu erreichen. Es ist eine typische Luftblase eines amerikanischen Präsidenten, die von M. auf die Goldwaage gelegt wird, weil dies sein antisemitisches Weltbild entspricht.

Er schließt seinen Beitrag wie folgt ab:

 

Hier deutet sich schon an, dass es nicht nur Netanjahus Politik ist, die ihn stört. Denn wer sind "sie"? "Sie stehen zumindest für "das absolut Böse". Etwas für absolut zu halten, bedeutet, dass diese Grenze nicht überschritten werden kann, andere Bösartigkeiten diesseits der Skala liegen. Für M. ist es also unvorstellbar, dass es zukünftig noch grössere Bösartigkeiten gibt, dass das Massaker vom 7. Oktober - dies schreibt er ja bereits zu Beginn - nicht nur legitim, sondern ebenfalls weniger bösartig ist. Die Shoah ist vermutlich auch weniger bösartig. Allerdings meidet M. jeden Austausch hierüber, was kaum verwundern sollte.

Über welche Zeitspanne spricht M.?

Bisher konnte man annehmen, dass es M. eher um die aktuellere Politik geht, insbesondere weil er Netanjahu im Visier hat, zumindest die seit Mitte der 90er. Seine Aussage, dass dies "alles von langer Hand geplant" sei, lässt sich aber durch ein weiteres Posting präzisieren:

Mit seinen einleitenden Worten zeigt er, dass er Israel von der Landkarte entfernt sehen möchte. Auch hier eine Täter-Opfer-Umkehr. Es waren die angrenzenden arabischen Staaten, die Israel, nachdem der Staat gegründet wurde, den Krieg erklärten. Dies hält er für eine "Mär', die den Tatsachen nicht stand halten würde. Israel wurde seiner Meinung nach von vornherein mit Vertreibungsabsichten gegründet.

M. verschweigt, dass:

"Am 29. November 1947 stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit 33 zu 13 Stimmen (zehn Mitglieder enthielten sich der Stimme) der Teilung zu, wobei die Juden in etwa 55 Prozent des Landes (ein Großteil des zugewiesenen Gebietes war Wüste) und die Araber etwa 40 Prozent erhalten sollten.; Jerusalem und Bethlehem sollten wegen ihrer einzigartigen, multikonfessionellen religiösen Bedeutung eine separate Enklave unter internationaler Kontrolle bilden. Der Jischuv begrüßte die Resolution mit Freude, und seine gewählten Vertreter kündigten sofort ihre Annahme an; die palästinensisch-arabischen Führer, angeführt von dem im Exil lebenden Chef des arabischen Hohen Komitees Husseini, lehnten die Teilung ab und begannen mit einem dreitägigen Generalstreik, der von einer Welle antijüdischen Terrors in den Städten und in den Straßen begleitet wurde. Die arabischen Staaten folgten Husseinis Aufruf, lehnten die Teilung ab und schickten Freiwillige, Waffen und Geld, um den Palästinensern zu helfen."

Morris, Benny: Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems. Eine Neubetrachtung, Leipzig 2025, S. 43.

An dieser Stelle kann nicht der Krieg von 1948 referiert werden, nur soviel:

Ägyptische Truppen drangen fast bis Tel Aviv vor, der Generalsekretär der Arabischen Liga sagte am 15. Mai 1948, zum Auftakt des Krieges:

"Dies wird ein Ausrottungskrieg und ein richtiges Massaker sein, von dem man wie von dem mongolischen Massaker und den Kreuzzügen sprechen wird."

Der Generalsekretär der Arabischen Liga Abd ar-Rahman Azzam, zitiert nach Glasneck, Johannes/Timm, Angelika: Israel. Die Geschichte des Staates seit seiner Gründung, 2. Auflage, Bonn 1994, S. 63.

