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Gedenkorten

 

Faszinierend aber das Lichterspiel, wenn die Sonne scheint, die eine Seite jeder Stele hell angestrahlt wird, andere im Schatten bleiben. Faszinierend der Kontrast zwischen dem Meer der grauen Stelen und der Umgebung mit den Wohnhäusern in der Wilhelmstraße, dem Hotel Adlon oder dem östlichen Rand des Tiergartens. Faszinierend die große graue Fläche, ein Fremdkörper in der Umgebung. Aber ein Denkmal oder gar Mahnmal für die ermordeten Juden Europas ist dies nicht.

Defizite des Mahnmals

Das Mahnmal besitzt einige Defizite sowohl in inhaltlicher als auch in organisatorischer Hinsicht. Zunächst ist ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Der Holocaust umfasste aber auch andere Opfergruppen, z. B. Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Zeugen Jehovas, sg. „Asoziale“, politische Häftlinge u. a.

Ein Mahnmal für alle Opfer des Holocaust wäre m. E. die sinnvollere Entscheidung gewesen, dass es anders kam, ist einerseits der Entstehungsgeschichte und andererseits der politischen Kultur zu verdanken. Es nützt wenig, wenn das Kuratorium sich Gedanken um ein Gedenken an andere Opfergruppen machen möchte. Jedem Mahnmal für andere Opfergruppen, das nicht mit einem solchen Aufwand entworfen und realisiert wird, wird man unterstellen, dass der geringere Aufwand Ausdruck geringerer Wertschätzung für diese Opfergruppen ist. Die Erklärungen der Initiatorin Lea Rosh, sich auf jüdische Opfer zu beschränken, klingen allzu sehr nach bloßer Rechtfertigung, historisch argumentiert(e) sie nicht.

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