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Eine kurze Geschichte der Juden in Florenz...

Erste vereinzelte Juden gab es bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts in Florenz. 1428 lieh die jüdische Gemeinde dem Papst Martin V. Geld im Gegenzug zu ihrem verbrieften Schutz. Die Zahl der Juden stieg 1437 deutlich. 1434 kehrte Cosimo de Medici aus dem Exil zurück und brachte eine Gruppe jüdischer Geldverleiher mit, denn Christen war diese Tätigkeit untersagt. Zu diesem zeitpunkt gab es keinerlei Restriktionen für Juden.

Lorenzo de Medici holte zusätzlich jüdische Gelehrte und Philosophen an seinen Hof. Als 1472 die Pest wütete, wurde die Ursache Juden zugeschrieben und ausgewiesen. Bereits ein Jahr später kehrten sie zurück, man benötigte sie im Geldgeschäft. Sie standen unter dem Schutz der republikanischen Institutionen. Unter Savonarola wurden 1494-1498 die Medici und schließlich auch Juden wieder vertrieben.

1537 schaffte es der sephardische Jude Jacob Abravanel aus Ferrara, Cosimo de Medici zu überzeugen, zwangskonvertierte Juden Sepharden und Maranen in Pisa und Florenz ansiedeln zu dürfen. Auf diese Weise sollte der Handel mit dem westlichen Mittelmeer belebt werden. Auch italienische Juden kamen nach Florenz, so aus dem von den Spaniern kontrollierten Neapel sowie aus den vom Papst beherrschten Städten Rom und Ancona, wo 1555 Ghettos eingerichtet worden waren. Bis 1570 wuchs die jüdische Bevölkerung von Florenz auf ca. 700 Personen an.

Zunächst trugen die Medici die antijüdische Politik des Papstes nicht mit. Da der Kirchenstaat und Spanien für Cosimo I. immer wichtiger wurde, vollzog er einen Kurswechsel:

1567 erliess er Kleidervorschriften speziell für sie, dann schloss er ihre Banken, und 1570 ordnete er die Schaffung von Ghettos in Florenz und Siena an. Schon 1569 war Cosimo zum Dank für seine Dienste von Papst Pius V. zum Grossherzog der Toskana erhoben worden.

Dies ging zurück auf die vom Papst 1555 erlassene Bulle, die eben u. a. Kleidervorschriften, Ghettoisierung u. a. vorschrieb.

Das Ghetto wurde in Nähe des Alten Marktes errichtet, die Standortauswahl war auch Ergebnis ökonomischer Erwägungen. Außerdem wurden Juden im Ghetto durchaus besser behandelt als in anderen Städten zu dieser Zeit, sie genossen weitgehende Freiheiten (Schulen, Rabbinatsgerichtsbarkeit u. a.). Wohlhabende Juden konnten in anderen Stadtteilen ansässig bleiben. Grossfürst Cosimo III. de’ Medici (1642-1723) störte sich insbesondere daran, dass manche in der Nähe von Kirchen wohnten, und erzwang ihre Rückkehr bzw. Übersiedlung ins (1704-1714 erweiterte) Ghetto.

Die Habsburger regierten ab 1737, schrittweise wurde Juden mehr Rechte zugewiesen. 1799 geriet Florenz unter die Verwaltung der Franzosen, konsequent proklamierten sie Bürgerrechte und Emanzipation für die Juden, von denen viele in der Folge das Ghetto verliessen und sich in andere Teile von Florenz aufmachten. 1848 wurde das Ghetto formal aufgelöst. Bei der Proklamation des Königreiches Italien 1861 erhielten die Juden volle Bürgerrechte. Sie spielten nun eine aktive Rolle in den ökonomischen, politischen und kulturellen Angelegenheiten (auch) von Florenz. In diese Zeit des neuen Aufbruchs fiel 1874-1882 die Errichtung einer neuen und grossen Synagoge. Das Ghetto wurde im Zuge einer massiven Stadterneuerung völlig abgetragen, an seine Stelle trat die Piazza della Repubblica.

1931 lebten ca. 3000 Juden in Florenz, die unter der faschistischen Diktatur litten. Im Herbst 1943 gab es noch ca. 2500 Juden in Florenz, nach dem Sturz Mussolinis besetzte Deutschland Florenz. Offiziell deportierte man 248 Juden, nur ein Dutzend überlebte.

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