Der UN-Sicherheitsrat erreichte eine Feuerpause vom Juni bis Juli 1948, die aber an den arabischen Staaten scheiterte. Der Grossmufti in Gaza rief eine Regierung für ganz Palästina aus, dieser Grossmufti wurde von Großbritannien protegiert und war NS-Kollaborateur, es handelt sich um Hadj Amin Al-Hussaini. Er stieg an die Spitze des Arabischen Hochkommitees in Palästina auf.(8) In seiner Position rief er dann am 20. September eine Regierung für ganz Palästina aus.(9)

Die Metapher der Verschwörung USA und Israel

Israel verkörpert das absolut Böse, das an allen Übeln der Welt Schuld ist. In einem Facebook-Post schrieb er, macht er Israel verantwortlich für die weltwirtschaftlichen Schwierigkeiten als Folge des Krieges gegen den Iran. Die Schwierigkeiten sind allerdings Folge der völkerrechtswidrigen Sperrung der Straße von Hormus., ein Armutszeugnis für jemanden, der von sich behauptet, Kenntnisse über "Geopolitik" zu verfügen. Die Rechtswidrigkeit der iranischen Sperre verschweigt M., ursächlich ist allein Israel und die USA:

Auch wenn ein Staat völkerrechtswidrig angegriffen wird, resultiert hieraus keineswegs, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, erst Recht nicht, wenn völkerrechtswidrige Reaktionen unbeteiligte Dritte in Mitleidenschaft zieht. M. zeigt hier ein sehr fragwürdiges Bild seines geopolitischen Verständnisses.

Israel als "genozidaler Apartheidsstaat" ist verantwortlich für die Geiselhaft der Weltwirtschaft und dies ist ein "schweres Verbrechen an der Menschheit" insgesamt, also Israel ist verantwortlich für ein schweres Verbrechen an der Menschheit.

Hier deckt sich die Aussage mit typischen antisemitischen Stereotypen, der Jude sei für alles Übel der Welt verantwortlich:

Der Antisemitismus ist nicht einfach ein Vorurteil oder ein Denken in Klischees, sondern er zielt auf Totalität. Immer geht es dem Judenfeind um das Heil der Welt und der gesamten Menschheit, das die Juden angeblich bedrohen.

Lenhard, Philipp: "Weiße Juden": Zum Unterschied von Rassismus und Antisemitismus, in: Die Untiefen des Postkolonialismus (=Hallische Jahrbücher #1), Berlin 2021, S. 47-72, hier S. 57.

Das haben bereits die Nationalsozialisten behauptet, bekannt sind in diesen Zusammenhang auch der Vorwurf, dass die Rothschilds die Geschicke der Welt zu ihrem eigenen Interesse lenken:

Quelle: Johannes Valentin Schwarz: Antisemitische Karikaturen und Cartoons Fremdbilder – Selbstbilder, aus der Didaktikmappe zur Ausstellung: Antijüdischer Nippes, populäre Judenbilder und aktuelle Verschwörungstheorien, JMH – 2005, PDF, online unter "Politik lernen", zuletzt eingesehen am 25. 4. 2026

In der arabischen Welt sind diese Metaphern auch in moderner Form zu finden:

Hier schlitzt ein orthodoxer Jude ein palästinensisches Kind auf, die Fahne suggeriert amerikanische Zustimmung.

Auch Deutschland ist in den Händen des Mossad( dem israelischem Geheimdienst), auf einem Facebook-Beitrag kommentierte M. ein Posting des Wiesbadener Kuriers:

 

"Dies zu betonen ist kein Antisemitismus", schreibt M. Hier greift M. auf eine klassische Vermeidungsstrategie zurück. Dies ist notwendig, um ein positives Selbst- und Fremdbild aufrecht zu erhalten. Die Vorwegnahme eines antizipierten Vorwurfs soll diesen entkräften. Aussagen wie "Ich bin kein Nazi, aber..." oder "Ich bin kein Rassist, aber..." gehören in die selbe Kategorie. Der Verfasser ist sich der prinzipiellen Brisanz der Aussage bewusst.

"Der vor anderen und sich selbst geleugnete Antisemitismus erhält somit das Wunschbild des vorurteilsfreien, verantwortungsbewussten Bürgers aufrecht. Für den wissenschaftlichen Betrachter der Texte stellt sich hier die Frage, inwieweit die Verfasser ihre zum Teil vehement artikulierten Leugnungsstrategien ernsthaft benutzen (können), obgleich sie in ihren Texten ein antisemitisches Stereotyp nach dem anderen artikulieren, ohne es selbst zu bemerken, dass hier ein Widerspruch entsteht. Motiviert ist diese Vorgehensweise zum einen durch die Tabuisierung von öffentlichen Antisemitismus seit 1945. d. h. das ostentative Leugnen der judenfeindlichen Einstellung schützt vor befürchteten Sanktionen. Zum anderen hält die Leugnung das positive Selbstkonzept des Textproduzenten aufrecht. Aus tiefen- und emotionspsychologischer Sicht kann hier natürlich auch vermutet werden, dass bei einigen dieser Schreiber ein massiver Verdrängungsprozess stattgefunden hat. Sie verweigern sich selbst die unter Umständen schmerzhafte Erkenntnis, ressentimentabhängig zu fühlen und vorurteilsbelastet zu denken und leugnen somit das (für alle anderen) Offensichtliche."

Schwarz-Friesel, Monika/Reinharz, Jehuda: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert, Berlin/Boston 2013, S. 359.

Dieses Bild wird durchaus verstärkt durch:

Zum Genozidvorwurf

Bis heute fehlen Nachweise des Genozids. Es gibt Anklagen vor dem IStGH, aber es fehlen Beweise, erst Recht ein Urteil. Der Chefankläger des IStGH erklärte in einem Interview mit der New York Times, dass es keine Beweise gäbe. Hervorzuheben sind folgende Aspekte:

Sein Vergleich mit Ruanda, deutsche Tote durch Bombardements der Alliierten in Dresden und Hamburg, aber auch der Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 verdeutlichen den Unterschied:

Kurz gesagt, die erste Frage, die der anti-israelische Völkermord-Chor beantworten muss, lautet: Warum ist die Zahl der Todesopfer nicht höher?

Die Antwort lautet natürlich, dass Israel offensichtlich keinen Völkermord begeht – ein rechtlich spezifischer und moralisch aufgeladener Begriff, der in der Völkermordkonvention der Vereinten Nationen definiert wird als die „Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“.

Beachten Sie die Wörter „Vorsatz“ und „als solche“. Völkermord bedeutet nicht einfach „zu viele zivile Tote“ – eine herzzerreißende Tatsache in fast jedem Krieg, auch in Gaza. 

Es bedeutet, eine Kategorie von Menschen aus keinem anderen Grund ausrotten zu wollen, als dass sie zu dieser Kategorie gehören. So wie die Nazis und ihre Partner, die Juden im Holocaust töteten, weil sie Juden waren. Oder wie die Hutus, welche die Tutsi im Völkermord in Ruanda abschlachteten, weil sie Tutsi waren. 

Auch als die Hamas am 7. Oktober einmarschierte und absichtlich Familien in ihren Häusern und junge Leute bei einem Musikfestival abschlachtete, ermordete sie Israelis „als solche“.

Im Gegensatz dazu machte die Tatsache, dass über eine Million deutsche Zivilisten im Zweiten Weltkrieg starben – Tausende von ihnen bei entsetzlichen Bombenangriffen auf Städte wie Hamburg und Dresden – sie zu Opfern des Krieges, aber nicht des Völkermords. 

Denn das Ziel der Alliierten war es, die Nazis zu besiegen, weil sie Deutschland in den Krieg geführt hatten, und nicht, die Deutschen auszulöschen, nur weil sie Deutsche waren.

Quelle: Übersetzung des Interviews, online hier abrufbar, zuletzt eingesehen am 19. 5. 2026

Israels Vorgehen ist aufgrund der Politik Kriegsführung der Hamas gerechtfertigt, auch sieht er eine Täter-Opfer-Umkehr beim Vorwurf des Genozids. Weiter äußert er:

Aber stümperhafte humanitäre Pläne, schießwütige Soldaten, Angriffe, die das falsche Ziel treffen, oder Politiker, die zu rachsüchtigen Sprüchen greifen, kommen nicht annähernd einem Völkermord nahe. Sie sind Krieg in seinen üblichen tragischen Dimensionen.

Das Ungewöhnliche an Gaza ist die zynische und kriminelle Art und Weise, wie die Hamas den Krieg führt. Wenn Russland in der Ukraine mit Raketen, Drohnen oder Artillerie angreift, gehen Zivilisten in den Untergrund, während das ukrainische Militär über der Erde kämpft. In Gaza ist es umgekehrt: Die Hamas versteckt sich, ernährt und bewahrt sich in ihrem riesigen Tunnelgewirr, anstatt diese zum Schutz für Zivilisten zu öffnen.

Diese Taktiken, die an sich schon Kriegsverbrechen sind, erschweren es Israel, seine Kriegsziele zu erreichen: die Rückkehr seiner Geiseln und die Eliminierung der Hamas als militärische und politische Kraft, damit Israel nie wieder mit einem neuen 7. Oktober bedroht wird. 

Diese beiden Ziele waren und bleiben völlig gerechtfertigt – und trotz ihnen wäre das Töten in Gaza zu Ende, wenn die Hamas die Geiseln einfach ausliefern und sich ergeben würde. Das sind Forderungen, die man von Israels angeblich unparteiischen Anklägern fast nie hört.

Quelle: Ebd., Hervorhebungen von mir

Schließlich verortet er den Vorwurf als Ausdruck eines ausgeprägten Antisemitismus:

Einige Leser mögen sagen, dass der Krieg in Gaza, auch wenn er kein Völkermord ist, schon zu lange andauert und beendet werden muss. Das ist eine faire Sichtweise, die von einer Mehrheit der Israelis geteilt wird. Warum also ist der Streit um das Wort „Völkermord“ wichtig? Zwei Gründe.

Erstens: Während einige Experten und Gelehrte den Vorwurf des Völkermords aufrichtig glauben mögen, wird er auch von Antizionisten und Antisemiten benutzt, um das moderne Israel mit Nazi-Deutschland gleichzusetzen. Das Ergebnis ist, dass eine neue Welle des Judenhasses ausgelöst wird, die nicht nur Feindschaft gegen die israelische Regierung schürt, sondern auch gegen jeden Juden, der Israel als Unterstützer des Völkermords unterstützt. Es ist eine Taktik, die Israelhasser seit Jahren mit aufgeblähten oder falschen Anschuldigungen über israelische Massaker oder Kriegsverbrechen verfolgen, die bei näherer Betrachtung keine waren. Die Anklage wegen Völkermords ist ähnlich, aber mit tödlicheren Auswirkungen.

Quelle: Ebd., Hervorhebungen von mir

Ebenso spricht M. häufig von "Satanjahu", womit er erneut uralte Ritualmord-Stereotypen aufgreift. Ein Pakt zwischen Juden und Satan wurde bereits im Mittelalter behauptet. Diese Metapher findet sich auch in arabischen Karikaturen:

Hier hält der damalige israelische Ministerpräsident einen mit Blut gefüllten Kelch. In arabischer Schrift ist zu lesen "Das Blut palästinensischer Kinder", unten in englischer Sprache "Made in USA".

 

Hier wird erneut der der Ministerpräsident als Satan dargestellt, der das Blut palästinensischer Kinder trinkt.

Alle Karikaturen stammen aus dem oben genannten Beitrag von Johannes Valentin Schwarz.

Fazit: wie antisemitisch ist M.?

Folgende Metaphern werden verwendet:

In moderner Verpackung als Text greift M. Bohrmann alte antisemitische Stereotypen auf. Flankierend kommt seine Aussage über die Kriegsschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg hinzu, die die Alleinschuld negiert.

Der Staat Israel und seine Politik wird als "faschistisch" bezeichnet. Mit der Aussage, seit 35 Jahren sich mit dem Konflikt zu beschäftigen, versucht er sich als Experten unantastbar zu machen und sein "Wissen" zu verabsolutieren. Er hat ein vollständig in sich geschlossenes Weltbild, das für andere Sichtweisen nicht zugänglich ist. Dies zeigen auch seine durch ihn veranlassten Sperrungen (nicht nur mir gegenüber), er möchte sein Weltbild verteidigen und keine anderen Meinungen zulassen.

In der Gesamtschau kann man M. als Antisemiten bezeichnen. Er erfüllt wesentliche antisemitischen Kriterien. Verzerrung der Realität, auch unter Weglassung historischer Tatsachen, Dämonisierung, Täter-Opfer-Umkehr und eine absolute Monoperspektive.

Hinzu kommt die gezielte Verbreitung offensichtlicher, weil leicht erkennbar, Falschnachrichten und Memes. Entlarvte Fakes werden nicht gelöscht, sondern meine Hinweise hierauf, ich im Gegenzug gesperrt. Dies zeigt überdeutlich, um was den Verfasser geht: Seinen antisemitischen Hass freien Lauf lassen anstatt sachlich zu diskutieren. M. ist alles andere als ein "Journalist", sondern ein übler Antisemit!

M. bedient antisemitische Muster, Israels Politik unter Netanjahu ist der Alleinschuldige. Natürlich gibt es an Netanjahus Politik zu Recht viel zu kritisieren, auch schon lange vor dem 7. Oktober 2023, insbesondere seine Siedlungspolitik ist für eine Friedenslösung mehr als kontraproduktiv. Mit dem Ausbau der Siedlungen verfolgt(e) er seine eigene Agenda.

Allerdings: Jede noch so geringe Mitverantwortung der Palästinenser wird ignoriert, sogar die unbestrittene Tatsache, dass die Selbstmordattentate der 90er Israels Rechte und damit auch Netanjahu gestärkt haben, wird ignoriert. So verwundert es kaum, dass er den linken Mythos, die Hamas habe ihre Charta entschärft, rezipiert, ein Mythos, der in gängiger Fachliteratur selbst von palästinenserfreundlichen Autoren wie zum Beispiel Helga Baumgarten widerlegt ist.

"Festzuhalten ist also, dass die Hamas Israel nur de facto, nicht die iure anerkennt. Israels reale Existenz als solche wird akzeptiert, seine Legitimität und sein 'Existenz-Recht' aber nicht."

Baumgarten, Helga: Widerstand in Palästina. Was wollen Hamas und Fatah?, Neuauflage Basel 2025, S. 251.

Er lebt die Dichotomie des grundsätzlich guten Palästinensers und bösen Israelis. Netanjahu ist der böse, der selbst den 7. Oktober 2023 zu verantworten habe, eine klassische Täter-Opfer-Umkehr. Aber auch dies ist in postkolonialen Theorien bereits angelegt, die Taten der Hamas erscheinen dort als Ausdruck legitimen Widerstandes. Dies behauptet M. ("jedes Recht)"gar selbst in seinem hier gezeigten zusätzlichen Posting.

Seine Kritik an Israel beschränkt sich offensichtlich nicht auf die Zeit Netanjahus, Siedlungspolitik wird generell als zionistisch und rassistisch betrachtet, damit natürlich auch die Staatsgründung selbst, so wie es (post)kolonialen Theorien inhärent ist.

Bezieht man noch weitere Aussagen aus anderen Postings ein, erhärtet sich der Vorwurf des Antisemitismus, der Völkermord sei schon lange geplant und wird ausserdem mit der (Aus)nutzung entdeckter Gasvorkommen verbunden, typisches koloniales Verhalten. Alle Details und Hintergründe zu dem Gasvorkommen werden ignoriert. Mit der angeblichen Aufteilung zwischen USA und Israel wird auch das antisemitische Bild des raffgierigen Juden bedient, zumal auch Kushner selbst Jude ist.

Netanjahu erscheint als die Inkarnation des bösen Juden, Israels Existenz wird über den Umweg postkolonialer Theorien bestritten, die Shoah als "Trigger" der Staatsgründung dethematisiert. Dies muss er auch tun, da er sich nicht strafbar machen möchte. Deswegen scheut er das Thema "Shoah" wie der Teufel das Weihwasser. Kommunikationstheoretisch wird die Tabuzone erweitert: Er muss die Bedeutung der Shoah herunterspielen, um Kolonisationstheorien aufrecht zu halten, um den Zionismus und Israel seit der Staatsgründung verteufeln zu können. Aus rechtlichen Gründen ist dies aber eben nicht ohne Weiteres möglich, weil dann möglicherweise die Strafbarkeit nach §130 StGB (Volksverhetzung) gegeben wäre.

Die Ursachen, die zum 48er Krieg, dem sg. "Unabhängigkeitskrieg" führten, werden als "Mär'" abgetan. Schon oberflächlich betrachtet kann es hier keinen Alleinschuldigen geben: Der 2. Weltkrieg war beendet, der Kalte Krieg hatte bereits begonnen und seinen ersten Höhepunkt erreicht. Die Großmächte versuchten natürlich, ihren Einfluss geltend zu machen, gleichzeitig standen das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes und der Palästinenser im Raum (und nicht nur dieser beiden Bevölkerungsgruppen), so dass eine Großmacht - Großbritannien - zu schmerzlichen Kompromissen bereit sein musste. Um den Einfluss nicht zu verlieren, wehrte man sich gegen nationalstaatliche Bestrebungen der Juden und Palästinenser. Hinzu kamen lokale Rivalitäten:

"Die Besetzung arabischer Gebiete durch Israel, die Annexion von Ost-Palästina und der Altstadt von Jerusalem durch Jordanien sowie die Unterstellung des Gazastreifens unter ägyptische Verwaltung hatten die Entstehung eines arabischen Staates in Palästina, wie es die UNO-Resolution vom 29. November 1947 vorgesehen hatte, unmöglich gemacht. Die einander widersprechenden Hegemonialziele der arabischen Monarchen, die sich gegen die Interessen der Palästinenser richteten, waren die Hauptursache für die schwere politische und militärische Niederlage der arabischen Staaten 1948/49."

Glasneck, Johannes/Timm, Angelika: Israel. Die Geschichte des Staates seit seiner Gründung, 2. Auflage, Bonn 1994, S. 70.

Um das komplexe Gemengengelage, das zum israelischen Unabhängigkeitskrieg führte, mit einem Federstrich als "Mär'" abzutun, bedarf es eines in sich geschlossenen Weltbildes. Diese Fakten können nicht ignoriert werden, müssen sie aber, um das Weltbild des alleinschuldigen Juden aufrecht zu erhalten. Die einzige Möglichkeit ist, Gegenargumente zu ignorieren, sie als "Mär'" zu diffamieren. Kein seriöser Historiker, auch keine palästinenserfreundlichen, würden M.s Aussagen unterschreiben.

Bereits mit der Gleichsetzung der Regierung unter Netanjahu mit einem faschistischen Regime diskreditiert er sich selbst. Für die von der Erinnerungskultur an die Shoah beschädigte Seele ist es eine Befreiung, Juden - und seien es nur die unter Netanjahu - als Faschisten bezeichnen zu können. Wie beschrieb Zvi Rex so treffend: "Auschwitz werden uns die Deutschen nie verzeihen." Inzwischen muss man auch davon sprechen, dass die Deutschen den Juden den 7. Oktober 2023 ebenfalls nicht verzeihen werden.

Ein erheblicher Fakt zur Einschätzung, dass es sich bei M. um einen Antisemiten handelt, ist auch sein Festhalten an eindeutigen Fake-Nachrichten, um Israel zu delegitimieren. Außerdem leugnet er die Existenz israelbozogenen Antisemitismus.

Eine wesentliche Klammer rechtsextremer und linksextremer Ideologie ist der Anti-Imperialismus, der sich häufig als extremer Hass gegen die USA wendet. Hier findet der Antisemitismus als Verschwörungserzählung, dass Juden angeblich die Welt beherrschen, einen wesentlichen Anknüpfungspunkt. Gleiches gilt für linken Antikapitalismus. Das Bild des raffgierigen Juden findet auch hier Anschluss.

Abschluss: Anwendung der IHRA-Dimensionen auf M.:

 

Dimension

erfüllt

(ja/nein/ja oder nein mit Einschränkungen)

Kommentar/Begründung

Der Aufruf zur Tötung oder Schädigung von Jüdinnen und Juden im Namen einer radikalen Ideologie oder einer extremistischen Religionsanschauung sowie die Beihilfe zu solchen Taten oder ihre Rechtfertigung.

Ja, eingeschränkt

Der Terror der Hamas wird als legitim und auf bloße Reaktion verkürzt

Falsche, entmenschlichende, dämonisierende oder stereotype Anschuldigungen gegen Jüdinnen und Juden oder die Macht der Jüdinnen und Juden als Kollektiv – insbesondere aber nicht ausschließlich die Mythen über eine jüdische Weltverschwörung oder über die Kontrolle der Medien, Wirtschaft, Regierung oder anderer gesellschaftlicher Institutionen durch die Jüdinnen und Juden.

ja, voll erfüllt

  • Netanjahu wird als "Satanjahu" und ähnliches bezeichet. Diese Metapher wird durchaus auf Juden insgesamt ausgedehnt, wie der Gesamtzusammenhang zeigt
  • Es wird eine Verschwörung Israel und USA konstruiert, diese beiden Staaten hätten Gaza unter sich aufgeteilt
  • Deutschland bzw. die CDU liegen in den Händen des Mossad

Das Verantwortlichmachen der Jüdinnen und Juden als Volk für tatsächliches oder unterstelltes Fehlverhalten einzelner Jüdinnen und Juden, einzelner jüdischer Gruppen oder sogar von Nichtjüdinnen und Nichtjuden.

ja, voll erfüllt

Fast jeder Israeli ist Mitglied der Armee, demzufolge auch ein potentieller Beteiligter an den Verbrechen

Das Bestreiten der Tatsache, des Ausmaßes, der Mechanismen (z.B. der Gaskammern) oder der Vorsätzlichkeit des Völkermordes an den Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Unterstützer und Komplizen während des Zweiten Weltkrieges (Holocaust).

nein, mit kleiner Einschränkung

Die Alleinschuld Deutschlands am 2. Weltkrieg wird bestritten

Der Vorwurf gegenüber den Jüdinnen und Juden als Volk oder dem Staat Israel, den Holocaust zu erfinden oder übertrieben darzustellen.

nein, mit Einschränkung

spielte thematisch bisher keine Rolle (Stand 13. 8. 2026), in einem Posting äusserte sich M., dass Netanjahus Politik die Geschichte entwerte, womit die Shoah gemeint zu sein scheint. Allerdings entwertet Ms Attribuierung des Staates Israel als faschistisch die Geschichte. Hier liegt also auf der Metaebene eine Täter-Opfer-Umkehr vor

Der Vorwurf gegenüber Jüdinnen und Juden, sie fühlten sich dem Staat Israel oder angeblich bestehenden weltweiten jüdischen Interessen stärker verpflichtet als den Interessen ihrer jeweiligen Heimatländer.

nein

spielte thematisch keine Rolle

Das Aberkennen des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen.

Ja, erfüllt

M. spricht imer wieder von einem "genozidalen Apartheisstaat", aus anderen Postings geht hervor, dass der Staat auf Vertreibung aufgebaut habe von Anbeginn seiner Gründung

Die Anwendung doppelter Standards, indem man von Israel ein Verhalten fordert, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet oder gefordert wird.

nein, mit Einschränkungen

spielt bisher keine Rolle, aber M. kritisiert keine anderen Konflikte

Das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in Verbindung stehen (z.B. der Vorwurf des Christusmordes oder die Ritualmordlegende), um Israel oder die Israelis zu beschreiben.

ja

Ja, es werden alte Metapher neu verpackt

Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.

ja

der Staat Israel wird als "faschistisch" tituliert

Das kollektive Verantwortlichmachen von Jüdinnen und Juden für Handlungen des Staates Israel.

ja, voll erfüllt

Sogar isralischen Touristen darf man den Vorwurf machen, sich an den Verbrechen zu beteiligen

 

Anmerkungen

(1) "Dieser Prozess wird scheitern". Der jüngst abgetretene Hamas-Chef Khaled Meshal über den neuen Pragmatismus der Islamisten und die Chancen der Nahost-Initiative von US-Präsident Trump, in Der Spiegel Nr. 22/2017 vom 26. 5. 2017, online hier abrufbar, zuletzt eingesehen am 28. 11. 2025.

(2) Ohne ins Detail gehen zu können an dieser Stelle, ist es auch falsch, den deutschen Nationalsozialismus, den italienischen und spanischen Faschismus in einen Topf zu werfen. Dies nivelliert zu viele wesentliche Unterschiede sowohl in der Genese als auch deren Politik.

(3) Zitiert nach der Zeitung "Der Freitag" vom 16. 8. 2025, online hier abufbar, letzter Aufruf 2. 12. 2025.

(4) Vgl. Nachrichtenagentur Reuters vom 18. Juni 2023, Beitrag ist online hier abufbar, zuletzt eingesehen am 2. 12. 2025.

(5) siehe Anmerkung 1 oder auch " Israel will mit Palästinensern Gasvorkommen vor Gaza erschließen", in Die Zeit vom 28. Juni 2023, online hier abrufbar, zuletzt eingesehen am 24. 11.2025.

(6) Für Beispiele vgl. Küntzel, Matthias: Die Nazis und der Nahe Osten, Berlin/Leipzig 2019, S. 118f.

(7) Vgl. Segev, Tom: Es war einmal in Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, 9. Auflage, München 2025. Der Autor listet im Zeitverlauf diverse Beispiele auf. Ebenso Coghen, Hillel: Schattenarmee. Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus 1917-1948, Leipzig 2026

(8) Glasneck, Johannes/Timm, Angelika: Israel. Die Geschichte des Staates seit seiner Gründung, 2. Auflage, Bonn 1994, S. 50ff. Zur ideologischen Verbindung zwischen NS und Arabern im Nahen Osten vgl. ausführlich Mallmann, Klaus-Michael/Cüppers, Martin: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Darmstadt 2006 und Küntzel, Matthias: Die Nazis und der Nahe Osten, Berlin/Leipzig 2019

(9) Glasneck, Johannes/Timm, Angelika: a. a. O., S. 65f.